Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Campingplatz

Nicht von der Hand zu weisen…

…. dass meine Begeisterung fürs Campieren reine Erziehungssache war.


Und ausserdem der Beweis, dass wir Schweizer schon in den Sechzigerjahren ordentliche Zeitgenossen waren. Jedem Eidgenoss seine Mülltonne!

Das kleine Ding im Einteiler, ja, das bin ich.

Öfters mal Panne (36)

… oder: Nasse Füsse auf dem Fussballplatz

Wenn mein innig geliebter Mitreisender und ich einen Campingplatz anfahren, geschieht dies nicht aus täglicher Gewohnheit, sondern hat ausnahmslos triftige Gründe. Wir greifen nämlich nur auf derartige Infrastruktur zurück, wenn es gar nicht mehr anders geht. Das kann sein, weil der Strom im Womi am ausgehen ist (dank Solarpanelen an unseren europäischen Womis eigentlich die Ausnahme), weil wir dringend Wäsche waschen müssen oder weil es – wie im nachstehenden Geschichtchen – weit uns breit keinen geeigneten Übernachtungsplatz gibt.

England, das fanden wir innert kürzester Zeit heraus, ist nicht wirklich für Wohnmobile geeignet. Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass England regelrecht wohnmobilfeindlich ist. Doch dieses Thema will ich hier nicht weiter plattwalzen. Tatsache ist, dass wir damals auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz in Südengland resigniert auf einen Campingplatz einbogen. Zuerst dachten wir, wir hätten uns verfahren und seien auf direktem Weg zu einem Fussballplatz. Der topfebene Platz wies keinerlei Strukturen auf. Keine Hecke, kein einziger Baum auf dem riesigen Areal von der Grösse zweier Fussball-Felder. Für die Engländer schien das, wie das folgende Bild zeigt, normal. Sie richteten sich ein mit ihren Zelten, Pavillons und Sichtschutzwänden. Campingfahrzeuge oder Wohnwagen hatten Seltenheitswert.

Wir suchten uns eine Ecke aus und fuhren auf das Grün. Dieses war, nach den vorangegangenen intensiven Niederschlägen, ziemlich weich. Ein mulmiges Gefühl beschlich uns, Erinnerungen an ähnlich weiches Terrain waren sofort wieder präsent. In solchen Fällen heckt der Mitreisende immer einen Plan B aus. Dieser sah primär vor, dass wir unser Fahrzeug wendeten, so dass wir im Vorwärtsgang wieder auf das schmale Asphaltband zurückfahren konnten. Man weiss ja nie.

Als mitten in der Nacht der Regen einsetzte, war es um unsere Nachtruhe geschehen. Dies nicht nur, weil der Regen in einem Wohnmobil viel lauter aufs Dach trommelt als zu Hause. Der Mitreisende machte nicht lange Federlesens. Er setzte sich ans Steuer, liess den Motor an und fuhr aus dem potentiellen Sumpf heraus. Nach wenigen Metern standen wir auf dem asphaltierten Platz vor einem geschlossenen Sanitärgebäude.

Was die Engländer in ihren Zelten ab uns gedacht haben mögen, war uns in diesem Moment ziemlich egal. Uns konnte der Regen nichts mehr anhaben. Wir standen auf sicherem Boden.

Vorsicht ist die Mutter der Porzellan-Kiste. Und die Schutzpatronin der Wohnmobil-Reisenden.

Silvester dort unten

Ob man will oder nicht, ob man feiert oder nicht, um den letzten Tag des Jahres weht immer ein spezielles Lüftchen. Grad zweimal erlebten wir auf unserer 15-monatigen Australien-Reise Silvester bei den Kängurus.

Beim zweiten Mal befanden wir uns in Südaustralien auf der Yorke Peninsula. Es herrschte eine Affenhitze, das Thermometer näherte sich der 40°-Grenze. Im Bottle Shop besorgten wir uns eine Flasche Sekt, bevor wir auf dem Caravan Park in Moonta Bay den letzten freien Platz ergatterten. Dieser hatte allerdings einen kleinen Schönheitsfehler, denn es fehlte ihm jegliche Schattierung. So schlossen wir unverzüglich das Stromkabel an und liessen die Dachklimaanlage laufen. Bei wahrscheinlich über 50° in der Sonne schaffte es die Klimaanlage gerade so knapp, die Temperatur in Wohnmobil allmählich auf unter 30° zu bringen. Wir empfanden dies als angenehm kühl.

