Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Güselchübel

Mit diesem Titel werden meine Leserinnen und Leser ausserhalb der Schweiz mal wieder nicht viel anzufangen wissen. Doch da sie mehr als 50 Prozent meiner Leserschaft ausmachen, will ich hier etwas Übersetzungshilfe leisten. Der Güsel ist nichts anderes als Abfall. Und ein Chübel ist ein Kübel. Ergibt also einen Abfalleimer.

Die Rede soll hier aber nicht von irgend einem Güselchübel sein, sondern von DEM Güselchübel schlechthin. Dem Ochsner-Chübel. Ich habe letzthin einen in Brigels fotografiert, der dort am Wegesrand den Güsel der Wanderer aufnimmt.

DSC05627

Sein Anblick versetzte mich in meine Jugendzeit zurück, wo in jedem Schweizer Haushalt unter dem Spülbecken (das damals wie heute noch häufig als Schüttstein bezeichnet wurde) so ein Ochsner-Chübel stand. Ochsner darum, weil die Firma, die ihn produzierte – na wie wohl? – Ochsner hiess. Damals legte man den Chübel noch mit Zeitungspapier aus und stellte ihn am Tag der Güselabfuhr an den Strassenrand zum Leeren. Kehricht-Säcke wurden erst später erfunden. Zuerst aus starkem Papier, dann aus immer dünner werdendem Plastik.

Diese ganzen Erinnerungen holten mich wieder ein, als ich letzthin in einem Prospekt von Möbel-Pfister blätterte. Da entdeckte ich unter dem Titel “Schweizer Evergreens, die unseren Alltag bereichern” den “Alltagsklassiker Patent Ochsner”. Und der sieht mittlerweile so aus:

Daneben stand geschrieben.

Der zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelte, metallene “Güselkübel” mit dem unverkennbaren Deckel demonstriert heute das Genie alltäglicher Dinge. Das Design der Re-Edition bringt den Klassiker mit neuen Funktionen und Materialien selbst im Wohnzimmer zum Strahlen.

Könnt ihr euch vorstellen, so einen noblen, strahlenden Güselkübel (zum bescheidenen Preis von Fr. 249.- übrigens) in eurem Wohnzimmer zu haben? Als ich ganz bestimmt nicht!

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18 Antworten zu “Güselchübel

  1. family4travel 18. August 2015 um 08:52

    Vielen Dank für den Fremdsprachenunterricht. 🙂 Wieder was gelernt.
    Das Re-Design gefällt mir auch nicht. Wenn schon retro, dann richtig.

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    • Flohnmobil 19. August 2015 um 15:47

      Ich unterrichte immer wieder gerne kleine Häppchen auf Schweizerdeutsch. 🙂
      Und was den Güselchübel betrifft, so möchte ich weder das neue noch das alte Modell in meinem Wohnzimmer wissen.

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  2. Hausfrau Hanna 18. August 2015 um 09:18

    Also,
    liebe Frau Flohnmobl,
    ich habe auch lieber CD’s von ‚Patent Ochsner‘ im Wohnzimmer stehen, als einen solchen Kübel… 😉

    Herzlichen Gruss
    Hausfrau Hanna

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  3. dieStreunerin.com 18. August 2015 um 10:34

    Nur mit Preisschild darf er ins Wohnzimmer. 😀 Ohne Preis denkt jeder, ähm ein Metallkübel im Wohnzimmer? 😉
    Liebe Grüße

    PS: und danke für die Fremdsprachenweiterbildung Güselchübel 🙂

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  4. englandliebhaber-England lover 18. August 2015 um 12:19

    Heute habe ich wieder dazugelernt/

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  5. smamap 18. August 2015 um 15:44

    Ich gehöre auch zur Gruppe der Nichtschweizer. Also jetzt wieder was dazugelernt, was ich dann morgen schon nicht mehr weiß. Ich bleib beim Abfalleimer, da weiß ich wenigstens, woran ich bin :))))
    Aber im Wohnzimmer ????? Ich weiß nicht so recht !!!!!
    Aber Platz wäre ja. Nachdem der Flachbildfernseher ja jetzt, ob seiner schieren Größe, nicht mehr in den Wohnzimmerschrank passt, könnte man dort ja den Eimer unterbringen. Und vll sogar noch mehr?
    Ev. gibt es ja demnächst noch den Kübel im echten Wohnzimmerschrank-Retro-Design. Als in Holzfurnier.

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  6. Erika Laufer 18. August 2015 um 15:57

    Güselchübel ist ein schönes Dialektwort. Mein erstes schweizerdeutsche Wort, das ich als Jungspunt vor vielen, vielen Jahren nicht verstanden habe, ist Huddel. Werde ich niemals vergessen.
    Huddel = Lumpen passt zum Eimer😜

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    • Flohnmobil 19. August 2015 um 15:53

      Dem kann ich jetzt grad nicht viel entgegenhalten. Bestimmt hat es in meiner Jugend Dialektwörter gegeben, die ich nicht verstanden habe, und die ich seither selbstverständlich annektiert habe.
      Jugend ist zwar schon lange nicht mehr, neue Wörter jedoch fast täglich. 😉

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  7. Zimi 18. August 2015 um 21:03

    Dieser Ochsner-Güselchübel isch würkli Kult – ich glaube meine Eltern haben noch so einen unter der Spüeli – aber eingekleidet mit einem teuren Zürich-Abfallsack. Gruss Zimi

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  8. notiznagel 18. August 2015 um 21:27

    Das war noch Musik in den Strassen, wie die Chübel am Griff vom Hacken zum offenen Schlund des Güselwagens gehoben und dann unter Getöse der abfällige Inhalt rausgeschüttelt wurde.
    Heut wär das Lärmbelästigung pur.
    Übrigens, den Chübel kunstvoll mit Zeitungspapier auszukleiden, war eine meiner Lieblingsbeschäftigungen.
    Dankeschön für geweckte Erinnerungen.

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  9. Anita 19. August 2015 um 14:41

    Du ahnst es wohl. Wegen meinem Bhalti-Gen steht bei uns neben dem Restaurant-Eingang ein echter alter Chübel System Ochsner mit der Nummr 511990. Er hat sogar diesen Oeffner unten, wo man rauftreten kann und der Deckel öffnet sich. Hier brauchen wir ihn für Zigarettenstummel. Allerdings bleibt er inzwischen meistens leer. Aber gefallen tut er mir immer noch. Und er steht tatsächlich im Restaurant, also praktisch in unserem Wohnzimmer…

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