Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kau Boy!

Die Misere begann im Grunde genommen schon lange bevor mein innig geliebter Mitbewohner und ich uns an den Tisch setzten. Vielleicht war es ja falsch gewesen, das Fleisch beim Discounter zu kaufen. Ich begann zu grübeln, ob es gar grundsätzlich falsch war, irgend etwas beim Discounter zu kaufen. Doch dafür war es zu spät. Nicht nur die zwei Stunden zu spät, die das Fleisch bereits in der Pfanne verbracht hatte, sondern etliche Tage zu spät.

Zu Hause wäre mir das nicht passiert. Zu Hause hätte ich das Fleisch postwendend wieder in den Laden zurück gebracht. Angewidert hatte ich die braun angelaufenen Fleischstücke in der kleinen Küche der Ferienwohnung in Silvaplana entsorgt. Sie sahen nicht nur unappetitlich aus, sie rochen auch so. Von zwei völlig intakten Packungen Rindsvoressen (in anderen Ländern unter dem Begriff Gulasch bekannt, was für uns Schweizer wiederum nicht das Gleiche ist) war nur eine brauchbar, obschon das Verbrauchsdatum noch in Ferne lag.

Aus der zweiten Packung bereitete ich ein Rindsvoressen zu. Nach zwei Stunden Schmorzeit erfüllte ein Duft, der Freude auf die bevorstehende Mahlzeit aufkommen liess, den hintersten Winkel der Ferienwohnung. Nebst dem Duft war jedoch nur die Sauce eine weitere positive Bemerkung wert, das Fleisch selber entsetzlich zäh. Der Mitbewohner konnte sich einige Bemerkungen wie “die Kuh ist wohl aus Altersschwäche gestorben” und dergleichen nicht verkneifen.

Als verantwortliche Köchin beschloss ich, das Menü vorwiegend aus Polenta und der wirklich schmackhaften Sauce aus viel Rotwein, Rüebli, Sellerie und Zwiebeln bestehen zu lassen. Das Fleisch landete zurück in der Pfanne, wo es anderntags nochmals schmoren sollte.

“Gib der alten Kuh genügend Zeit zum weich werden”, riet der Mitbewohner. Wir rätselten, ob es reichen würde, pro zehn Kuhjahre eine Stunde Kochzeit einzurechnen. Nach total vier Stunden Kochzeit war das Fleisch wohl etwas weicher, beanspruchte unsere Kaumuskulatur aber immer noch enorm.

Meine Euphorie über Schmortöpfe ist derzeit gerade etwas abgeebbt. Dabei gibt es – mit einem glücklicheren Händchen beim Fleischkauf – so feine Sachen, wie beispielsweise dieses Rezept hier von Zimi.

DSC08322

Jetzt weiss ich endlich, was die Amerikaner unter dem Begriff Cowboy verstehen.
Was für ein raffiniertes Volk!

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6 Antworten zu “Kau Boy!

  1. Zimi 29. März 2015 um 19:50

    Hallo Bea besten Dank für die „Blumen“. Du lachsch jetzt vielleicht aber ich kaufe das Rindfleisch meistens beim Discounter sprich Migros (TerraSuisse-Label) und es wird immer wirklich butterzart nach der Methode „kurz scharf anbraten, 1/12 Std bei kleiner Hitze schmoren“ .
    Ich hatte aber auch schon Fleisch gekauft und das „stinkte“ wirklich beim Auspacken – widerlich. Gruss und eine angenehme Woche. Jürg

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    • Flohnmobil 30. März 2015 um 16:55

      Ich hatte mich noch eine Stufe tiefer begeben. Nun bin ich wieder eine Weile kuriert von Lidl-Fleisch, denn es ist nicht das erste Mal, dass ich schlechte Erfahrungen gemacht habe.
      Grüessli
      Bea

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  2. schreibschaukel 29. März 2015 um 22:09

    Ein Lobi gehört ja auch nicht in die Pfanne, sondern auf die Wiese. Aber Kau Boy – genial!

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  3. Hausfrau Hanna 30. März 2015 um 10:42

    Es muss sein ‚lind‘,
    liebe Frau Flohnmobil
    das Ragout vom Rind… 😉

    Meint Hausfrau Hanna und schickt einen herzlichen Gruss !

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