Auf dem proppenvollen Campingplatz bemühten sich die Aussies, sich mit Essen und nicht zu wenig Alkohol in den letzten Stunden des Jahres in Stimmung zu bringen. Etwas Feuerwerk, knallige Papphüte und Leuchtschmuck in verschiedenen Farben untermalte die Szene. Punkt 0.00 Uhr kreischte es aus allen Kehlen „Happy New Year“ und man fiel sich in die Arme. Unsere Nachbarn der älteren Generation konnten ganz kurz den Blick vom Fernseher lassen, kamen aus ihrem klimatisierten Cabin ins Freie, bliesen zwei, drei Mal ein Tü-Tü-Rü-Tü auf ihren Papiertröten, kniffen in einen roten Ballon, gaben mit rauchiger Stimme das obligate „Happy New Year“ von sich und wandten sich alsbald wieder der Glotze zu.

Mit den Sektgläsern in der Hand machen wir – noch immer nur mit in Shorts und T-Shirts bekleidet – einen kurzen Rundgang durch den Campingplatz und erwiderten einige „Happy New Years“. Da nichts Aufregendes mehr auszumachen war, setzten wir uns nochmals für kurze Zeit vor den Camper und genossen die laue, klare Sommernacht.

In Australien ist der Spuk bereits vorbei, das Jahr 2014 hat begonnen.
Bei uns dauert es noch ein paar Stunden.
Wo und wie immer ihr sie verbringen mögt,
ich wünsche euch einen guten Rutsch ins neue Jahr.

HAPPY NEW YEAR!

Beschildert geschildert (10)

Da haben wir wieder mal den schriftlichen Beweis: Deutsche Sprache schwere Sprache.

Wer immer diese Tafel verbrochen haben mag: Er oder sie hatte mit Sicherheit keine Ahnung, welchen Schrott er/sie bzw. sein/ihr online Übersetzungsprogramm da von sich gegeben hat.

Fotografiert hat dieses Verbrechen an der deutschen Sprache einmal mehr Urs, der eine Vorliebe für derartige Darbietungen hat. Die Tafel des Schreckens steht in Saint-Vaast-la-Hougue in der Bretagne.

Die Schilder-Bilder-Serie wird auch im neuen Jahr weitergeführt. Wenn ihr ein Schild fotografiert habt, das skurril, abstrakt, widersprüchlich, nett, niedlich, hinterlistig oder einfach nur amüsant ist, schickt es mir. Ich werde es im Flohnmobil veröffentlichen.

Frau am Steuer

Bilde ich mir das nur ein, oder ist es tatsächlich so, dass in Wohnmobilen und Wohnwagen-Gespannen vorwiegend die Männer am Steuer sitzen? Die Dame des mobilen Hauses thront vom Beifahrersitz.

Das war bei uns auch nicht anders. Zwar sass ich auch ab und zu am Steuer unseres Wohnmobils, aber so richtig wohl fühlte ich mich dabei nicht. Und das nicht nur, weil ich wusste, dass mein innig geliebter Mitreisender derweil auf dem Beifahrersitz kein entspanntes Dasein fristen und die Reize der Landschaft geniessen konnte. Mir fehlte es an Routine. Vielleicht hätte ich nicht immer nur auf „harmlosen“ Strecken fahren sollen. Aber wie kann man jemals lernen, rückwärts einzuparken, wenn man lieber ein paar Meter weiter zu Fuss geht und sich dafür einen „Anfänger- Parkplatz“ ergattert? Ich gebe kleinmütig zu: Ich fühlte und fühle mich auf dem Beifahrersitz besser aufgehoben. Trotz Navi hatte ich die Karte stets griffbereit aufgefaltet. Las vielleicht gemütlich nochmals einige Zeilen im Führer nach, während ich mich vom Mitreisenden unserem nächsten Ziel entgegenschaukeln liess. Trotzdem hatte ich mir über die Jahre so viel Fahrpraxis angeeignet, dass ich nötigenfalls das Steuer hätte übernehmen können. Aber eigentlich eben lieber nicht.

