Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Wie die Kleider fliegen lernten

Meine Mutter legt wert darauf, dass ich “endlich mal” die folgende Episode verblogge. Und weil ich schon früh gelernt habe, dass man der Mutter nicht widerspricht, füge ich mich.

Es war nicht immer so, dass ich ein ordentlicher Mensch bin. Genau genommen brauche ich bis heute irgendwo in der Wohnung eine “Puff-Ecke”. Oder mehrere. Nicht immer und nicht sofort einsehbar, aber vorhanden.

Früher muss das, will  man den Ausführungen meiner Mutter Glauben schenken, schlimmer gewesen sein. Dazu muss man wissen, dass meine Mutter zu der Gattung Mensch, Untergattung Hausfrau, gehört,  die bis heute morgens nie aus dem Haus geht, ohne den Haushalt gemacht zu haben. “Man weiss ja nie…” Sie geht auch nicht ins Bett, solange noch etwas Geschirr im Spültrog liegt. Ganz zu schweigen von allfälligen Ferien – da habe ich mich früher immer gewundert, was es denn bringt, wenn zu Hause alles pico-bello aufgeräumt ist, während man selber drei Flugstunden entfernt ist. Sieht ja keiner.

Unter den erwähnten Gesichtspunkten kann vermutlich auch ein Aussenstehender nachvollziehen, wie sehr es meine Mutter genervt hat, wenn mein Zimmer nicht aufgeräumt war. Der Schandfleck der ganzen Wohnung! Als Teenager fand ich damals, das sei meine Sache. Es war mir auch egal, wenn der Staubsauger und ähnliche Putzutensilien von meinem Zimmer fern blieben. Ganz schlimm wurde es erst, als meine Mutter in einem Anflug von Hoffnungslosigkeit jeweils mein Zimmer aufräumte. Dann fand ich nämlich nichts mehr.

Es war das übliche Mutter-Tochter-Duell, das zwischen uns stattfand. Ich hielt es nicht für nötig aufzuräumen, trotz regelmässiger, vermutlich nahezu täglich wiederkehrender Ermahnungen.

Eines Abends kam ich von der Schule nach Hause und in meinem Zimmer war … Ordnung. Dort, wo noch am Morgen ein Haufen Kleider gelegen hatte, war plötzlich wieder ein Sessel zum Vorschein gekommen. Triumphierend blickte ich um mich! Meine Mutter, die in meinen Augen ohnehin mehr Zeit dazu hatte als ich, hatte mein Zimmer aufgeräumt. Die Kleider offensichtlich entweder gewaschen oder ordentlich im Schrank verstaut.

“Wow Mami, hast du mein Zimmer aufgeräumt?” Es war mehr eine Feststellung als eine Frage, denn die Veränderung, die im Raum vorgegangen war, war ziemlich offensichtlich. “Nein, habe ich nicht”, entgegnete meine Mutter, “aber schau mal zum Balkon raus.” Ich tat wie mir geheissen und traute meinen Augen nicht. Da lagen sie, all meine Kleider. Meine Mutter hatte das ganze Puff kurzerhand aufgegriffen und übers Balkongeländer geschwungen. Socken, Pullis, Jeans, Schuhe, alles lag verstreut im Hof! Wir wohnten im 4. Stock eines Mehrfamilienhauses und es muss ein Bild für die Ewigkeit gewesen sein, als damals meine Klamotten zu Boden schwebten.

Noch heute lacht meine Mutter schelmisch, wenn wieder mal die Rede von dieser Begebenheit ist. Sie findet, sie sei damals noch human mit mir umgegangen, und hätte die Kleider erst unmittelbar vor meiner Heimkehr über Bord geworfen. Für mich dagegen spielte es keine Rolle, wie lange die textilen Peinlichkeiten schon im Hof lagen. Kleinlaut stieg ich die vier Etagen runter, sammelte alles ein und bemühte mich fortan, in meinem Zimmer so viel Ordnung zu halten, dass mir eine Wiederholung der Episode erspart blieb.

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12 Antworten zu “Wie die Kleider fliegen lernten

  1. Anita 18. April 2015 um 18:51

    Hahaha. Einen herzlichen Gruss an deine Mutter. Hoffentlich kommt sie nie bei mir vorbei 🙂
    Anita

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  2. Anhora 18. April 2015 um 20:31

    Ich mag deine Mutter! 😉

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  3. anneinsideoffice 18. April 2015 um 21:43

    Ich war da bei meinen Kindern toleranter, sie waren aber auch nicht alle 3 unordentlich.
    Meine Tochter fand mit 16 sie sei froh dass ich arbeite, so hätte ich nicht Zeit mich in alles einzumischen…Recht hatte sie, so konnte ich mich auf andere Dinge fokussieren 😉

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  4. schreibschaukel 19. April 2015 um 12:30

    Und ohne, dass wir es merken, auf wundersame Weise, sind wir eines Tages selbst so ordnungsliebend. Grad kürzlich hab ich gestaunt, wie weit der Twenager diesbezüglich schon ist.

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  5. Trudy und A-Yana 19. April 2015 um 20:59

    LACH!
    Die Schuhe hast du jetzt aber extra fürs Foto verstreut ODER???
    Es grüsst dich eine Mutter die es nicht geschafft hat…..

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  6. wildgans 24. April 2015 um 10:08

    Beachtliche Konsequenz der Mutter!
    Gruß von Sonja

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