Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Wenn es plöderlet

In Sachen kulinarische Experimentierfreudigkeit bin ich meinem innig geliebten Mitbewohner voraus. Tellerweise. Sitzen wir vor einer Speisekarte, die ihm nicht recht geheuer ist, wählt er immer etwas Bekanntes, Bewährtes. Zu des Mitbewohners Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass er überhaupt kein heikler Esser ist. Dass im Hause Flohnmobil mit verlässlicher Regelmässigkeit etwas auf den Tisch kommt, dass für uns beide neu ist, hat mit meiner Freude am Kochen und der immensen Vielfalt am Lebensmitteln, die es mittlerweile gibt, zu tun. Und dass da halt mal etwas in die Kategorie “musst du nicht mehr kochen” abdriftet, ist ganz normal.

Auf der anderen Seite muss ich meine Experimentierfreudigkeit ab und an mal mit einem kulinarischen Misstritt bezahlen. Aber nur so kann sich der Horizont ausweiten. Seit der gestrigen Wanderung mit Freunden im Toggenburg bin ich um eine Erfahrung reicher. Die Temperaturen liessen wenig Lust auf ein warmes Gericht aufkommen und so entschieden wir Frauen uns im Restaurant für einen Salatteller mit Ploderchäs. Zuvor fragte ich bei der Bedienung nach, was der ominöse Ploderchäs, von dem ich schon gehört aber noch nie probiert hatte, sei.

Ooooh, die nette junge Dame verdrehte die Augen, das sei schwierig zu erklären. Ich versuchte es mit der Ausschliessungs-Methode.
“Ist es ein Hartkäse?” – “Nein.”
“Ist er rezent?” – “Nein, eher geschmackslos.”
Ich war mir immer noch nicht sicher, was mich erwarten würde, da holte das Mädel zur alles entscheidenden Erklärung aus: “Er hat vielleicht etwas Ähnlichkeit mit Feta. Aber er schmeckt säuerlich. Deshalb wird er im Rheintal auch “Sauerkäse” genannt.”

Als wir den Salatteller mit Ploderchäs serviert erhielten, umgaben den wirklich ansprechend drapierten Blattsalat etliche Möckli von diesem Produkt:

ploderchäs

Ich piekste einen Würfel Ploderchäs auf die Gabel, schob ihn in den Mund, und wartete, dass da etwas Unglaubliches passieren würde. Erwartungsvoll beobachtete mich der Mitbewohner. Ohne auf meine Reaktion zu warten, obschon er schon vor seinen unverfänglichen Chässpätzli sass, landete seine Gabel jenseits des Tisches auf meinem Teller und ein Stück Ploderchäs verschwand in seine Richtung.

“Schmeckt nach nichts”, lautete das erste Urteil. Offenbar war der Mitbewohner noch unschlüssig, wie er die kulinarische Neuheit einstufen sollte, deshalb probierte er ein zweites Mal. Diesmal war das Verdikt eindeutig: “Wie saurer Styropor.”

Ganz so ungeniessbar fand ich den Ploderchäs nicht. Allerdings fragte ich mich, woher dem Mitbewohner geläufig war, wie Styropor schmeckt. Ich hatte ihm mit Sicherheit noch nie Styropor gekocht. Der Käse hat ohne Zweifel ein säuerliches Aroma aber ansonsten wenig Eigengeschmack. Ich versuchte, ihn mit der Salatsauce etwas aufzupeppen. Da es der Koch mit dem Essig etwas gut gemeint hatte, holte ich nicht viel heraus.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man mit Ploderchäs etwas zubereiten kann, das ich mag. Aber unbändige Lust auf ein Experiment habe ich nicht. Selbst wenn hier diverse Rezepte durchaus verlockend tönen.

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8 Antworten zu “Wenn es plöderlet

  1. Werner Ammann 25. Juni 2016 um 18:06

    Ich kannte den Ploderchäs bisher auch nicht. Wobei, rein optisch ist er tatsächlich nicht weit weg vom Styropor 🙂
    Gruess vom Werner

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  2. Erika 25. Juni 2016 um 20:32

    Sieht aus wie Ziger, evtl schmeckt er mit Tomate Basilikum etc. noch sehr gut.

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  3. Seifenfrau 26. Juni 2016 um 05:28

    hahaha!
    Dein Mitbewohner platziert ja tolle Aussagen!

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  4. Hausfrau Hanna 26. Juni 2016 um 08:25

    Dank deines Links,
    liebe Frau Flohnmobil,
    habe ich soeben eine dekorative Idee für den nächsten Sommersalat bekommen:
    Die ausgestochenen Käsesternli auf den Tomaten sehen sehr anmächelig aus 🙂
    Nur werde ich Mozzarella nehmen.
    Statt Ploderchäs… 😉

    Einen schönen und angenehm warmen SONNtag
    Hausfrau Hanna

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