Autofahren ist das A und O am Hobby „Wohnmobil“. Je mehr Routine man sich angeeignet hat, desto besser. Denn selbst mit dem versiertesten Fahrer am Steuer: Mit dem Wohnmobil ist man so etwas wie ein von weitem sichtbares Verkehrshindernis, egal ob der Verkehr von vorne oder hinten auf einem zurollt. Auch wenn man die signalisierte Höchstgeschwindigkeit nicht unterschreitet, fühlt sich doch so mancher Automobilist berufen, ein solches Gefährt zu überholen. Nervig, wenn man im Rückspiegel beobachten muss, wie die Verfolger für ihr Überholmanöver regelrecht die Pneus aufwärmen.

Mir kann keiner weismachen, dass er sich auf Anhieb am Steuer eines Wohnmobils wohl gefühlt hat. Dass er sich nicht zuerst mit den Dimensionen und dem so ganz anderen Fahrverhalten des Fahrzeugs vertraut machen musste. Wer im Alltag nur mit der Familienkutsche fährt, ist schlicht und einfach nicht gewohnt, mit einem derart behäbigen Fahrzeug durch die Gegend zu kurven. Und trotzdem darf Jeder, der die Fahrprüfung bestanden hat, noch gleichentags ans Steuer eines Wohnmobils. Fahrten auf Hauptstrassen und Autobahnen mögen noch vermeintlich einfach sein. Kritisch wird es erst, wenn Wendemanöver eingeleitet werden müssen, wenn die Gassen im südfranzösischen Dörfchen schon ohne die parkierten Autos schmal genug sind, oder wenn es ans Rückwärtsfahren geht. Und solche Situationen ereignen sich immer wieder, vor allem, wenn man auf unbekannten Pfaden unterwegs ist.

Es muss nicht eine steile, enge Bergstrasse sein, schon auf dem Campingplatz kann man sein Können unter Beweis stellen. Ich vermochte mich jeweils einer gewissen Schadensfreude nicht erwehren, wenn ich genüsslich vom Lehnstuhl aus ein kompliziertes Fahrmanöver mitverfolgen konnte. Beispielsweise, bis der Wohnwagen endlich am gewünschten Ort stand. Von gewissem Unterhaltungswert war auch so manche Übung mit den Auffahrkeilen. Wer möchte schon mit den Füssen nach oben schlafen, nur weil die Kupplung gerochen hat oder man nicht weiss, welche der vier Räder unterlegt werden müssen?

Ganz besonders amüsant sind Rückwärtsfahrmanöver, wenn die Beifahrerin – mitunter auch der Beifahrer – vom Bock steigen muss, um Unterstützung zu bieten. Sehr beliebt sind ausufernde Gesten in alle Richtungen, gerade so, als ob ein Orchester dirigiert würde. Selbst das korrekteste Handzeichen ist indes nutzlos, wenn die Person sich hinter dem Wohnmobil versteckt. Mehr als einmal wurden wir Zeugen, wie als Notstopp nur noch ein heftiges Klopfen ans Auto blieb – bevor der Baum krummgedrückt wurde.

Ein Auto zu lenken, muss man lernen. Mit dem Wohnmobil sicher unterwegs sein, braucht nebst Fahrpraxis eine gehörige Portion Vernunft, manchmal einen siebten Sinn. Dagegen gehört es eher in die Schublade „Geschmackssacke“, dem Fahrer verständliche Handzeichen zu machen. Entsprechende Kurse kann man meines Wissens bis heute nicht besuchen.

Öfters mal Panne (27)

… oder: Ungebetene Gäste

Wenn die Natur auf Besuch kommt, kann man nicht immer die Flucht ergreifen, selbst wenn man das in einem ersten Anflug von Panik am liebsten tun würde. Auf einem Campingplatz in Sardinien hatten wir uns – seinerzeit mit dem VW-Bus unterwegs – eingerichtet und wollten einige geruhsame Tage verbringen.

Natürlich hatten wir sie entdeckt, die paar klitzekleinen Ameischen und klar hatten wir von unseren Nachbarn erfahren, dass einige der Krabbler auf ihrer Kühlbox über Nacht  jämmerlich festgefroren waren. Aber uns konnte doch nichts passieren, schliesslich hatte ein Arbeiter des Platzes um alle vier Räder des Campers ein helles Pulver gestreut, das die Tierlein fernhalten sollte. Wir wurden auch nicht misstrauisch, als wir sahen, dass ein nicht unwesentlicher Teil des Sortiments im Campingplatz eigenen Laden aus Schädlingsbekämpfungsmitteln bestand.

