Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Entzückend entrückend

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“Kann man helfen mit dem Rücken?” Als ich die Wörter endlich einsortiert hatte, dauerte es nochmals eine Weile, bis ich merkte, dass sie mich betrafen. Wir waren nur noch zu zweit in der Garderobe des Fitness-Clubs. Neben mir hatte sich eine Frau aufgebaut, kurze, graue Haare, geschätzte 65, schlank, die sich anerbot, mir den Rücken einzucremen. Ich muss etwas verdattert aus der Wäsche geschaut haben, die ich noch gar nicht trug. So flüchtete ich mich in die erstbeste Ausrede: “Danke, dafür ist mein Mann zuständig.” Um gleich hinterherzuschicken, dass mir so ein Angebot noch nie gemacht worden sein. Die Eincremerin klärte mich auf. Sie seien jeweils ein paar Frauen, die gemeinsam in die Sauna gingen, und dort habe es sich eingebürgert, dass man sich gemeinsam den Rücken abrubble und auch eincreme.

So also war das. Nichts desto trotz war mir nicht daran gelegen, mir von einer Wildfremden, mochte sie es auch noch so gut meinen, den Rücken einzucremen. Damit war das Thema vorderhand erledigt, beschäftigt mich aber in Gedanken weiterhin. Wie sich bald herausstellen sollte, war ich nicht das einzige “Opfer” der Rückeneincremerin. Auch Kolleginnen, die am gleichen Ort trainieren, wurden schon mal mit ähnlichen Angeboten von ihr beglückt. Bis heute habe ich die Eincremerin noch nie im Kraftraum gesehen. Sie wird doch ihr Abo nicht nur haben, um wildfremden Frauen den Rücken einzuschmieren?

Es sollte nicht lange dauern, da war ich wieder in der Garderobe. Und wieder am Eincremen nach dem Duschen. Die Eincremerin kam – vorbei an weiteren Damen, die sich in der Garderobe aufhielten – schnurstracks auf mich zu und formte den Satz, den sie offenbar bestens auswendig kannte: “Kann man helfen mit dem Rücken?” Diesmal war ich so gut wie fertig mit eincremen und das sagte ich ihr auch. Ein etwas unbehagliches Gefühl überkam mich dabei. Langsam aber sicher drohten mir die Ausreden auszugehen. Und der Frau direkt ins Gesicht zu sagen, sie solle mich mit ihren Angebot in Ruhe lassen, finde ich auch etwas hart.

Wie würdet ihr auf ein solches Angebot reagieren?

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21 Antworten zu “Entzückend entrückend

  1. Berto K 20. Februar 2016 um 18:54

    Ist mir noch nie passiert, aber ich würde auch eine Ausrede finden.

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    • Flohnmobil 21. Februar 2016 um 16:59

      Hallo Berto, willkommen im Flohnmobil!
      Wie hast du dich denn hierher verirrt? Noch dazu bei so einem Thema? 😉
      Egal ob Ausrede oder Klartext, ich glaube, die Rückeneincremerin wird ihre Dienste unbeirrt weiter anbieten.
      Herzliche Grüsse
      Bea

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      • Berto K 23. Februar 2016 um 00:12

        Rein Zufall! Folge Dich schon eine Weile (bin Womo-Fahrer) und mag deine Art zu schreiben. War genau am den Tag wieder mal in die Sauna und konnte mich die Situation gut vorstellen. Gr Bert

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  2. Seemädel 20. Februar 2016 um 23:04

    Ich bin da ja irgendwie direkter…
    „Danke, nein“ oder
    „Danke, nein, ich möchte das nicht“ oder
    „Das ist sehr nett von Ihnen, aber ich möchte das nicht“ (aber nur beim ersten Mal, danach sollte sie es ja wissen…)
    Wieso soll ich mir eine Ausrede einfallen lassen, wenn mir jemand den Rücken eincremen will und meine (freundliche) Ablehnung nicht respektiert?

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    • Flohnmobil 21. Februar 2016 um 17:02

      Die Rückeneincremerin ist irgendwie einfach unbeirrbar. Mich dünkt, dass sie gar nicht gross schaut, wessen Rücken gerade „verfügbar“ ist. Ich bin überzeugt, sie würde mich im Supermarkt gar nicht (wieder)erkennen. Auch nicht von hinten. 😉

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  3. Werner Ammann 21. Februar 2016 um 00:31

    In so eine Situation bin ich noch nie gekommen. Aber ich denke, dass ich es schon etwas direkter sagen würde. Vor allem beim zweiten Mal. Damit sie sich bei einem eventuellen dritten Mal sicher wieder an mich erinnert 😉

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  4. Seifenfrau 21. Februar 2016 um 07:09

    Wuah…so könnte ein Krimi anfangen….

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  5. menzeline 21. Februar 2016 um 11:08

    Komisch ist das schon, mit dieser Eincremerin, die scheint es ja auf dich abgesehen zu haben. Aber wenn ich das nicht möchte, dann sage ich das auch direkt und gerade aus.
    Ausreden helfen da meistens nichts.

    Ich wünsche dir noch einen schönen, entspannten Sonntag.

    Liebe Grüße menzeline

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  6. BloggerIn50+ 21. Februar 2016 um 12:31

    Freundlich und bestimmt ablehnen. Beim zweiten Mal unfreundlich und bestimmt ablehnen. Beim dritten Mal die Krokodile von der Leine lassen. Menschen gibt’s … 🙂

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  7. Erika 21. Februar 2016 um 15:53

    Mit freundlichen, klaren Worten die Wahrheit sagen

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  8. Bruno 21. Februar 2016 um 21:25

    Du musst ja ein speziell schöner Rücken haben. Sage ihr ganz forsch sie solle dich gefälligst in ruhe lassen. An sonst du die Leitung des Fitness-Clubs orientierst. Dies grenzt ja schon an den Intim Bereich.
    Bruno

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