Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Zum Kotzen stark

Von einer Kollegin, deren Mann vor einigen Jahren an Krebs gestorben ist, habe ich folgendes Mail erhalten:

… Wie ich schon im letzten Mail geschrieben habe, ist es mit dem Kraft-Wünschen immer so eine Sache. Ich hätte oft kotzen können, ob all der Kraft, die man mir wünschte. Schon klar, die Mitmenschen wollen etwas Liebes sagen, ich weiss, ich weiss. …

Ich könnte es nicht in treffendere Worte fassen. Auch mir wird Kraft gewünscht. In Mails, im persönlichen Kontakt, per SMS, Blog-Kommentaren. Ich werde in sämtlichen vorgängig erwähnten Varianten gedrückt, sogar ins Gebet einbezogen. Von allen Seiten her wird mir auch immer wieder versichert, man denke an mich/uns.

Emotionslos betrachtet muss ich mich fragen, was mir all die Wünsche bringen. Es geht weder mir noch meinem Mann dadurch besser. Aber die Wünsche sind, und das ist mir sehr wohl bewusst, ehrlich gemeint. Und letztlich auch nur ein Abbild von dem, was wir selber empfinden: Hilflosigkeit, Traurigkeit, Ohnmacht.

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9 Antworten zu “Zum Kotzen stark

  1. RoadTrip-Girl 25. Juni 2017 um 13:48

    Ich wünsche dir keine Kraft, da ich weiss, dass du diese hast.

    Man funktioniert und geht den eingeschlagenen Weg. Egal was kommt… Ich habe es erlebt…

    Was ich mir für dich/euch wünsche ist Lebensfreude!

    Wir alle sollten uns mehr am Leben erfreuen, auch wenn solche Schicksalsschläge uns ereilen.

    Wer weiss schon wann die „eigene Zeit“ abgelaufen ist?

    Sei wütend wenn dir danach ist oder traurig, auch glücklich aber lass das Leben zu. Unternehmt schöne Dinge zusammen und geniesst die Zeit die ihr zusammen verbringen dürft. Nicht jedem ist die Liebe zu einem anderen gegeben.

    Ich hoffe du verstehst meinen Kommentar nicht falsch und ich habe lange überlegt ihn zu senden…

    Herzliche Grüsse
    Veronica

    Gefällt 5 Personen

  2. Roswitha 25. Juni 2017 um 14:11

    Meine Vorgängerin spricht mir aus der Seele. Sie hätte es nicht treffender sagen können.

    Wenn ich in meinem Umfeld, persönlich oder im Netz vom Leid anderer Menschen lese, dann macht mich das oft sprachlos, hilflos und unheimlich traurig, insbesondere, wenn man mit den Menschen Kontakt hat.

    Ich möchte dem anderen helfen, sein Leid etwa verringern, aber das kann man weder mit Worten, schon gar nicht durch Schweigen.

    Die Menschen, die hier kommentieren, möchten dir/euch zeigen, dass wir an euch denken, das wir zu einem kleinen Teil mitleiden und euch so gerne helfen würden, wenn wir könnten.

    Unser Leben ist noch nie einfach gewesen und in solchen Momenten, wo wir Menschen erkranken und wissen unser Schicksal ist besiegelt, wird es um das vielfache noch schwerer. Es lastet auf uns wie ein Mühlstein und zwingt uns in die Knie.

    So lange ihr beiden noch zusammen seit „lebt“ mit all euren Sinnen und nutzt jeden Moment der euch noch bleibt. Genießt die gemeinsamen Stunden, singt und lacht, erinnert euch an die schönsten Zeiten eures Lebens, denn sterben heißt nicht Tod und der Tod gehört zum Leben dazu.

    Alles hat seinen Anfang und alles sein Ende, aber man kann selbst in den schwersten Stunden noch das Leben voller Inbrust genießen.