Die Überraschung folgte erst am nächsten Morgen, als sich herausstellte, dass ein ganzes Ameisenvolk ein gemeinsames Ziel verfolgte: unser Konfitürenglas. Mein innig geliebter Mitreisender hatte mir den Anblick erspart und das Glas entsorgt, während ich noch Morgentoilette machte. Als ich frisch geduscht unter der VW-Türe stand, war er bereits mit der Einzelabreibung beschäftigt.

Hereinspaziert waren die ungebetenen Gäste ganz einfach über unser Stromkabel. Da halfen nur radikale Massnahmen in Form von viel Chemie. Noch Tage später klaubten wir mit spitzen Fingern Leichen aus den Fugen und Ritzen unseres VW-Busses. Seither sind wir überaus sensibilisiert, wenn wir Ameisen orten. Und eine Dose Baygon ist zum ständigen Reisebegleiter geworden.

Unsere fahrende Ameisenburg am Tatort in Sardinien.

Noch mehr Lust auf ungebetene Gäste? Dann wendet euch bitte vertrauensvoll diesem Flohnmobil-Post zu.

Waschtag

„Haaalt!“ Mir blieb keine Zeit mehr, um Nettigkeiten auszutauschen, ich musste meinen innig geliebten Mitreisenden sofort zum Anhalten bewegen. Meine Augen hatten erspäht, wonach wir schon seit Tagen Ausschau gehalten hatten. Drum hiess es wenden, parkieren, aussteigen, auskundschaften. Tatsächlich, ich hatte mich nicht getäuscht, es war eine Wäscherei. Und der erste Augenschein ergab, dass es freie Maschinen hatte und dass sie zu funktionieren schienen. Dem Zusammensuchen der Schmutzwäsche inklusive der Bettwäsche und Badetücher stand nichts mehr im Wege. Alles Routine – und ein Klacks gegen die Probleme, mit denen ich mich konfrontiert sah, als ich die Waschmaschine mit Münzen füttern wollte.

Was zu Hause so locker nebenbei und häufig zu einer beliebigen Zeit erledigt werden kann, wird auf Reisen mitunter ganz schön mühsam. Natürlich ist es denkbar, dass man für mehrere Wochen Garderobe mitführt. Bei uns ist das aus Platzgründen nicht möglich. Wir sind häufig einen Monat und länger mit dem Wohnmobil unterwegs und müssen darum alle zwei Wochen eine Waschgelegenheit ausfindig machen.

Längst nicht alle Campingplätze verfügen über eine Waschmaschine. Und wenn, heisst es nicht zwangsläufig, dass sie funktioniert. Und wenn sie funktioniert, ist sie vielleicht dauernd besetzt oder die Rezeption, die einem die Jetons verkauft, erst ab 18.00 Uhr offen. Ihr findet das etwas gar theoretisch? Irrtum, haben wir alles schon mehrfach erlebt.

Deshalb bevorzugen wir mittlerweile Wäschereien in Ortschaften. Gerade in Frankreich funktioniert der Waschtag mit einer „Laverie automatique“ problemlos. Sofern man über die passenden Münzen verfügt. Denn die Wechselautomaten scheinen immer genau dort defekt zu sein, wo wir waschen wollen. So musste ich um die Mittagszeit schon mal meine Nase an einer geschlossenen Apotheke platt drücken, mir bei einer Pizzeria eine Abfuhr geben lassen, bis endlich ein Coiffeur im Quartier Erbarmen hatte, und mir meine Zehneuronote in Münzen umwechselte.

Längst habe ich mich daran gewöhnt, dass ich unterwegs meine Wäsche im Tumbler trockne. Seit jenem Waschtag in Kalifornien, als mein Pyjama am Abend noch feucht war, bin ich zu den Tumblerinnen konvertiert. Das hatte auf unserer Reise durch Nordamerika ausserdem den Vorteil, dass nicht ständig die Frage beantwortet werden musste, ob der Wäschetrockner defekt sei. Im Land der unbeschränkten Möglichkeiten trocknet nämlich niemand seine Wäsche an der Leine.

