Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Die teuerste Schoggi der Welt

Eigentlich würde ich jetzt lieber nicht am PC sitzen und diesen Blog schreiben. Viel lieber wäre ich jetzt am wandern. Über Felder und Wiesen. Auf einen Berg mit toller Aussicht. Am Waldrand entlang. Einem gurgelnden Bächlein folgen. Unterwegs Blumen bestaunen, dem Vogelgezwitscher zuhören, unvermittelt stehen bleiben, in der Hoffnung, das Reh noch etwas länger betrachten zu können.

Die Realität sieht leider anders aus. Nach den ergiebigen Niederschlägen sind viele Wege patschnass. Seen und Flüsse treten über die Ufer. Aus den Hängen läuft das Wasser. Dennoch beschäftige ich mich dieser Tage intensiv mit möglichen Wanderungen. Schliesslich will ich gewappnet sein, wenn’s denn endlich losgehen kann!

Eine der Wanderungen, die ich schon lange gerne machen möchte, führt dem Doubs entlang. Der über weite Strecken unverbaute Fluss bildet über viele Kilometer die Grenze zwischen Frankreich und der Schweiz. Allerdings ist die Zeit für die Doubs-Wanderung in meinen Augen schon abgelaufen. Es wäre eine typische Frühlings-Tour gewesen. Und eine mehrtägige dazu.

Immerhin, beim Planen ist mir eine Episode in den Sinn gekommen, die ich hier gerne zu besten geben möchte. Sie ereignete sich zu einer Zeit, da waren mein innig geliebter Mitbewohner und ich noch richtig gut im Saft. Wir unternahmen eine Radtour im Jura, die uns mehrmals am Doubs vorbei führte. Das letzte Mal, als wir in Goumois die Grenze von der Franche Comté zurück ins Heimatland überschritten.

Unsere über 100 km lange Velotour durch die ländliche Region mit guten Strassen und wenig Verkehr hatte einen Haken: Es gab nur wenig Einkehrmöglichkeiten am Wege. Und diese passierten wir allesamt zur Unzeit. Wohl hatten wir eine Zwischenverpflegung in Form eines Sandwichs dabei gehabt, aber diese Kalorien waren längst verbrannt, als wir im Grenzort einfuhren. Der Mitbewohner verkündete, er habe ein zu grosses Loch im Bauch, als dass er noch die anstehenden 500 Höhenmeter rauf nach Saignelégier bewältigen könne, wo unser Wohnmobil auf uns wartete. Er müsse unbedingt etwas essen. Und zwar sofort. Zugegeben, mein Magen war noch nicht am reklamieren, aber ob ich den Anstieg ohne Hungerast bewältigt hätte, weiss ich bis heute nicht.

Es war Mitte Nachmittag. Kein Restaurant offen und wenn, dann dessen Küche geschlossen. Das Knurren des Mitbewohners Magens übertönte das Rauschen des Flusses. Es musste etwas geschehen, wollten wir nicht in Goumois versauern.

Unsere Rettung war ein Souvenir-Laden. Ein solches Etablissement würden wir sonst mit schnöden Worten abtun. Aber dort wurde zumindest etwas Essbares verkauft. Vielleicht nicht gerade die ideale Sportler-Nahrung, aber immerhin etwas, das den Magen beschäftigte. So kauften wir eine Tafel Ragusa und setzten uns auf ein Bänklein am Ufer mit Blick auf die rauschenden Wasser. Mit diesem traumhaften Anblick verdrückten wir die lebensrettenden Kalorien. Die Tatsache, dass wir im Supermarkt für diese Schoggi nur einen Viertel des Preises bezahlt hätten, spielte in dem Moment keine Rolle mehr.

ragusaa

Und irgendwann werde ich wiederkommen. Mit Wanderschuhen statt Rennvelo. Mir das Bänklein anschauen und auf dieser Route dem Doubs entlang wandern.

