Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Unglücks-Chlötzli

Es gibt nur etwas, das mich mehr nervt, als Computer, die mir mitten in der Nacht ein SMS verschicken: schlampig abgefasste Rezepte, die nicht funktionieren.

Das jüngste Nervensägen-Beispiel kam verkleidet als Cantucci-Rezept daher. Krieg ich gebacken, dachte ich optimistisch, und machte mich ans Werk. Cantucci, ich liebe sie. Und wenn ich eine neues Rezept entdecke, so wird es früher oder später verbacken. Das Zitronen-Walnuss-Cantucci-Rezept zeigte allerdings wenig Euphorie, sich standesgemäss aufzuführen. Im Gegenteil, der Teig klebte trotzig an sämtlichen zehn Fingern (und im Rezept stand ausdrücklich, man solle ihn von Hand kneten). Mehl musste her. Wie blöd, dass ich eine so ordentliche Hausfrau bin, und den Mehlsack nach dem Abwiegen wieder zurück in den Schrank gestellt hatte. Erste Akrobatik-Übungen, um den Schrank mit einem Fuss zu öffnen, missrieten kläglich. Das lag weniger daran, dass ich zu wenig beweglich wäre, sondern an der Konstruktion der Türe. Also musste ich den Küchenschrank mit meiner teigverschmierten Hand öffnen und den Mehlsack mit der gleichen immer noch teigverschmierten Hand herausfischen. Wieso sind eigentlich Männer immer dann weg, wenn man sie mal wirklich brauchen könnte? Es benötigte mindestens das Doppelte der angegebenen Menge an Mehl, bis der Teig eine anständige Konsistenz aufwies. Und meinen Handmixer, den ich zu guter Letzt doch noch hervor holte.

Mein innig geliebter Mitbewohner beäugte das fertige Backwerk mit skeptischem Blick. “Es erinnert stark an Magenbrot”, holte er aus, “ist aber insgesamt etwas zu bleich geworden.” Ich kenne ihn mittlerweile gut genug, um zu wissen, dass der eigentliche Hammer erst folgen würde. Und so war es auch. “Wir hätten schon Abnehmer”, fügte er an. “An der Seepromenade?” “Nein, eher im Rossstall.” Als der Mitbewohner die “Chnusperli” schliesslich probierte, war meine Reputation als Bäckerin zumindest einigermassen rehabilitiert.

Leider war die Sache mit dem halbfertigen Rezept noch das kleinste Übel, mit dem die Chnusperli aufwarten konnten. Denn die Person, für die sie bestimmt gewesen wären, ist, noch bevor sie in den Genuss derselben hätte kommen können, auf dem Glatteis ausgerutscht und hat sich den Ellbogen gebrochen. Deshalb an dieser Stelle:

Gute Besserung, liebe Frau S.

Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass alles gut kommt.

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19 Antworten zu “Unglücks-Chlötzli

  1. Spottdrossel 31. Januar 2015 um 17:13

    Bei manchen Rezepten frage ich mich, ob der Urheber sie jemals selber ausprobiert hat.
    Die Sache mit dem Roßstall hatte ich nach meiner ersten Plätzchenorgie in der eigenen Wohnung – die Marzipanplätzchen waren (zumindest für menschliche Kaumuskeln) zu hart geworden, weshalb das Pony jeden Abend mit erwartungsvollem „höhöhö“ eins der Machwerke entgegennahm.
    Leider war das lange vor der Zeit von Ebooks und selbstgebackenem Haustierfutter, sonst hätte ich das Rezept einer gewinnbringenden Zweitverwertung zuführen können 😉 .

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    • Flohnmobil 1. Februar 2015 um 14:57

      Ich steh mir glaub etwas auf der Leitung. Wie war das schon wieder mit dem Zusammenhang von Ebooks und Haustierfutter?

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      • Spottdrossel 1. Februar 2015 um 15:53

        Ganz einfach – heutzutage, wo Leute sich mit Bäckereien für Hundekekse selbstständig machen, hätte ich mit einem Ebook voller Pferdeleckerlirezepte vermutlich paar Pfennige verdienen können.
        Damals hat mich aber die Buchwerbung für „Fengh-Shui für den Pferdestall“ und „Pferdbetüddeln nach Mondphasen“ schon so aus der Fassung gebracht, daß ich vermutlich selbst bei technischer Machbarkeit nicht auf die Idee gekommen wäre, sowas zu vermarkten 😉 .

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  2. Hausfrau Hanna 31. Januar 2015 um 18:26

    Ich schliesse mich deinen GuteBesserungswünschen an Frau S. (unbekannterweise) an,
    liebe Frau Flohnmobil,
    und wenn es denn Cantucciüberreste geben sollte, ich würde sie herzlichgern mitnehmen an die Rheinpromenade… um endlich gute Schnappschüsse zu kriegen von den Möwen 🙂

    Herzlich in den Samstagabend
    Hausfrau Hanna

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  3. Zimi 31. Januar 2015 um 18:51

    Hallo Bea
    Du kriegst nächstens auf meinem Blog ein anständiges Rezept für selbstgemachte Canuccini – diese werden super. Habe sie schon mehrmals gemacht und sie kommen immer an. Grus und ein schönes Wochenende wünscht euch Jürg

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  4. annenette 31. Januar 2015 um 21:37

    Und ich als Nichtbäcker weiß noch nicht mal, was ein Cantucci ist, geschweige denn, wie ich es mache. Nur diese Akrobatik um die Mehltüte kann ich nachempfinden.
    Lustig zu lesen war es aber! Danke dafür – und gute Besserung auch an Frau S.
    Annette

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  5. notiznagel 1. Februar 2015 um 13:24

    Gewisse Männer sind bessere Backkritiker den Türöffner und verschwinden in entscheidenden Momenten lieber an einen sicheren Ort. Zum Beispiel die Seepromenade oder in den Wachskeller.
    Wieder andere sind dann mit einem Winddrachen auf dem Pausenplatz des nahen Schulhauses unterwegs. Aber lieb sind sie Alle.
    Neugier: Nennt Frau S. eine virtuelle Schaukel ihr eigen?
    Egal, wünsche ihr so oder so von Müller gute Besserung für eine schnelle Genesung.

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  6. schreibschaukel 1. Februar 2015 um 15:46

    die halten sich aber doch eine weile, oder…? 😉

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  7. messerschaf 3. Februar 2015 um 07:55

    Solche Rezepte kenn ich leider auch 😦 Ich frag mich dann immer ob ich zu blöd war die Waage richtig abzulesen oder ob meine Waage einfach einen Schaden hat oder ob wirklich der Verfasser murks gemacht hat. Bei mir war es einmal Magenbrot (das Zeug klebt herrlich an den Fingern) und einmal ein Rezept für Zimtsterne… Mein Schatz hat trotz leckerem Geruch dann nicht gewagt die Küche zu betreten, weil ich ganu unpassend zum Plätzchenduft vor mich hingeflucht habe. Ich hab den Teig dann aber auch nur durch eine Mehr-Zugabe an Puderzucker wieder von den FIngern bekommen und es gleich im Rezept vermerkt…
    Ich hab anfangs auch immer die Mehltüte gleich weg… mittlerweile bleibt sie stehen bis die Werke im Ofen vor sich hin duften.

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