Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Das Funkeln der Sterne

Es liegt eigentlich ausserhalb meines Kompetenzbereichs, über Viersternehotels zu urteilen. Zu einseitig sind meine diesbezüglichen Erfahrungen. Anders bei meinem innig geliebten Mitbewohner. Er hat in früheren Jahren als Skilehrer mehrmals pro Winter in solchen hochdekorierten Häusern gewohnt.

Es braucht indes nur ein gerüttelt Mass an gesundem Menschenverstand, um zu erkennen, dass dort, wo wir die letzten fünf Tage logiert haben, nicht das Letzte gegeben wurde, um den Gast bei guter Laune zu halten. Und diese Laune kann sich sichtlich und nachhaltig heben, wenn beispielsweise die Verpflegung stimmt. Doch diese war, um jetzt nicht gleich allzu negativ zu sein, recht dürftig. Ausserdem das pure Gegenteil von raffiniert und von den Zutaten her bescheiden, ja gar billig. Hungerportionen wurden einem da serviert. Eine Vorspeise bestand aus vier Scheibchen spanischer Salami, einem Klecks Hüttenkäse, einem halben Maiskölbchen, einer Olive, einer Scheibe Gurke und einem einsamen Salatblatt. So etwas würde ich mir nie getrauen, meinen Gästen zu servieren! Ausser ich wollte, dass sie die nächste Einladung dankend ablehnen.

Am “Schweizer Abend” war der Speisesaal mit einigen Schweizer- und Bündner-Fähnchen beflaggt, auf den Tischen Papierservietten mit Schweizer Kreuzen, in einer Ecke gab ein Handörgeler sein Bestes, um Stimmung zu verbreiten. Der Hauptgang war wahlweise Käsefondue oder Raclette. Fürs Raclette musste man anstehen (etwas was der Mitbewohner aus tiefstem Herzen verabscheut). Erhielt man einen Abstrich Käse auf den zwar warmen Teller, war dennoch der Käse spätestens hart, bis man sich ein paar Kartoffeln aus dem Topf gefischt hatte, sich aus den üppigen Garnitur wahlweise Zwiebelscheiben, Cornichons und/oder Silberzwiebelchen geschöpft hatte und zurück am Tisch war.

Die einzige Abwechslung am fantasielosen Salatbuffet bestand darin, dass die Schüsseln jeden Abend anders angeordnet waren. Eine vergleichsweise Üppigkeit musste man dem Frühstücksbuffet attestieren. Wären da nicht die Brötchen gewesen, die samt und sonders etwas zu wenig lange im Ofen verweilten, hätte ich ausnahmsweise mal nichts zu meckern gehabt.

Was dem Mitbewohner am sauersten aufstiess, war der Skiraum. Oder das, was man dort als solchen bezeichnete. Das dunkle Loch war nämlich eher eine Grümpelkammer mit Skiständern. Platz zum Ski wachsen gab es schon gar nicht. Die noch grössere Katastrophe war der Skischuh-Raum. Wohl mit Wärmezapfen versehen, auf denen die Schuhe über Nacht trocknen konnten, war der Raum so eng, dass die Gäste selbst bei 10 Grad minus die Schuhe im Freien anzogen. Darauf angesprochen erklärte der Geschäftsführer, das Hotel stamme halt aus den Sechzigerjahren. Und sie seien schon froh, dass sie den Gästen überhaupt einen Ski- und Skischuhraum zur Verfügung stellen konnten.

Ich könnte hier noch länger über das Hotel lästern, aber bewirken tu ich damit ja doch nichts. Ein paar gute Haare können wir am Hotel lassen. Unser Zimmer war in Ordnung, stets sauber geputzt und dass die Gutenacht-Geschichte, die jeden Abend auf dem aufgedeckten Bett lag, zahlreiche Orthografie-Fehler hatte, hat wohl nicht Jeder bemerkt.

Wir haben als “kürzliche Gäste” bereits einen online-Fragebogen erhalten, dort werden wir unseren Unmut nochmals Kund tun. Allerdings verspreche ich mir davon nicht wirklich viel, denn in einem der Prospekte der Hotelkette war eine Grafik mit der Auswertung dieser Fragebogen. Was ich dort gesehen habe, lässt die Vermutung aufkommen, dass negative Kritik kurzerhand ausgeblendet wird.

Um es mit den Worten des Mitbewohners auf den Punkt zu bringen: Das Hotel wäre schon recht, es hat einfach einen Stern zu viel.

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11 Antworten zu “Das Funkeln der Sterne

  1. R und B 12. März 2016 um 18:23

    Wir haben bereits den Online Kommentar zum 3 Sterne Hotel abgeschickt mit dem Vermerk um Antwort. Fabienne und Kaja hätten den 4. Stern verdient. Das Wetter war für uns der 4. Stern zusammen mit unseren Freunden!!!

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  2. Werner Ammann 12. März 2016 um 23:11

    Das ‚einsame Salatblatt‘ entlockte mir ein aufrichtiges Lachen, danke!
    Mir fehlen solche Stern-Erfahrungen. Ich suche unsere Hotels nach dem Vermerk ‚hundefreundlich‘ aus. In dieser Beziehung bin ich bisher noch nie enttäuscht worden. Meine weiteren Ansprüche allerdings sind nicht sehr hoch, ich bin schnell zufrieden.
    Gruess vom Werner und Timi

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    • Flohnmobil 13. März 2016 um 17:09

      Hundefreundliche Vierstern-Hotels dürfte es wohl auch geben. Es sind ja nicht alle Gäste so bescheiden wie du. Meine Welt ist es ehrlich gesagt auch nicht. Grundsätzlich fühle ich mich in einer Ferienwohnung wohler als im Hotel. Da kann ich mehr tun und lassen, was ich will.
      Grüessli
      Bea

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  3. schreibschaukel 13. März 2016 um 10:43

    Ich sag’s ja immer …Skiferien …tz … 😉

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  4. Smamap 13. März 2016 um 16:43

    Wenn man jetzt noch wüsste, um welches Hotel es sich handelt, dann kann man es intern streichen.

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  5. Pingback: Essen mit Anstand | Flohnmobil - im Alltag unterwegs

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