Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Salami-Taktik

Der Tag begann für mich grundsätzlich verheissungsvoll. Doch, doch, das kann man so sagen. Die Komischen – und zwar alle vier – begannen, sich in derbes Schuhwerk zu stürzen. Das war für mich schon immer ein gutes Zeichen. Dann wurde ich ins Auto verfrachtet und ein kurzes Stück weit gefahren. Es folgte ein kurzer Rundgang durch das mir bestens vertraute Dorf. Fünfundzwanzig wohlduftende Hundeschisse, vier Katzen und neun Markierungsstätten später standen die vier Komischen plötzlich bockstill. Da nahm mein Tag eine fatale Wende.

Ich musste in einen Bus einsteigen, für meine stattliche Wenigkeit wurde ein Obolus entrichtet (dieses Geld hätte man garantiert besser investieren können, ich hätte da schon geeignete Vorschläge bereit gehabt) und nur einer gewissen sprachlichen Ignoranz der vier Komischen, insbesondere aber dem Wohlwollen des Fahrers, hatte ich es zu verdanken, dass ich überhaupt mitgenommen wurde. Wollte der Kerl doch, dass ich einen Maulkorb trage. Unerhört!

Die Fahrt im Bus war nicht wirklich ein Highlight. Die Komischen sassen bequem in den Sitzen und ich musste mit dem widerlichen Fussboden Vorlieb nehmen. Keine Spur von Hund, nur abgelatschte Treter und Fussschweiss in diversen Duftnoten. Schlechter Service für so viel Geld! Als ich endlich an die frische Luft durfte, steuerten meine vier Begleiter schnurstracks eine Bäckerei an. Wie öde. Wer isst schon Croissants oder Baguettes?

Viel interessanter war da dieses zehn Zentimeter lange Stück Salami, das ich kurz darauf in einer engen Gasse aufstöberte. Obschon ich mich schon ordentlich drin verbissen hatte, waren die Komischen der Meinung, das sei nichts für mich. Gegenwehr zwecklos. Mit brachialer Gewalt öffneten sie mir die Schnauze und entrissen mir den Notproviant, der mich kulinarisch über den Tag getröstet hätte.

Denn die vier Komischen schlugen sich auf verschlungenen Wegen durch den Busch und ich musste mir ihr endloses Palaver anhören. Vier Stunden lang ging das so, nie durfte ich ab der Leine, dabei kreuzten Wildschwein-, Hasen- und Eichhörnchen-Fährten meinen Weg. Stattdessen lagen sie mir mit ihrem Geschwätz in meinen empfindlichen Ohren. Von Kochrezepten zu Wohnmobil-Stellplätzen, über Kindheits-Erinnerungen bis hin zu Velo-Sätteln.

Ich kann euch sagen, das war vielleicht ein Tag. Das nächste Mal muss ich mir etwas Gerisseneres ausstudieren, wenn ich wieder mal auf so ein kapitales Stück Salami stossen sollte. Denn mit der richtigen Salami-Taktik kommt man im Leben einfach weiter.

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11 Antworten zu “Salami-Taktik

  1. BloggerIn50+ 23. Mai 2015 um 20:44

    Dumm gelaufen, Vierpfötler.Es kommen auch wieder bessere Zeiten! 🙂

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  2. anneinsideoffice 23. Mai 2015 um 21:25

    Auch Goldschätzchen zieht Lehren aus solchen Erlebnissen und wird immer schlauer 😉

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  3. Werner Ammann 23. Mai 2015 um 23:00

    Eine recht spannende Geschichte hast du da erlebt! Timi musste schon zweimal so einen Maulkorb tragen, er mag ihn gar nicht.
    Und beim Salami hast du wenigstens das absolute Mitgefühl vom Timi, er kennt so ähnliche Entreissdiebstähle auch!
    Gruess vom Werner und Timi

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  4. Hausfrau Hanna 24. Mai 2015 um 09:16

    Ein richtiges Hundeleben ist das,
    lieber Conrad,
    ich verstehe deinen Unmut und Frust!
    Und hoffe, dass das heute ein besserer Tag wird.
    Mit Salami!
    Ist ja schliesslich auch Pfingsten…

    Mit herzlichen Grüssen (auch an Frau und Herrn Flohnmobil)
    Hausfrau Hanna

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    • Flohnmobil 24. Mai 2015 um 16:41

      Weit und breit kein Salami im Haus, liebe Hausfrau Hanna, die zwei Komischen haben mich da auf eine seltsame Pfingst-Diät gesetzt. Und ausserdem habe ich mich heute Morgen mal wieder nicht von meiner Schoggi-Seite gezeigt, drum bin ich jetzt an der Leine und kann mir meinen Znacht nicht selber beschaffen. 😦
      Herzliche Grüsse, GS

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  5. menzeline 25. Mai 2015 um 11:01

    Armes Goldschätzchen, warum bloss hast du die Salami nicht verteidigt, du bist doch ein Hund, der knurren und beißen kann und gegebenen falls abhauen kann.
    Nein war schon gut so, dass du das nicht gemacht hast, denn wer weiß, was vielleicht in der Salami gesteckt hat, nachher wäre es dir ganz schlecht ergangen, weil die Wurst veilleicht vergiftet war.
    Da hat Frau Flohnmobil schon richtig gehandelt und dir das Teil entwendet.
    Und ein bisschen Diät kann manches Mal auch nicht schaden. Sicherlich wird schon noch das ein oder andere für dich abfallen, denn schließlich und letztendlich sind doch die beiden komischen Zweibeiner gar nicht so übel, wenn du es dir recht überlegst, oder?
    Liebe Grüße von
    menzeline

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