    Herzliche Grüße von Roswitha

    Gefällt 5 Personen

  3. kat+susann 25. Juni 2017 um 14:37

    Mir wird auch komisch, wenn ich das lese, auch in Facebook Kommentaren oft: ich drück dich, ich wünsche dir Kraft säusel säusel…
    Ich bin Krankenschwester und gegen die Angst und die Ohnmacht kann niemand etwas tun. Wenn einen ei Schicksalsschlag ereilt, muss man ganz alleine damit fertig werden. Mein Rat ist oft: das schöne sehen. Ich hatte Letzt ein Erlebnis mit einer traurigen, schwerkranken Patientin. Ich hab sie gefragt: gibt es etwas, an was sie sic gerne erinnern? Was sie vielleicht noch mal machen möchten? Was ihnen ein gutes Gefühl macht? Erst sagte, sie: nein und schaute traurig. Ich sag: ich denke manchmal an das Meer, wo ich mal war, wie die Wellen rauschen der Wind weht, dann hab ich was warmes im Bauch. Sie schaut und sagt: wir waren früher oft an der Nordsee. Da war ich glücklich. Und sie erzählte davon und begann zu lächeln. Sie war ganz drin in ihrem guten Gefühl. Dann beschloss sie, dass sie nächstes Jahr, wenn chemo vorbei wieder hinfahren will. Ich sag: das ist ein ziel. Und fragte, ob sie ein bisschen jetzt von der seebrise haben will, sie musste nämlich inhalieren mit Kochsalz. Da hat sie gelacht und gesagt, ja. Sie stellt sich das jetzt in der Isolation einfach vor dass sie am Meer ist und inhaliert. Es sind nur Momente die man wieder holen kann und dann kommt für einen Moment das Lachen zurück. Das ist das, was zählt. Liebe grüße Kat

    Gefällt 7 Personen

  4. sweetkoffie 25. Juni 2017 um 17:00

    Weißt du was? Letztlich bist du einfach zum kotzen stark, weil dir gar nichts anderes übrigbleibt … ich weiß was du meinst und verstehe dich nur zu gut …

    Gefällt 1 Person

  5. Anhora 25. Juni 2017 um 18:22

    Ich kann deine Gefühle verstehen. Als vor 8 Jahren mein Sohn eine schweren Autounfall hatte und eine lange Zeit in der Intensivstation/Reha folgten, erhielt ich auch viele „Kraftwünsche“, „Sonnenstrahlen“ und gar „Energie vom Universum“. Mir hat es schon etwas gebracht, nämlich das Gefühl, schwach sein zu dürfen, denn sonst bräuchte man ja diese Wünsche nicht. Mir wurde zugestanden, angeschlagen zu sein und man wünschte mir, dass ich es überstehe. Wenn ich wenig oder keinen Zuspruch bekommen hätte, wäre es noch schlimmer gewesen. Glaube ich jedenfalls. Ich wünsche euch deshalb/trotzdem viel Kraft. Was will man sonst auch sagen?

    Gefällt 2 Personen

  6. modepraline 25. Juni 2017 um 21:15

    Selber betroffen (wie Du) verstehe ich diese Sätze inzwischen und … auch wenn man manchmal schreien möchte „UND WAS NÜTZT UNS DAS?“ , so wäre das doch sehr ungerecht. Jene, die Kraft wünschen, können ja auch nichts dafür, dass es ist, wie es eben ist. Was sollten sie auch sonst sagen? Oder anders gefragt: Was würdest Du an ihrer Stelle sagen?

    Gefällt 2 Personen

  7. Annette 25. Juni 2017 um 22:10

    Liebe Bea!

    Irgendetwas Schlimmes/Trauriges muss passiert sein. Ich weiß nicht, was es ist, aber es bestürzt mich irgendwie. Ich will dir jetzt auch auf keinen Fall „viel Kraft“ wünschen oder so. Aber ich denk an dich.

    Annette

    Gefällt 1 Person

  8. Seifenfrau 26. Juni 2017 um 07:07

    Liebe Bea,
    angesichts eurer Situation ist man im Grunde „sprachlos“ und will trotzdem trösten.
    Daher die Kraftwünsche und Umarmungen. Das hab ich ja auch so getan. Seufz.
    Und auch so gemeint. Worte können und sollen ja auch stark sein.

    Nun gut; Dich nervts.
    Ich kanns auch verstehen.

    Also…also…also…was schreib ich denn nun?
    Grübel….Kopfkratz…

    Ich könnts auch wieder löschen,
    aber das wäre auch nicht richtig.

    Liebe Grüße mit allem, was du lesen möchtest oder auch nicht.
    Mit oder ohne Einhorn – ganz wie du willst…
    wünscht
    Gine

    Gefällt 1 Person

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