Advertisements

11 Antworten zu “Die teuerste Schoggi der Welt

  1. canadaeinfach 18. Juni 2016 um 15:01

    Ihr habt in Saignelégier campiert? Das stand zu unseren Schweizer Zeiten ganz weit oben auf unserer Campingliste. Wir waren schon damals zu Fuss unterwegs, mit Hund! Tolle Zeiten und ein überaus lauschiger Campingplatz.
    Schönes und trocknendes Wochenende
    Anita

    Gefällt mir

  2. anneinsideoffice 18. Juni 2016 um 15:20

    Ich habe dort übernachtet in der 2 Sek auf einer 2 Tägigen Schulreise vor etwa 36 Jahren 😉
    Wir waren gestern Abend auf unserer Abendrunde raus aus dem Dorf dem Wald entlang, völlig einsam. Heute das gleiche den Rebberg hoch zum kleinen Weiher weit und breit kein Mensch. Was machen die alle? Klagen dass es immer regnet?

    Gefällt mir

    • Flohnmobil 19. Juni 2016 um 21:15

      Ich habe an Saignelégier zwiespältige Erinnerungen. Da war mal ein Lehrlingslager unserer Firma, wo die Stifte eine verfallene Steinmauer wiedererrichten sollten. Eine Sisyphus-Büez! Immerhin, ich war nicht unter den Stiften, sondern in der Leiter-Crew und demzufolge vom Steineklopfen verschont. 😉
      Hey, nächste Woche kommt der Sommer!!!! Dann werden deine Abendrunden noch schöner.

      Gefällt 1 Person

  3. Werner Ammann 18. Juni 2016 um 21:05

    Der Doubs steht bei uns momentan auch ganz oben auf der Liste!
    Und bei unserem letzten Besuch dort ist mir auch aufgefallen, dass die verkauften Glacestängeli in der Schweiz etwa dreimal teurer waren als in Frankreich. Beim Saut du Doubs kann man gut vergleichen 🙂
    Aber etwas Gutes hat es doch: Du magst dich noch sehr gut an dieses etwas teurere Souvenir erinnern. Und das ist doch auch etwas wert!
    Gruess vom Werner und Timi

    Gefällt mir

  4. Hausfrau Hanna 19. Juni 2016 um 08:44

    Das nenne ich jetzt mal einen Superservice,
    liebe Frau Flohnmobil,
    und ich bedanke mich für sowohl für den Wandertipp mit Link (den ich sogleich an mich weitergeleitet habe) als auch für die diesen RegenSONNtag aufhellende Ragusageschichte 🙂 !

    Herzlichen Gruss
    Hausfrau Hanna Basel

    Gefällt mir

    • Flohnmobil 19. Juni 2016 um 21:18

      Liebe Hausfrau Hanna, wäre es nicht so ekelhaft weit und in einem Tag von hier aus nicht zu bewältigen, hätte ich glatt vorgeschlagen, dass wir gemeinsam dem Doubs entlang marschieren.
      Grüessli
      Bea

      Gefällt mir

  5. Seifenfrau 20. Juni 2016 um 07:59

    …hat die Schoggi wenigstens geschmeckt?

    (kleiner Hausfrauentipp:
    Kekse, Müsliriegel oder Schokoladen, die zuhause niemand anrührt, weil irgendwas daran nicht schmeckt oder – wasweißich – auf Wanderungen und Ausflüge mitnehmen. Ist zeitnah kein Imbiss oder Gasthaus in Sicht, werden auch diese dann gern verspeist…)

    Liebe Grüße!

    Gefällt mir

    • Flohnmobil 20. Juni 2016 um 09:11

      Liebe Gine, Hunger ist weltweit der beste Koch. Mein Mann hätte in dem Moment wohl auch einen zu wenig süssen oder knusprigen Müesliriegel gegessen. Aber wir waren ohne jegliches Gepäck unterwegs und das wenige an Zwischenverpflegung, das in unsere Trikot-Taschen gepasst hatte, war längst weggefuttert.
      Und zur Ragusa-Schoggi: Hast du schon jemals eine Schweizer Schokolade gegessen, die nicht geschmeckt hätte? Eben! 😉
      Grüessli
      Bea

      Gefällt mir

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: