Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Der ominöse (Geburts)Tag

Der 8. Januar war für mich seit jeher ein spezieller Tag. Es war der Geburtstag meiner Grossmutter, auch wenn wir ihn nicht immer mit ihr feierten, weil sie häufig unterwegs war, so dachten wir doch zumindest an sie. In den letzten Jahren jedoch, da legte meine Mutter immer grössten Wert darauf, für ihre Mutter am Geburtstag etwas Besonderes zu inszenieren. Das rief jeweils auch nach meiner Anwesenheit.

Meine Grossmutter war ein besonderer Mensch. Als Kind habe ich sie verehrt, weil sie mit mir Sachen unternahm, für die meine Mutter keine Zeit hatte. Diese Meinung änderte sich, als ich älter wurde. Meine Grossmutter war sehr willensstark, egoistisch und von sich selbst überzogen. Wie sonst liesse es sich erklären, dass sie in den Fünfzigerjahren ihren Mann zum Teufel jagte und es vorzog, ihre beiden minderjährigen Kinder, zumindest für ein paar Jahre, alleine gross zu ziehen.

In einer Hinsicht war meine Grossmutter mir Vorbild. Sie hatte sich im relativ hohen Alter von über fünfzig Jahren erst dem Alpinismus verschrieben. Zuvor gänzlich unsportlich, begann sie eine alpinistische Laufbahn, die sie bis auf zwei alle Viertausender der Schweiz bestiegen liess. So gab es einige Jahre, in denen wir gemeinsam die Berge erklommen. Bei meinen ersten Klettertouren war sie dabei, wenn auch nicht am gleichen Seil wie ich. Mit über fünfzig machte sie den Führerschein und das Skifahren eignete sie sich zur gleichen Zeit auch noch mehr schlecht als recht an.

Eitel war sie, wahnsinnig eitel. Wenn sei vom Coiffeur kam, schlief sie ein paar Tage lang mehr oder weniger sitzend, damit ihre Frisur etwas länger hielt. Immer hatte sie einen kleinen Taschenspiegel dabei und stürzte sie beim Skifahren, ging ihr Griff in den Hosensack zum Spiegeli noch bevor sie sich wieder aufgerappelt hatte. Bis ins hohe Alter trug sie Stögeli-Schuhe. Hosen begann sie übrigens – ausser beim Sport – erst mit über sechzig zu tragen. Das ziemte sich ihrer Meinung nach nicht.

Meine Grossmutter stand gern im Mittelpunkt, suchte ihn regelrecht auf Biegen und Brechen. Das hat ihr, auch in unserer Familie, nicht immer nur Sympathien eingebracht. Als sie am 23. Dezember 2014 verstarb, konnte sie sich ein letztes Mal vollumfänglich der Aufmerksamkeit ihrer Famiile über die Festtage sicher sein.

Das Bild zeigt meine Grossmutter an ihrem neunzigsten Geburtstag. Heute wäre sie hundert Jahre alt geworden.

DSC01016

Advertisements

2 Antworten zu “Der ominöse (Geburts)Tag

  1. Anhora 8. Januar 2017 um 13:53

    Wie schön, dass du heute von deiner Großmutter erzählst, nun denken wir auch ein bisschen an sie! 🙂
    Man unterschätzt immer, was für enorme Persönlichkeiten unter den Frauen gerade in der Nachkriegszeit lebten. Daran darf man ruhig gelegentlich erinnern. 🙂

    Gefällt mir

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: