Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Das tapfere Schneiderlein

Ich habe heute ein neues Wort gelernt: Prokrastination. Es kam am Radio zur Sprache im Zusammenhang mit psychischen Störungen. Ein Seelenklempner stand Red und Antwort zu neuen online Therapie-Formen.

Mit einem säuerlichen Lächeln wurde mir gewahr, dass ich davon nicht mehr betroffen war, denn ich hatte eine Arbeit, die ich einige Wochen erfolgreich vor mich her geschoben hatte, vor wenigen Augenblicken angepackt. Und mit wie viel Widerwillen! Aber ich kam nicht drum rum, diese Kissenbezüge endlich abzuändern. Unsere Kissengrösse entspricht nicht den gängigen Standards und so muss ich jedes Mal, wenn wir eine neue Garnitur Bettwäsche kaufen, an die Nähmaschine hocken.

Dabei hasse ich Nähen! Überall Fäden. Die Schere stets am falschen Ende des Tischs. Ständig sticht man sich. Und natürlich ist genau im unpassendsten Moment das Fadenspülchen leer.

Wie kann man sich Nähen bloss als Hobby aussuchen! Eine Kollegin von mir hat früher sogar mal einen Skianzug selber genäht. Das wäre für mich wohl der Moment gewesen, mir eine andere Sportart zu suchen. Mich bringen schon vier Kissenanzüge an den Rand der Verzweiflung. Dabei kann man hier noch einigermassen gut schummeln. Ich nehme an, meine krummen Nähte werden weder meinem innig geliebten Mitbewohner noch mir den Zugang ins Land der Träume dauerhaft verwehren.

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22 Antworten zu “Das tapfere Schneiderlein

  1. anneinsideoffice 9. Mai 2016 um 13:32

    Hihi schräge Nähte am Kissen stören sicher nicht. Mir geht es ähnlich. Früher habe ich viel genäht, vor allen für die Kinder, aber jetzt schiebe ich Näharbeiten auch ewig vor mir her 😉

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  2. runningtom 9. Mai 2016 um 19:21

    Mein Vater.. der hat gerne genäht. Hat sich damals eine Bernina gekauft und dann Servietten genäht mit Mustern. Dann kamen Vorhänge dran. Er war völlig fasziniert.

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  3. Annette 9. Mai 2016 um 19:51

    Es stimmt wirklich, dass man manchmal so viel Zeit damit verbringt, die Dinge aufzuschieben. Und Nähen gehört bei mir genauso dazu. Wenn ich mal was ändern muss oder habe mir was eingerissen, oder habe mal wieder die Schilder aus den T-Shirts getrennt und die Naht aufgerissen… Oh, oh…

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  4. Anhora 9. Mai 2016 um 20:00

    Niemand versteht dich besser als ich! Vor vielen Jahren hab ich auch viel genäht, für die Kinder vor allem. An sich mochte ich es, es ist eine kreative Tätigkeit. Aber dieses Biest von Nähmaschine widersetzte sich mir, wo sie nur konnte. Was hab ich mich aufgeregt, geschimpft und gestampft, das blöde Ding hat mich Jahre meines Lebens gekostet! Aber man kann nicht aufhören damit, bevor man die Kreatur nicht besiegt hat. Denkt man. Ich siegte aber nicht, sondern die Nähmaschine. Irgendwann schmiss ich sie weg und habe nie wieder genäht.

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    • Flohnmobil 10. Mai 2016 um 12:37

      Meine Nähmaschine hat noch nicht über mich gewonnen. Ich hab sie übrigens von meiner Mutter übernommen, die das Näh-Gen offenbar nicht weitervererbt hat. Aber ab und zu ist so ein nerviges Teil trotzdem praktisch – zumindest wenn die Naht nur mehr oder weniger geradeaus geht (gehen soll…). 😉

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  5. Werner Ammann 9. Mai 2016 um 21:35

    Meine Mutter hätte dir da helfen können! Sie war gelernte Schneiderin und hat so Sachen sehr fix und professionell hingekriegt. Mit den Früchten ihrer Arbeit damals hat sie der Familie die eine oder andere Ferienwoche ermöglicht.
    Gruess vom Werner und Timi

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    • Flohnmobil 10. Mai 2016 um 12:38

      Von meinem Lohn als Schneiderin könnte ich nicht mal ein Postauto-Billett ins Nachbardorf kaufen, geschweige denn irgendwelche Ferien in Betracht ziehen (ausser in der Nervenheilanstalt). 😦
      Meine Talente liegend definitiv wo anders.
      Grüessli
      Bea

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  6. R + B 9. Mai 2016 um 21:55

    Entweder l i e b t oder hasst man nähen. Ein Zwischending gibt es nicht!

    Grüsse von der Skianzug-Näherin.

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  7. merlanne 10. Mai 2016 um 15:22

    Immer cool bleiben, liebe Bea. Und auch eine Hobbyschneiderin wie ich ärgert sich grün und blau wenn das Fadenspülchen leer ist, wenn man gerade so gut am Nähen ist. Ich wünsche Dir viel Courage und danach kannst Du ja prokrastinieren (oder so, … ich finde es ein absolut hässliches Wort).
    LG
    Claudine

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    • Flohnmobil 11. Mai 2016 um 16:29

      Liebe Claudine, ich hatte so ziemlich genau deinen Blog und deine Fertigkeiten vor Augen, als ich meinen Beitrag schrieb. Es hat schon seine Richtigkeit, dass das Flohnmobil kein Kreativ-Blog ist.
      Grüessli
      Bea

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  8. Anita 11. Mai 2016 um 11:46

    Procrastination… das Wort kenne ich auch erst, seit ich in Canada wohne. Irgendwie fasziniert mich es, wie es tönt, es birgt sooo viele Möglichkeiten. Und ja, anwenden tue ich es auch. Aber auf’s Nähen freue ich mich, auch wenn ich nicht besonders begabt bin. Hoffentlich läuft meine ca. 50 Jahre Elna noch. ich habe früher zwar keine Skianzüge, dafür Zeltverlängerungen, Vorhänge und solche Sachen damit genäht. Jetzt muss ich mir erst ein Projekt ausdenken.

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  9. Bobsmile 11. Mai 2016 um 16:01

    Nachdem ich den Beitrag gelesen, und die Kommentare dazu, bin ich genau 5min. 23sec. der Prokrastination erlegen. *Seufz*

    Zum Nähen kann ich nur sagen, dass meine Frau des öfteren flucht, wenn die Nadel wieder mal …
    😀

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