Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Gustave, le Veston

Mir geistert da so ein Begriff im Kopf rum, den ich nicht mehr loswerde. Erstaunlicherweise kann ausser mir und meiner Mutter niemand etwas damit anfangen. Noch nicht mal mein innig geliebter Mitbewohner, der normalerweise mit alten bzw. veralteten Dialekt-Ausdrücken gut sortiert ist.

Tschoopehof Gusti

So nannten wir früher einen Menschen, vorwiegend männlichen Geschlechts, der nicht ganz dem gängigen Modell “Mann” entsprach. Häufig in Sachen Intelligenz, Schlauheit, aber auch in Bezug auf seine Ansichten, sein Äusseres oder seine Gewohnheiten. Er kommt daher wie ein Tschoopehof Gusti, würde ich vielleicht über jemanden sagen, der ausgelatschte Schuhe trägt, ein schräg geknöpftes Hemd oder eine Hose, deren Farbe man nicht mal mehr erraten kann.

Wie setzt sich der Begriff zusammen? Ein “Tschoope” ist eine Jacke, ein Veston, ein Jacket. Der Gusti ist die schweizerdeutsche Version von Gustav.

Es ist mir bewusst, dass ich mit diesem saloppen Ausdruck viele Vorurteile verbinde. Dennoch unternehme ich hier einen zaghaften Versuch, seinem Ursprung auf die Spur zu kommen.

Kann mir jemand dabei helfen? Verwendet ihr vielleicht einen ähnlichen Begriff?

DSC01999

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20 Antworten zu “Gustave, le Veston

  1. Trudy und A-Yana 11. April 2015 um 19:02

    Unbekannt bei mir, dein Gusti

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  2. Anita 11. April 2015 um 22:13

    Soviel ich weiss, ist ein „Guschti“ auch ein Rind. Aber das hilft dir wohl auch nicht weiter, gell
    Anita

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  3. Werner Ammann 11. April 2015 um 23:42

    Den ‚Tschoopehof Guschti‘ habe ich auch öfters gehört in meinen ersten Jahren am Arbeitsplatz, damals in Winterthur. Ein ‚Tschoopehof Guschti‘ war unter anderem ein eher unzuverlässiger Chauffeur. Es konnte aber auch mich treffen, wenn ich beim Jassen einen ‚Bock‘ schoss 😉
    Woher der Begriff stammt, weiss ich aber so wenig wie du. Aber vermutlich kommt er schon aus der Region um Winterthur und Tösstal.
    Gruess vom Werner

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    • Flohnmobil 13. April 2015 um 10:36

      Du bist meine Rettung, Werner! Ich hab schon befürchtet, ich sei einer Halunggination erlegen. 😉 Ich muss mal eine Freundin fragen, die in der Winterthurer Altstadt in einer Beiz gross geworden ist, ob sie vom Stammtisch her mal den Begriff gehört hat.

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  4. Anhora 12. April 2015 um 12:52

    Tschoopa im Sinn von Jacke kennen auch Hardcore-Schwaben, aber der ‘Tschoopehof Guschti’ ist hier unbekannt. Dem Sinn nach heißt der bei uns Harry. „Mit dieser Frisur seh ich aus wie Harry“ oder so. Vielleicht hatte der Guschti einen Bruder.

    Könnte es vielleicht auch Tschoppenhof heißen? Es gibt einen Ort dieses Namens bei Liedertswil, vielleicht führt das weiter.

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  5. Zimi 12. April 2015 um 21:10

    Hoi Bea – also den Tschoopehof kenne ich nicht. Wobei „bisch en ächte Guschti“ ist schon ein Begriff – heisst soviel wie bisch en ächte Döddel oder Dummkopf, den Ursprung weiss ich aber nicht. Gruss Jürg

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    • Flohnmobil 13. April 2015 um 10:45

      Ich habe in der Zwischenzeit im Idiotikon nachgeschaut (grundsätzlich eine gute, wenn auch anstrengende Sache). Ein Gusti ist auch eine Schelte für ein schmutziges Kind oder einen groben Burschen. Wird ebenso angewandt für einen dummen (jungen) Menschen. Hm.

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  6. anneinsideoffice 13. April 2015 um 00:43

    Der Hof meiner Urgrosseltern hiess Tschoopenhof…der steht aber in der Region Basel…einen Gusti kenne ich aber nicht 😉

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  7. Silberdistel 14. April 2015 um 19:38

    Dass ich Dir da nicht weiterhelfen kann, dürfte Dich sicher nicht verwundern 😉 Aber ich möchte die Gelegenheit dennoch nutzen und Dir sagen, dass ich das Foto ganz toll finde.
    Liebe Grüße von der Silberdistel

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  8. Rosmarie Gottschalk 13. August 2017 um 17:59

    Hallo Gustave
    Spät, aber vielleicht noch interessant.
    Den Tschoopehofgusti kenne ich von meinem Vater. Ja, ein Mann, der nicht in die Norm passt. Wie du geschrieben hast, Kleider etc.
    Der Tschoopehof ist das Dorf Liedertswil BL.
    Ausser unserer Familie kenne ich niemanden, der den Ausdruck verwendet oder kennt.
    Gruss
    Rosmarie

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    • Flohnmobil 13. August 2017 um 21:07

      Hallo Rosmarie, willkommen im Flohnmobil!
      Wenn du oben die Kommentare liest, wirst du feststellen, dass doch der eine oder die andere den Tschoopehof Gusti als Begriff kennt. Selbst das Baselbiet wurde erwähnt. Aber insgesamt scheint es doch ein Begriff zu sein, der vom Aussterben bedroht ist.
      Grüessli
      Bea

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