Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Bargeld

Betrogen

Jetzt wurde ich doch tatsächlich um einen Blog-Beitrag betrogen!

Ich wollte schreiben, dass ich sie noch nie zu Gesicht bekommen hätte.

Dass ich mich langsam fragte, ob es sie überhaupt gäbe.

Oder ob ihre Existenz vielleicht doch nur ein Gerücht sei.

Da erhielt ich eine. Und die Welt erhielt ein neues Gesicht.

Fast vier Wochen nach ihrem Erscheinen hielt ich erstmals eine der neuen Zehnernoten in der Hand.

Als ich eine Rose für meinen Mann kaufte. Eine gelbe.

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Einkaufserlebnis im 21. Jahrhundert

Angesichts kundenfeindlicher Ladenöffnungszeiten, die nicht mal bis Mitternacht dauern, angespannter Parkplatzsituation und allgemeinem Missmut Menschenmassen gegenüber, findet der shoppende Homo Sapiens sein Seelenheil im Internet. Tag und Nacht. Mit einem unendlichen Angebot.

Im Hause Flohnmobil gab es mal wieder etwas anzuschaffen. Dies, so scheint mir, passiert in den letzten Wochen und Monaten gehäuft. Es wird wohl damit zu tun haben, dass viele Haushalt-Geräte, Möbel und dergleichen aus den Anfangszeiten unserer häuslichen Beziehung stammen und allmählich in die Jahre kommen. Nichts hält ewig. Auch nicht ein Gartentisch. Und um diesen geht es im Folgenden.

Ich setzte mich vor geraumer Zeit an den PC und begann nach einem neuen Gartentisch zu googeln. Rund sollte er sein, wie sein Vorgänger. Es war mir nicht entgangen, dass in den einschlägigen Läden fast nur noch rechteckige Tische angeboten wurden. Und die runden Tische waren allesamt zu klein. Ich will ja bei mir zu Hause kein Bistro einrichten, in dem mein innig geliebter Mitbewohner und ich je an einem 50 cm grossen Tischchen sitzen und so tun, als wären wir uns noch nie begegnet.

Im Internet wurde ich schnell fündig. Den gewünschten Tisch gab es sogar in zwei Farbvarianten. Als ich mich endlich überwunden hatte, einmal mehr ein Benutzerkonto mit einem Passwort, das ich ohnehin schon bald vergessen haben werde, einzurichten, war der Tisch schnell bestellt. Noch schneller erhielt ich per Mail eine Auftragsbestätigung. Und dann begann das Warten.

Von neun bis elf Tagen Lieferfrist war anfänglich die Rede gewesen. Immerhin hatte es geheissen, beim Lieferanten seien mehr als fünf Tische vorrätig. Nach bald zwei Wochen stellte sich bei mir eine gewisse Ungeduld ein, schliesslich hatte ich die Abholung des Tisches mit etwas anderem verbinden wollen. Und dieses Andere war eigentlich überfällig. Ausserdem konnte ich ja nicht wissen, dass neun Arbeitstage gemeint waren. Immer wieder schaute ich meine Bestellung an (es bestehen gewisse Chancen, dass ich deshalb das Passwort noch etwas länger als üblich kenne). Nichts tat sich. Am Sonntag Abend änderte sich der Status und am Montag Nachmittag erhielt ich das erlösende Mail, der Tisch sei abholbereit. Nach exakt zehn Tagen. Arbeitstagen.

Natürlich hätten wir uns den Tisch auch liefern lassen können. Sogar zum gleichen Preis. Aber nachdem der Mitbewohner am Auto Mass genommen hatte und sicher war, dass der Tisch rein passen würde, zogen wir es vor, ihn abzuholen. Dadurch waren wir nicht an einen Termin gebunden. Ausserdem hätten wir bei Lieferung den Tisch im voraus bezahlen müssen und das wollten wir nicht. Also begaben wir uns dorthin, wo die digitale auf die reale Welt trifft: ins Abhollager.

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Am Eingang zum Digitec-Galaxus Showroom stand unübersehbar ein Ticket-Automat. Aber nicht einer von der Sorte, wie man sie an der Post oder beim Metzger nehmen muss. Das Ticket kam nämlich nicht einfach so raus, sondern man musste sich zuerst entscheiden, weshalb man überhaupt hier war. Ich stellte bald fest, dass ich dazu die Auftragsnummer eingeben musste. Ich hätte auch die Abholungseinladung, die mir gemailt worden war, ausdrucken können. Dann hätte ich einen Strichcode zum Einlesen gehabt. Vielleicht hätte ich diesen auch am Handy hinhalten können. Wie auch immer. Ich tippte die siebenstellige Nummer ein, drückte ENTER und schwupps war ich stolze Besitzerin des Tickets Nr. 560.

Auf einem grossen Bildschirm waren die Ticket-Nummern in drei Kategorien aufgelistet. Es machte den Anschein, als ob wir als Nächste an der Reihe wären. Wir schauten uns ein wenig um, ohne jedoch auf die ausgestellten funkel-nagel-neuen Handys und Notebooks hereinzufallen. Nicht mit uns! Wir waren wegen einem profanen Gartentisch hier und dabei sollte es auch bleiben.

Unsere Nummer leuchtete auf und gleichzeitig ertönte ein Gong. Der junge Mann hinter dem Schalter hatte auf seinem Bildschirm bereits unsere Bestellung und fragte mich als erstes, wie ich zu zahlen gedenke. Die Frage, so wichtig sie für ihn auch sein mochte, war auch für uns nicht ganz unbedeutend. Denn es gab einen kleinen Haken: Bezahlen mit Karte war seit mehr als 24 Stunden nicht möglich. Der Fehler lag nicht beim digital durchorganisierten Online-Warenhaus, sondern beim Anbieter des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Wir waren endgültig wieder in der analogen Welt angekommen.


Wie gut, dass es noch Bargeld gibt.

 

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