Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Reserviert!

Das Selbstbedienungs-Restaurant im Skigebiet Ischgl/Samnaun war um die Mittagszeit gut besetzt. Mein innig geliebter Mitbewohner und ich schritten die Tischreihen ab auf der Suche nach einem freien Platz. Wir machten einen Sechsertisch an bevorzugter Lage aus, an dem ein einzelner Mann sass, und steuerten darauf zu. Auf dem Tisch verteilt lagen zwei Handschuhe und eine Mütze, die potentielle Anwärter auf freie Plätze davon abhalten sollten, sich hier niederzulassen. Auf unsere Frage, ob noch für zwei Personen frei sei, erhielten wir eine Abfuhr. Hier sei reserviert.

Den Grimassen der Leute am Nachbartisch nach zu schliessen, waren wir nicht die Ersten, die einen Korb erhielten. Der Mitbewohner liess sich auf eine erste Diskussion mit dem Mann ein, der stur darauf beharrte, dass seine Kumpels jeden Moment jemand kommen würden und er hier sehr wohl das Recht habe, für sie den Platz frei zu halten. Da ein paar Tische weiter etwas frei wurde, liess es der Mitbewohner damit bewenden. Vorerst. Denn als er sein Mittagessen beendet hatte, stand er entschlossen auf. Am besagten Sechsertisch sass der Mann noch immer gemütlich alleine und las in einem Buch. Mit dem Frieden war es aber vorbei, denn der Mitbewohner war in streitlustiger Laune.

Den Wortwechsel kann ich hier nicht widergeben. Nicht, weil er nicht salonfähig gewesen wäre, sondern weil ich es in solchen Fällen vorziehe, vorübergehend nicht verheiratet zu sein. Mir sind solche Situationen ehrlich gesagt ziemlich peinlich. Dem Mitbewohner aber keineswegs, und deshalb verlangte er nach dem Chef des Restaurants und erklärte ihm die Sachlage. Dieser hörte zu, bevor er zu einer Erklärung ausholte. Sie hätten hier auch die Funktion einer Schutzhütte (zu meiner Zeit als Bergsteigerin war eine Schutzhütte allerdings wesentlich bescheidener ausgestattet…) und er könne es einem Gast nicht verbieten, sich hier ohne Konsumation aufzuhalten und Plätze zu reservieren. Allerdings habe niemand das Recht, auf reservierten Plätzen zu beharren. Man dürfe sich also ohne weiteres gegen den Willen des reservierenden Gastes an einen solchen Tisch setzen.

Der Mitbewohner kapitulierte. Wir diskutierten die Situation am Abend ausführlich, ähnliche Begebenheiten gibt es ja beispielsweise auch im Zug. Quintessenz: Recht hin oder her – gemütlich wäre es nicht, sich an einen solchen Tisch zu setzen.

Wie hättet ihr reagiert?

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11 Antworten zu “Reserviert!

  1. anneinsideoffice 23. Januar 2016 um 17:03

    Ich hätte nichts gesagt und böse geguckt. Aber nur, wenn es andere freie Plätze gehabt hätte. Ansonsten hätte ich mich frech hingesetzt und gesagt, wenn die Kumpels dann mal kämen, wäre sicher für mich etwas anderes frei…

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    • Flohnmobil 24. Januar 2016 um 18:07

      Du kennst das sicher selber mit dem „besetzt sein“. Man sucht sich ja einen möglichst leeren Tisch aus. Drum steuerten wir auch auf diesen fast leeren Sechsertisch zu. Es liegt irgendwie in der Natur des Menschen, dass er sich am liebsten an einen freien Tisch setzt, an dem noch niemand „Fremder“ sitzt.

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  2. runningtom 23. Januar 2016 um 17:13

    Die Rücksichtslosigkeit der Menschheit nimmt offensichtlich weiter zu…

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  3. merlanne 23. Januar 2016 um 17:44

    Solche „Reservieren“ gibt es seit jeher, es ist der gleiche Schlag wie die „Handtuch auf Liegestuhl-Leger“. Ich muss sagen, es ärgert mich unwahrscheinlich und doch streite ich nicht (auch wenn ich nachher sauer über mich selbst bin). Dein Mitbewohner hat wenigsten die Luft raus gelassen und seine Meinung gesagt. Das tut auch manchmal gut.
    Ich wünsche Dir ein gutes Wochenende,
    Claudine

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  4. Sylvia Kling 23. Januar 2016 um 18:09

    Ich hätte mich auch nicht gestritten. Sowas Dummes ist mir suspekt. Außerdem bringt es ohnehin nichts. 😉

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  5. Das Smamap 23. Januar 2016 um 20:35

    Es ist zwar schon etliche Jahre her, dass ich dort war, aber ich denke, mir ist im selben Etablissement genau dasselbe passiert. Ich ging dann dort nicht mehr hin, habe mich vielmehr auf’s Skifahren konzentriert, und das Essen mit einem mitgebrachten Wurstbrot bewenden lassen, sowie den Hunger auf Abends verschoben.

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