Natürlich haben wir auch schon erlebt, dass die Wäsche schneller trocken war, als wir die Wäscheklammer loslassen konnten. Und glaubt mir, auch ich wasche unterwegs regelmässig Wäsche von Hand aus. Doch was macht man, wenn der Waschtrog keinen Stöpsel hat und grosse Wäschestücke wie der Duvetanzug im eigenen Plastikbecken keinen Platz finden? Zuerst etwas dumm aus der Wäsche gucken. Und dann besinnt man sich auf seinen Haushalt, holt eine rohe Kartoffel, schnitzt an ihr rum und fertig ist der Stöpsel. Funktioniert, probiert’s mal aus! Das Schälen könnt ihr euch dabei sparen. Da wir nicht immer Kartoffeln dabei haben, führen wir seit einigen Jahren einen Universal-Stöpsel mit, der auf jeden gängigen Abfluss passt. „Stöpsel“ ist zwar nicht der passende Ausdruck, denn das Kunststoffteil ist flach wie eine Omelette und verschliesst den Abfluss einzig durch den Druck des Wassers. Der nervigen Wasserverschwendung durch ständig durchlaufendes Wasser, gerade in südlichen Ländern, können wir seitdem gut entgegenwirken.

Bei stinkenden Wasch- und Putzlappen nützt allerdings die besagte Handwäsche – mit oder ohne Stöpsel – nichts. Da muss gröberes Geschütz aufgefahren werden. Die Stinktierchen in eine Pfanne, mit Wasser bedecken, ein Spritzer Waschmittel dazu, das Ganze aufkochen und schon sind die Lappen wieder einigermassen hygienisch sauber und der muffige Geruch hat sich verzogen.

Leider ist das Leitungswasser nicht überall so klar wie bei uns. In gewissen Regionen Irlands sieht es nicht nur nach Moor aus, es riecht auch so. Könnt ihr euch unsere Gesichter vorstellen, als wir unsere Wäsche aus der Wäscherei abholten und alles einen Braunstich hatte? Vor solchem Wasser hätte wohl selbst die legendäre Clementine aus der Ariel-Reklame kapituliert.

Reif für die Insel

Mein innig geliebter Mitreisender und ich haben das Reisen im Blut. Wir stehen unterwegs kaum jemals mehr als zwei Nächte am gleichen Ort. Trotzdem kommt es auch bei uns ab zu vor, dass wir ein Ziel anvisieren, an dem es uns für länger hält. So hatten wir uns auf der Insel Elba einen Campingplatz ausgesucht und uns für ein paar Tage eingerichtet. Von diesem Basislager aus erkundeten wir die Insel. Alles mit dem Velo.

Und diese drei Velotouren hatten mir einiges abverlangt. Nicht wegen der Topografie – dennoch, Elbas höchster Berg ist 1018 m hoch – sondern wegen dem vielen Verkehr. Oder hat es für die vielen Autos einfach zu wenig Strassen? Jedenfalls sind mir das Gekarre und die waghalsigen Überholmanöver ganz gehörig auf den Geist gegangen. Trotzdem ist das Velo ein geeignetes Fortbewegungsmittel und der grösste Vorteil ist, dass die leidige Parkplatzsuche entfällt.

Unser Campingplatz, der Camping Valle Santa Maria, liegt auf der Südseite der Insel am Golfo de Lacona. Eine sehr gepflegte Anlage, die wir nur empfehlen können. Zweimal stolpern und schon waren wir im Meer. Naja, fast jedenfalls. Mitte September ist die Saison am ausdümpeln. Im Verlauf einer Woche konnten wir beobachten, wie rundherum ein Teil der Strandeinrichtung abgebaut wurde. Die Preise für einen Sonnenschirm und zwei Liegen finden wir mit 18 Euro und mehr reichlich happig. Aber man kann’s ja sein lassen.

Petrus hat es gut mit uns gemeint. Jeden Tag stieg das Thermometer auf über 30 Grad, Baden im kristallklaren Meer ging ohne Schüttelfrost über die Bühne. Überhaupt sind in den vergangenen 14 Tagen die Begriffe „frieren“ oder „kalt“ bestimmt nicht im Zusammenhang mit dem persönlichen Befinden gefallen.

