Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schlagwort-Archiv: Angeln

Uferloses Gespräch

Während mein innig geliebter Mitbewohner und ich im Begriff waren, das Ruderboot für die kommende Fischer-Saison flott zu machen, quakte es plötzlich vom Ufer her. “Gönzi scho go fische?”

Der Mitbewohner und ich drehten uns um und sahen eine magere Gestalt mit fragendem Blick am Ufer stehen. Die Körperhaltung der alten Frau liess keinen Zweifel offen, ob es sich hier vielleicht um eine rhetorische Frage gehandelt haben könnte. Eine Antwort unsererseits schien unumgänglich. “Efängs parat mache”, entgegnete der Mitbewohner. Wir waren beide schwer beschäftigt und wollten unser Werk vollenden. Small Talk war momentan wirklich nicht nach unserem Gusto.

Die Frau liess nicht locker. Nach einigen Floskeln verkündete sie schliesslich: “Wüssezi, ich bin mit ere Wandergruppe underwägs. Aber ich laufe immer echli voruus. Die Andere schnurremer z’viel.”

Das mit dem Zuviel und überhaupt wird wohl für alle Ewigkeit Ansichtssache bleiben.

DSC02295

Advertisements

Beschildert geschildert (94)

clip_image001

Zu diesem Schild schrieb mir Tom von „Einfach Tom“:

Ich habe da bei uns in Grassau in der Nähe unseres Wertstoffhofes auch ein nettes Schild entdeckt. Hier rechnet man wohl damit, dass Jesus vorbeikommt!?

Ich weiss natürlich nicht, was sich euer Angelverein dabei gedacht hat, Tom. Aber wenn ich die schittere Gondel im Hintergrund sehe, ist es vielleicht wirklich sicherer, übers Wasser zu gehen. Herzlichen Dank für das Bild!

Fisch zu frisch

Die Fischer-Saison neigt sich unweigerlich ihrem Ende entgegen; vom 20. November bis 31. Dezember ist im Kanton Zürich Schonzeit für Felchen. Die Hobby-Fischer sind bemüht, bis dahin noch den einen oder andern Fisch aus dem Wasser zu ziehen, zumal die Felchen diesen Herbst allgemein eher schlecht gebissen haben.

Auch mein innig geliebter Mitbewohner ist dieser Tage – trotz kühler, ja sehr kühler Witterung – auf dem See unterwegs. Ich bewundere ihn dafür. Für mich Gfröörli wär das nichts, ich schlottere schon beim blossen Gedanken, bei Temperaturen knapp über Null und leichtem Wind draussen sein zu müssen. Und dann noch mehr oder weniger unbeweglich auf das Anbeissen eines Fischs zu warten. Nein Danke! Da bleibe ich lieber daheim und warte, bis die fangfrischen Felchen einfahren.

Diese Aufgabenteilung hat sich über all die Jahre bewährt. Sobald die Fische über die Türschwelle gereicht werden, sind sie mir unterstellt. Dann geht es ihnen an den Kragen und die Küche verwandelt sich vorübergehend wortwörtlich in ein Schlachtfeld.

Fangfrische Fische, so würde man meinen, sind etwas Feines. Sind sie auch, unbestritten. Bloss verhalten sich Filets, die nur wenige Stunden zuvor noch als Fisch im Wasser unterwegs waren, etwas sonderbar. Sobald sie in der Bratpfanne sind, ziehen sie sich zusammen. Man kann richtiggehend zuschauen. Die beiden unteren Bilder habe ich innert maximal 90 Sekunden gemacht. Ähnliche Erfahrungen hatte ich mal mit fangfrischen, ganzen Forellen gemacht. Hätte ich nicht gewusst, dass sie hundert Prozent tot sind, ich hätte mir eingebildet, sie krümmten sich vor Schmerz in der Pfanne. Was sich da biologisch-physikalisch genau abspielt weiss ich nicht.

Was ich jedoch mit Sicherheit weiss: Während ich diese Zeilen schreibe, ist der Mitbewohner wieder auf dem See. Und bis dieser Beitrag veröffentlich wird, sind die Fische, die er heim gebracht hat, verarbeitet und auf Eis gelegt.

DSC01151DSC01153

Spassbremse wegen Notbremse

Das Phänomen holt mich alle Jahre wieder ein. Zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Jeden Herbst.

