Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Vermeintlich entsorgt

Als ich gerade mal 17 Jahre jung war, kam die grosse Welle des biologisch Gärtnerns auf. Mag sein, dass sie schon früher in Erscheinung trat, ich jedenfalls bemerkte sie erst in besagtem Teenager-Alter.

Es leuchtete mir sofort ein, dass sich – analog den Menschen – gewisse Pflanzen nebeneinander besser vertragen, andere schlechter. Es war für mich auch durchaus nachvollziehbar, dass man aus Brennnesseln eine Brühe herstellen konnte, die den Pflanzen allerlei Gutes antat. Und erst recht leuchtete es mir ein, dass es galt, den Boden nicht nackt zu halten, da es so etwas in der Natur auch nicht gibt. Kahl gejätete Böden gehörten – wäre es nach mir gegangen – der Vergangenheit an.

Das sahen meine Eltern etwas anders. Meine Bemühungen um einen naturnahen Schrebergarten wurden ständig untergraben. Weder für Mischkultur noch einen Quadratmeter Blumenwiese waren sie zu haben. Noch nicht mal in meinem eigenen Gemüsebeet durfte ich mein Unwesen treiben. Was ich dort zu praktizieren trachtete, war in ihren Augen einfach nur ein unmotiviertes Durcheinander. Was sollten denn die Nachbarn denken!

In der selben Epoche war ich auch emsig mit Stricken beschäftigt. Das schafft zwar keinen unmittelbaren Zusammenhang zum Garten, doch wenn ihr, liebe Leserinnen und Leser, weiterlest, werdet ihr bald des Tatbestandes fündig werden. Versprochen!

Mit viel Routine und noch mehr Wolle war ich stets damit beschäftigt, irgend etwas Brauchbares zu stricken. Einmal hätte es ein Baby-Finkli werden sollen (Finken in der Schweiz pfeifen übrigens nicht, sondern sind unsere Bezeichnung für Hausschuhe). Das Werk war schon etliche Reihen weit gediehen, als ich merkte, dass da irgend etwas nicht stimmen konnte. Ich betrachtete das grüne Etwas von allen Seiten und beschloss, mich davon zu trennen. Das Zeitalter, in dem man Pullover aufdröselte, die Wolle wusch, sie neu aufrollte und dann etwas Neues daraus strickte, waren vorbei. Und schliesslich handelte es sich lediglich um ein paar Meter grüne Babywolle. Also entsorgte ich das wollene Missgeschick artgerecht.

Noch im selben Herbst schichtete mein Vater im Garten den Komposthaufen um und stiess auf ein undefinierbares Knäuel. Seither weiss ich, dass das Naturprodukt Wolle mehr als nur ein paar Wochen braucht, um komplett zu verrotten.

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2 Antworten zu “Vermeintlich entsorgt

  1. Anhora 12. Oktober 2016 um 17:33

    Wenn da mal nicht ein paar Acrylfasern dabei waren … 😉

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