Elba ist eine gebirgige Insel, die fast vollständig bewaldet ist. Es hat unzählige kleine Badebuchten und auch einige grössere, aber keine riesengrosse Strände. Das macht die Insel sympathisch. In der Hauptsaison jedoch dürfte es hier beängstigend eng werden.

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Sperrzone Engadin

Es ist ein teurer Parkplatz, auf dem mein innig geliebter Mitbewohner und ich einige Tage verbracht haben. Die Auswahl war indes nicht sehr gross. Im gesamten Engadin gibt es meines Wissens keinen einzigen Wohnmobil-Stellplatz, dafür massenhaft Verbotstafeln. Diese begrüssen einen schon auf der Julier-Passhöhe („Campieren auf dem gesamten Gemeindegebiet von Silvaplana verboten“), gleichfalls auf dem Flüelapass (selbiges, einfach mit „Susch“ anstelle von Silvaplana) und vermutlich auch auf dem Albula. Die Verbotsschilder sind flächendeckend und unübersehbar aufgestellt. Man will uns hier auf einen Campingplatz verbannt wissen.

Wir haben es vor Jahren schon erfahren und versuchen erst gar nicht, ein Schlupfloch zu finden. Der besagte teure Parkplatz (25.-/Nacht) ist in Tat und Wahrheit ein Campingplatz im Münstertal. Wir standen auf einer Wiese, in gebührender Entfernung gab es die einschlägige Infrastruktur wie Steckdose (deren Gebrauch noch extra kosten würde), Sanitäre Anlagen (Duschen ebenfalls extra), Abfalleimer (keine Extra-Gebühr, ach hätte ich doch meinen Güsel von zu Hause hier entsorgt), Spielplatz (zu dem Alter sind wir raus), ein kleines geheiztes Schwimmbad, in dessen Fluten die ganze Talschaft baden darf.

Normalerweise suchen wir keine Campingplätze auf. Normalerweise sind wir aber auch nicht im eigenen Land unterwegs. Vielleicht haben wir deshalb etwas den Kontakt zu helvetischen Campingplatztarifen verloren. Wir finden den Preis jedenfalls für das Gebotene sackteuer.

Nicht ganz so edel wie der Preis fällt übrigens die Quittung aus. Auf einen Hüüsliblock A6 kariert wurde ein Stempel gedonnert und mit Datum, Unterschrift und Betrag versehen. Ich fress einen Besen samt Putzfrau, wenn der Betrag ordentlich versteuert wird.

Die Familienwanne

Beim gestrigen Bade in der hauseigenen Pfütze habe ich mich an eine Begebenheit erinnert, die einige Jahre zurückliegt.

Wir waren im Südwesten Australiens unterwegs. Der Frühling zog ins Land – oder hätte es wenigstens tun sollen. Denn das Wetter gab sich ausgesprochen launig und wurde im Tagesverlauf immer nässer. So beschlossen wir, uns frühzeitig einen Campingplatz zu suchen, denn Weiterfahren wäre bei dem Hundewetter wenig sinnvoll gewesen. Bei einem Aufenthalt auf einem Campingplatz drängt sich – vor allem, wenn man mit einem Wohnmobil ohne Dusche unterwegs ist – stets Körperpflege auf. Mit Entzücken lasen wir, dass es ein „Family Bath“ geben sollte. Wenn das keine Einladung war!

Das Familienbad entpuppte sich als grosszügig konzipiertes Badezimmer, auf Hochglanz poliert, von oben bis unten gefliest und in der Mitte …. eine riesengrosse, freistehende Badewanne. Wir waren hin und weg, liessen die Wanne volllaufen, machten einen Chöpfler rein und schwammen kurzentschlossen ans andere Ufer. Herrlich. Genau das passende Wellness-Programm, das diesen miserablen Tag gerettet hatte.

Mag sein, dass solche Familienbadewannen in Fünfsternehotels zum Standard gehören. Auf einem mittelteuren Campingplatz jedenfalls hätten wir einen solchen Bottich nie erwartet. Doch es war nicht nur die schiere Grösse der ganzen Einrichtung, die uns Eindruck machte.

 Nachdem wir über ein Jahr in Australien umhergereist waren, war es einfach ein sensationelles Erlebnis, dem Ehepartner wieder einmal den Rücken waschen zu können.