Mein innig geliebter Mitbewohner hat sich auf unseren Reisen das Hobby “Fischen” zugelegt. Daran ist grundsätzlich nichts einzuwenden. Ein typisches Männer-Hobby halt. Und er praktiziert es seit Jahren auch in heimischen Gefilden. Sehr erfolgreich. Zu erfolgreich. Denn unlängst musste ich wieder mal die Notbremse betätigen und wurde dadurch unweigerlich zur Spassbremse. Ich verbot dem Mitbewohner, auf den See zu gehen.

Denn unser Gefrierschrank ist voll. Ich bin kein Eskimo, der schon zum Frühstück Fisch verspeist. Was wir auf Eis gelegt haben, reicht jetzt schon bis im nächsten Frühjahr, und dann wird erfahrungsgemäss die Felchensaison von neuem losgehen.

Wir haben genügend Vorrat, damit wir jede Woche mindestens einmal Fisch essen können. Und das reicht mir eigentlich. Momentan essen wir aber zweimal pro Woche Fisch und verschenken auch das eine oder andere Fischfilet an Freunde. Wir veranstalten eigentliche Fisch-Partys, damit der Bestand runter kommt und der Mitbewohner wieder auf den See kann. Ich mag Fisch. Und ich verfüge über ein beinahe endloses Repertoire an Fisch-Rezepten, mit denen ich die Fische verwerte. Aber ich koche und esse auch ganz gerne etwas anderes.

Es gilt, noch knapp drei Wochen durchzuhalten. Denn am 19. November endet die Felchensaison. Nicht weil ich es so will, sondern von Gesetzes wegen. Zum Schutze der Felchen, die im Dezember laichen. Und zu meinem auch ein wenig.

20141027_085247

Brauchen Fische Fingernägel?

Als Frau eines Hobbyfischers bleibt es einem manchmal nicht erspart, dass man in einen Fischerladen abgeschleppt wird. Zwar habe ich auf unseren Reisen jeweils auch geangelt, doch hier in der Schweiz habe ich keinen Bock mehr auf Würmlibade und bin in solchen Läden nur Dekoration.

Bei der letzten Abschleppaktion in einen Fischerladen (meine Alternative wäre gewesen, im Regen vor der Türe zu warten) wurde mein innig geliebter Mitbewohner von einem Virus infiziert. Im Laden zeigte man ihm, wie man die winzig kleinen Angelhaken (Grösse 12 und 14 wen’s interessiert) lackiert und mit UV-Licht bestrahlt. Dadurch erreicht man zweierlei: Der Faden, mit dem man den Haken umwickelt hat, behält seine Farbe und er wird viel widerstandsfähiger. Selbst so eine Felche, die sich vorwiegend von Plankton ernährt, kann nämlich ganz schön an einem Haken umechätsche (rum kauen).

Alsdann begann es in des Mitbewohners Oberstübchen zu brüten. Und er setzte sich an den PC und begann zu googeln. Etwas, das er nur im Zusammenhang mit Angeln oder vielleicht noch Skifahren macht.

Selbstverständlich verkauft auch der eingangs erwähnte Laden UV-Aushärtungsgeräte, aber die erschienen dem Mitbewohner etwas überbezahlt. So landete er schliesslich dort, wo weder er noch ich mich auskenne: in einem Nagelstudio! Solche Nagelstudios, so fanden wir schliesslich in einer gemeinsamen ehelichen Handlung heraus, benützen auch UV-Lampen, um modellierte Fingernägel auszuhärten. Ach du grüne Neune, da waren wir in für uns gänzlich unbekanntes Terrain vorgedrungen!

Wir arbeiteten uns tapfer weiter vor und fanden schliesslich bei Ricardo sowohl eine passende UV-Lampe als auch die geeigneten transparenten Lacke. Dem Glück des Mitbewohners konnte nur noch die Post einen Strich durch die Rechnung machen, doch die lieferte für einmal das Paket prompt aus. Umgehend baute mein Hobbyfischer seine Versuchswerkstätte auf und steckte die Angelhaken ins Solarium.

Erste Erkenntnis: Es funktioniert! Was die Fische davon halten, bleibt abzuwarten. Doch eines weiss ich heute schon: Sie werden genauso wenig erpicht sein auf das der Sendung beigelegte Geschenk wie wir. Oder habt ihr schon mal einen Fisch gesehen an seinen künstlichen Fingernägeln nagen?

Erkenntnisse eines Pfingst-Wochenendes

In der Heimat ist es auch wieder schön.

Französische Olivensteine saufen sofort ab, während französische Kirschen-Steine wahlweise auf der Wasseroberfläche bleiben oder in gemässigtem Tempo absaufen. Würde ein eidgenössischer Chriesi-Stei den goldenen Mittelweg suchen?

