Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Das Allerweltswort

Die Szene, die ich bald schildern werde, spielte sich heute im Fitness-Club ab, wo mein innig geliebter Mitbewohner und ich mehrmals die Woche hingehen. Sie hätte sich aber auch gestern abspielen können. Oder an einem anderen Ort. Nur wäre ich dann nicht dabei gewesen und hätte folglich nicht darüber schreiben können. Denn, all meiner blühenden Fantasie zum Trotz, so etwas hätte ich mir nie ausdenken können.

Ich war gerade im Begriff, die Garderobe zu entern, als die Türe des Kinderhorts aufging. Ein Papa hatte die Türe aufgestossen und ein Knirps, vielleicht dreijährig, kam zwischen seinen Beinen hindurch in den Korridor geschossen. Im Kinderhort musste, dem Lärmpegel nach zu schliessen, eine gehörige Ansammlung weiterer Knirpse sein.

“Willst du noch ein Gummibärchen?” schrie der Papa seinem Buben hinterher. Der Dreikäsehoch hielt inne, gab ein lapidares “Okay” von sich und strebte nach einer 180°-Drehung der Gummibärchen-Ausgabe entgegen.

Vor mir türmten sich keine kleinen Kinder, auch keine Gummibärchen auf, sondern ein paar Fragen.

  • Habe ich grammatikalisch und stilistisch etwas verpasst?
  • Antwortet man neuerdings nur noch OKAY, wenn man gefragt wird, ob man etwas möchte?
  • Sind sowohl Vater wie Sohn derart arrogant und abgehoben, dass ihre Umwelt sich mit einem OKAY als Antwort zu begnügen hat?
  • Muss hier der Anglizismus als Sündenbock hinhalten?
  • Wurde bei der Erziehung ein Modul übersprungen?
  • Sehe ich das zu eng?

 

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9 Antworten zu “Das Allerweltswort

  1. Womolix 29. November 2015 um 15:51

    Ein ganz klares Nein, Frau Flohnmobil! Sie sehen das nicht falsch.😡
    Der wohl wichtigste Träger von Kultur ist die Sprache. Wird die Sprache auf nur noch wenige Urlaute reduziert, dann mag eine einfache Verständigung noch möglich sein. Ein kultivierter Umgang bleibt dabei jedoch auf der Strecke.
    Da auch Kultur sich verändert und weiterentwickelt, würde ich das nicht ganz so eng sehen. Es ist einfach der Versuch Neues auszuprobieren. Wenn genügend kultivierte Menschen sich offensiv dieser Verhaltensweise entgegenstellen, wird es langfristig gesehen ein Versuch bleiben, der sich als Irrweg herausgestellt hat.
    So ähnlich war es mit der „Antiautoritären Erziehung“ in den 70ern auch. 😊

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    • Flohnmobil 30. November 2015 um 11:20

      Ich bin auch deiner Meinung, dass mit neandertalerischen Grunzlauten kein gesittetes Gespräch aufkommen wird. Klar kann man von einem Dreijährigen noch keine grosse Sprachkompetenz erwarten. Hingegen hätte ich es angebracht gefunden, wenn der Vater seinen Sohn darauf hingewiesen hätte, dass ein „ja gerne“ angebracht gewesen wäre. Stattdessen hat er sich an der „originellen“ Antwort seines Filius gefreut.

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  2. Sylvia Kling 29. November 2015 um 15:52

    Nein, Du siehst das richtig. Die deutsche Sprache wird ebenso verroht wie der Umgang miteinander. Wenn Eltern es selbst schon nicht beherrschen, wie sollen es die Kinder dann lernen?😡

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  3. Das Smamap 29. November 2015 um 16:07

    Ich seh das etwas anders, als die bisherigen Kommentatoren:
    Das Kind und der Vater verstehen sich auch ohne große Worte. Stillschweigend sozusagen, wenn auch nicht ganz stillschweigend.
    Natürlich hätte es auch heißen können „einverstanden“. Aber der Mensch war immer schon „stinkend faul“, sprich auf Ökonomie bedacht. Und der Vater hat sicherlich DAS verstanden, was das Kind auch damit ausdrücken wollte; ein „au ja bitte“ oder was auch immer, eingeschlossen.
    Ich bin überzeugt davon, dass die beiden abends beieinander liegen, und sich über ein Märchen austauschen oder das Kind den Eltern erzählt, was es heute so erlebt hat.

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