Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Schwanensee

Es war einer dieser heissen Sommertage. Nicht im letzten, vermutlich noch heisseren Sommer, sondern vor gut und gerne 25, 30 Jahren. Wir, und damit meine ich meine Freundin Barbara, ihren Freund Kurt und ich, machten das, was an so einem Tag viele andere auch taten: Wir gingen ins, ans und aufs Wasser. Gummiböötle war angesagt. In einer aufwändig inszenierten Anreise liessen wir ein Auto in Eglisau stehen und das andere unterhalb von Rheinau. Auf diesem Abschnitt des Rheins hat es keine nennenswerten technischen Schwierigkeiten, kaum Behausungen, fast so etwas wie Natur pur, um diesen Begriff mal wieder zu strapazieren.

Am Anfang ging alles flott vonstatten. Wir dümpelten auf dem Rhein dahin, brauchten die Ruder kaum, schon gar nicht zum voran zu kommen. Einem gemütlichen Picknick auf einer Kiesbank folgte eine Abkühlung im Wasser und weiter ging die Schifffahrt. Wir Leichtmatrosen waren allesamt eher ungeübt im Umgang mit Booten aller Art. Aber wir konnten leidlich gut schwimmen und ausserdem – was sollte im Rhein schon passieren?

Nach Ellikon, wo die Thur in den Rhein fliesst, ging es bereits etwas weniger flott voran, aber der Fluss hatte immerhin noch eine gewisse Strömung. Beim Tösseck änderte sich das schlagartig. Beim Zusammenfluss mit der Töss wird das Flussbett so breit, dass man vermeintlich steht. Zu faul um zu rudern, dümpelten wir Drei weiter auf dem trägen Rhein daher. Eglisau schien nah und doch so fern.

Allmählich schlich sich eine gewisse Sättigung an Sonne und Wasser ein. Aus lauter Langeweile begannen wir, unser voriges Brot an die Schwäne und Enten zu verfüttern (so viel zum Thema des letzten Blogs…). Das bescherte uns etwas Abwechslung. Und bei den Wasservögeln löste es das aus, was wir Alle kennen:  eine wahre Fressorgie. Als unser Brot zur Neige ging, wollten die Viecher weiter gefüttert werden. Die langen Hälse der Schwäne schienen immer länger zu werden, als sie über den wulstigen Rand des Gummibootes spähten. Mit weit geöffnetem Schnabel fauchten sie uns an. Uns war nicht mehr wohl bei der Sache. Schnell packte Barbara, die für das Picknick verantwortlich gezeichnet hatte, noch ein paar Kekse aus. Wir warfen sie so weit weg, wie wir vermochten. Damit gelang es uns, die fressgierigen Schwäne vorübergehend vom Leibe zu halten. Doch zumindest einer von ihnen hatte Lunte gerochen und kehrte unverzüglich zu uns zurück um eine weitere Ration einzufordern.

Der Schwanenhals schien noch länger zu werden, während er, einem U-Boot-Teleskop gleich, hin und her schwenkte und sich das Gummiboot vom Freund zum Feind wandelte. Denn im Inneren des Gummibootes hatte sich die Verteidigung formiert. Die Ruder dienten nicht mehr als Ruder, sondern hatten eine neue Rolle als Schwanen-Abwehr erhalten. So gelang es uns, das aufgebrachte Tier auf Distanz zu halten, bis es schliesslich abzog.

Mit grenzenloser Erleichterung waren wir nun sehr motiviert, unser Ziel in Eglisau so schnell wie möglich zu erreichen. Vor Schwänen haben wir seither grossen Respekt. Und sollte mich je jemand fragen, woher der Begriff “mir schwant etwas” kommt, wird er diese Geschichte zu hören bekommen.

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8 Antworten zu “Schwanensee

  1. Smamap 5. April 2016 um 11:12

    So Ähnliches hab ich vor 30-40 Jahren auch erlebt. Zwar auf dem Starnberger See, aber da schwante mir eben auch was.

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  2. Hausfrau Hanna 5. April 2016 um 15:29

    Boah, was für ein Abenteuer auf dem Rhein,
    liebe Frau Flohnmobil,
    Schwäne mit Jungen sind mir als gefährlich bekannt (und ich habe auch schon Einschlägisches beobachtet…).
    Aber so gefrässig und gefährlich den Hals streckend?!?

    Und ich hätte immer sooo gern einen Schwanenhals gehabt 😉

    Herzlichen Gruss vom unteren Teil des Rheins
    Hausfrau Hanna

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  3. Annette 6. April 2016 um 12:35

    Schwäne sind echt gefährlich. Mein Mann und ich haben mal eine Radtour gemacht – er war schließlich auf der einen Seite der Brücke, ich auf der anderen und dazwischen ein wütender Schwan… Beinahe wären wir nicht zusammen gekommen.
    Dein Abenteuer liest sich einfach herrlich. Ich habe echt mitgefiebert.

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    • Flohnmobil 6. April 2016 um 17:15

      Offenbar sind Deutsche Schwäne genauso aggressiv wie ihre Schweizer Cousins. Ich mach um jeden Schwan einen Bogen. Auch das abgebildete Exemplar fauchte uns seinerzeit an. Wahrscheinlich, weil wir unser Brot selber assen. 😉

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  4. Silberdistel 6. April 2016 um 19:04

    Ja, sie können ganz schön giftig werden, diese edlen weißen Vögel. Unser damals 4-jähriges Töchterchen wurde auch einmal von einem Schwan verfolgt, weil sie nicht so schnell füttern konnte, wie er gierig war. Nachdem ich dann die Plastiktüte, in der das Brot steckte, hinter meinem Rücken versteckte, ließ der Schwan von unserem kleinen Mädchen ab. Mit mir wollte er es dann wohl doch nicht aufnehmen – vor allem wohl, weil er kein Brot mehr sah. Da lohnte es scheinbar nicht, sich noch weiter herumzustreiten.

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    • Flohnmobil 7. April 2016 um 15:03

      Mit grosser Intelligenz scheinen die „edlen weissen Vögel“ nicht ausgestattet worden zu sein. Zum Glück, sonst hätte der Schwan damals hinter deinen Rücken geschaut. 😉
      Unschöne Sache; viele von uns mussten wohl schon mal solche Erfahrungen machen.

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