Den Fischen stand der Sinn offenbar nicht nach anbeissen. Vielleicht haben sie sich mit unseren Oliven- und Kirschensteinen besser amüsiert als mit den Angelhaken.

Frau Flohnmobil ist wasserscheu. Sonst wäre sie gestern bei über 30 Grad in den erfrischenden See (je nach Quelle zwischen 19 und 24 Grad warm) gehüpft.

Auf dem See war es trotzdem schön.

Um etwas vernünftiges zu bloggen ist es zu heiss.

Um Blogs zu lesen offenbar auch. So jedenfalls interpretiere ich meine Besucherstatistik. Oder seht ihr das anders?

Beginnt der Fisch wirklich am Kopf zu stinken?

Schon beim Frühstück dachte ich mir: Bea, an diesem kühlen, verregneten Pfingstsonntag kannst du wieder einmal einen richtig gediegenen Blog-Beitrag schreiben. Einen, der deine Leser in Entzücken versetzt, dass alle nach mehr Flohnmobil lechzen und den Rest der wettermässig bescheidenen Feiertage nicht mehr vom Computer und deinen mittlerweile über 700 Blog-Beiträgen wegzubringen sind.

Das Schicksal meinte es gut mit mir und spielte mir schon kurz darauf eine Begebenheit zu, sodass ich nicht auf meinen Fundus von möglichen Themen, die ich mir laufend auf Fresszetteln notiere, zurückgreifen musste.

Es begann harmlos, mit einem Arm voll Wäsche, die ich in die Waschküche hinuntertrug. Aus unserer Waschküche schlug mir ein strenger Geruch entgegen. So wie überreifer Käse auf dem Weg zur Selbständigkeit oder etwas Ähnliches. Kurz nach mir traf auch mein innig geliebter Mitbewohner in selbigem Raum ein und rümpfte seine Nase ebenso. Etwas mehr als ich noch, doch das hat in erster Linie der Grösse seiner Nase zu tun.

Während ich mich vorderhand mit der Wäsche beschäftigte, begann der Mitbewohner nach der Quelle des Übels zu suchen. Wie ihr spätestens seit diesem Blog-Beitrag wissen müsstet, geht der Mitbewohner regelmässig zum Angeln. Dass es in unserer Waschküche ab und zu ganz dezent nach Fisch riecht, lässt sich nicht vermeiden, sonst müssten wir nach jedem Ausflug auf den See alle Kleider und einen Grossteil der Ausrüstung waschen. Der Verdacht des Mitbewohners fiel sofort auf die Kühltasche, in die er die Fische unmittelbar nach dem gesetzlich vorgeschriebenen Totschlag zu pflegen steckt. Was er beim Anblick des dort drin seit 72 Stunden verwesenden Fischs sagte, verbieten mir meine gute Kinderstube und der Respekt gegenüber meinen Lesern.

Wir entsorgten den Fisch sofort und gebührenpflichtig und widmeten uns in der Folge intensiv der Vertreibung des üblen Geruchs, der sich mittlerweile ins Treppenhaus ausgebreitet hatte. Mit Lüften alleine war dem nicht beizukommen! Ich griff zu einem alten Hausfrauentrick und erwärmte etwas Essig in einem Pfännchen. Mit diesem Pfännchen ging ich im Treppenhaus auf und ab. Dabei kam ich mir vor, wie ein katholischer Pfarrer mit dem Weihrauch-Kessel. Der Essig tat seinen Dienst und neutralisierte gleich noch andere unangenehme Düfte, die sich in unserem Sechsfamilienhaus auszubreiten pflegen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei meinen hier mitlesenden Nachbarn mit dem empfindlichen Näschen für die unangenehme Duftwolke entschuldigen. Ob sie sich zu besagtem Zeitpunkt überhaupt im Treppenhaus aufhielten, entzieht sich meiner Kenntnis.

Ich kann nicht beurteilen, ob dieser Text jetzt wirklich so bahnbrechend entzückend ist, dass ihr den Rest der Pfingsten in den alten Flohnmobil-Beiträgen herumstöbern wollt. Was jedoch ganz gewiss ist: Der Mitbewohner wird künftig die Kühltasche wieder etwas gründlicher leeren. Jedes Mal.

Da ich meine Blog-Beiträge gerne mit einem Bild illustriere, euch aber den Anblick des Fischs ersparen möchte, habe ich auf ein Bild aus besseren Zeiten zurückgegriffen.

1001 Fischrezepte

Mein innig geliebter Mitbewohner schöpft derzeit aus dem Vollen. Das kann man durchaus wörtlich nehmen, ist doch der See, in dem er angeln geht, nach den ergiebigen Niederschlägen platschvoll.

Platschvoll ist auch mein Ordner mit Rezepten, die ich im Verlauf der Jahre gesammelt habe. Immer mal wieder gehe ich ihn durch und dabei wandert das eine oder andere Rezept auf dem Altpapier-Haufen. In diesem ominösen Ordner hat sich eine ganze Litanei an Felchen-Rezepten angesammelt. Die brauche ich auch, denn wenn es dem Mitbewohner gut läuft, kommt er mehrmals pro Woche mit je 10 Fischen nach Hause. Rechne! Wir sind ein Zweipersonenhaushalt, der sich (das habe ich als Köchin in der Hand) bis zu zweimal pro Woche zum Fischessen hinreissen lässt. Eine Tagesration an gefangenen Fischen reicht – je nach Grösse der gefangenen Felchen – im Schnitt für drei Wochen. Der Mitbewohner müsste also, um unseren eigenen Bedarf zu decken, nur alle drei Wochen zum Angeln. Das ist Theorie, denn 1. dauert die Angelsaison nicht das ganze Jahr und 2. bringt er nicht jedes Mal das Tageslimit nach Hause. Dennoch habe ich schon 1 ½ Tiefkühl-Schubladen mit Fischen gefüllt. Tendenz steigend.

Die Fische wollen verwertet sein. Als gebratene, gedämpfte, im Dampf gegarte oder panierte Filets. Gerollt, zerkleinert, ganz. Mariniert, püriert, frittiert. Als Kloss, Mousse oder Timbale. Auf Lauch-, Randen- oder Lauchbeet. An Tomaten-, Zitronengras- oder Currysauce. Unter Kräuter- oder Nusskruste

Wir räuchern Fische, bis das ganze Quartier ausgezogen ist (habe ich übrigens hier schon einmal beschrieben). Ich mariniere kleingewürfelte Filets mit Limettensaft und serviere sie als Ceviche (ein hochgeschätztes, kulinarisches Souvenir aus Mexico). Und natürlich verschenke ich auch ab und zu so einen Fisch aus authentischem Wildfang (Stichwort „Auge um Auge“). Was nicht sofort verwertet werden kann, wird konserviert. Da drängt sich in erster Linie der Tiefkühlschrank auf. Nicht nur für frische, sondern auch für geräucherte Fischfilets.

Meine neuste kulinarische Errungenschaft sind gebeizte Felchenfilets. Was mit Lachs geht, sollte doch mit Felchen auch möglich sein, sagte ich mir, begann zu googeln und fand zahlreiche Rezepte, unter denen dieses hier empfehlenswert ist:

http://www.kuechengoetter.de/rezepte/verschiedenes/Graved-Lachs-2967846.html

Besonders neckisch: Durch das Salz wird dem Fischfilet Flüssigkeit entzogen und das relativ weiche Felchenfilet wird ziemlich fest. Man kann es entweder nach den zwei Tagen in der Beize sofort essen, noch etwa zwei Tage im Kühlschrank aufbewahren oder einfrieren. Absolut keine Qualitätseinbusse durch den Gefrierprozess!

Doch nun zu meinem eigentlichen Geheimtipp. Ein Rezept, das in der neusten Ausgabe der Saisonküche veröffentlicht wurde, allerdings mit Kabeljau Rückenfilets.

Meine Version geht folgendermassen:

800 g Felchenfilets ohne Haut, längs halbieren, sämtliche roten Stellen grosszügig herausschneiden
4 Knoblauchzehen
6 EL Olivenöl
½ Zitrone
1 EL Rotweinessig
1 TL Puderzucker
½ Bund Peterli
Fleur de Sel, Pfeffer

Die Fischfilets in vier ofenfesten Schalen auslegen. Knobli in Scheiben schneiden, in wenig Öl knusprig braten. Auf dem Fisch verteilen. Zitronenschale fein zum Fisch reiben, Zitronensaft mit Essig, restlichem Öl und Puderzucker verrühren, über den Fisch giessen. 30 Minuten bei Zimmertemperatur marinieren. Im auf 130° vorgeheizten Backofen ca. 10 Minuten garen. Peterli darüber, mit Salz und Pfeffer würzen. Fertig! Dazu gab’s Brot und Salat.

So schnell waren der Mitbewohner und ich uns bei Tisch lange nicht mehr einig: ein Gedicht!
Und für kommende (???) warme Sommerabende wärmstens zu empfehlen.