Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Gebannt

Da sassen wir und tranken unseren Kaffee. Unseren wohlverdienten Kaffee in der Wärme eines angeschriebenen Hauses. Dies nach einigen Skiabfahrten. Um uns herum etliche weitere Skifahrer mit ähnlichen Ambitionen.

Mein innig geliebter Mitbewohner und ich schlürften den Kaffee, genossen die grandiose Szenerie, die die verschneite Bergwelt zu bieten hatte. Wir unterhielten uns über dieses und jenes. Schwiegen uns auch mal nur an. Uns war wohl dabei. Keine Langeweile.

Dann der entscheidende Moment: Der Mitbewohner begab sich an den Ort, wo auch der Kaiser von China alleine hin geht. Nun sass ich da. Ganz alleine inmitten der vielen Skifahrer hatte ich plötzlich Zeit, mein Umfeld etwas genauer zu mustern. Sie sassen zum Teil dicht gedrängt an den Tischen, zum Teil auch nur zu zweit. Allen war gemein, dass sie sich weder für ihr Gegenüber noch für die sie umgebende Bergwelt interessierten. Stattdessen starrten sie alle auf ihr Handy. Als ob das Skifahren dort über die Bühne gehen würde.

Ich konnte es nicht glauben. Erhob mich, überblickte die ganze skifahrerische Meute, die übrigens aus auffallend vielen reinen Männergruppen bestand. Ich hielt Ausschau nach jemandem, der NICHT im Banne seines Handys war. Es gab solche Leute. Sie waren spärlich. So spärlich wie die Schneeflocken, die ab und zu aus dem blau-grau-blauen Himmel fielen. Fassungslos musste ich – einmal mehr – zur Kenntnis nehmen, dass der heutige Mensch nicht mehr ohne sein Handy auskommt. Auch nicht beim Skifahren. Im Beisein seiner Freunde. Man sitzt zwar zusammen, aber jeder ist intensiv damit beschäftigt, seine digitalen Streicheleinheiten zu verteilen.

Nun warte ich nur noch darauf, dass ich auf der Piste jemanden überhole, der während der Fahrt grad ein SMS schreibt.

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12 Antworten zu “Gebannt

  1. Werner Ammann 9. Dezember 2014 um 23:11

    Ein treffendes Bild, so richtig aus dem Leben!
    Dass ich solche Situationen auch im Zug von Zürich nach Bern erlebe, das ist ja wohl normal. Aber so hat es teils auch in der Gornergratbahn ausgesehen 😦
    Gruess vom (NOCH smartphonelosen) Werner

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  2. Seifenfrau 10. Dezember 2014 um 07:43

    Ja. Man sollte sich zum Sport machen,
    Menschen zu zählen, die nicht in ihr Handy gucken.
    Hm.
    Ich selbst guck da ja eher öfters rein, wenn mir langweilig ist. An Bushaltestellen, in Wartesituationen (wenn ich jemanden abhole und warten muss), im Leerlauf…
    Grübel.
    -Wie diszipliniert die Schüler doch sein müssen, wenn sie während der Schulzeit im Schulhaus gar nicht ihr Handy benutzen dürfen! Ja, richtig gelesen, die Schüler haben da wohl längere Zeiten „ohne“, als so mancher Erwachsene!
    Grübel. Grübel.

    Liebe Grüße ins Schneegebiet!

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    • Flohnmobil 10. Dezember 2014 um 17:03

      Ich bin mir sicher, dass die Schüler in der Pause ALLES wieder nachholen, was sie im Unterricht verpasst haben. Schliesslich waren ihre Klassenkollegen ja auch auf Handy Entzug. Und als Erwachsener kann man während der Arbeit schliesslich auch nicht ständig aufs Bildschirmchen gucken.
      Ich geb’s zu, in „Wartesituationen“ schau ich auch öfters mal drauf. Sofern mich nicht etwas anders in den Bann zieht, wie beispielsweise eine ganze Skihütte voller smartphonender Skifahrer.

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  3. Hausfrau Hanna 10. Dezember 2014 um 10:54

    Zu deinem letzten Satz,
    liebe Frau Flohnmobil,
    ganz kurz und knapp dies hier:
    Pass auf, das kommt noch! Eher früher als später… 😉

    Herzlich Hausfrau Hanna

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  4. menzeline 10. Dezember 2014 um 11:37

    Sie sollten darauf vorbereitet sein, denn die Leute telefonieren auf offener Straße, schreiben SMS oder lesen, ohne auf den Verkehr, bzw. auf die entgegenkommenden Leute zuachten, also warum dann nicht auch auf der Skipiste?
    Ich frage mich des öfteren, ob sich die Menschheit heute überhaupt noch ganz normal unterhalten können, ohne diese Mobildinger.

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    • Flohnmobil 10. Dezember 2014 um 17:05

      Das frage ich mich auch, liebe Roswitha. Die Situation in der Skihütte war einfach zu grotesk. Da fährt man mit Freunden zum Skifahren, um gemeinsam etwas zu erleben und jeder guckt in der skifreien Pause innigst und unablässig aufs Handy! *kopfschüttel*

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  5. Werner Ammann 18. Dezember 2014 um 20:44

    Nochmals zum Thema, weil heute grad aktuell erlebt:
    Timi und ich überholen ziemlich umständlich auf einer Bahnhoftreppe einen offensichtlich intensiv beschäftigten ‚Smartphoner‘. Bald fährt der Zug ein, der Smartphoner steht schon wieder im Weg, diesmal vor der Türe zum Bahnwagen. Nochmals kompliziert überholen. Der Smartphoner steht immer noch vor der Türe.
    Wir sind im Zug, die Türe schliesst sich, der Zug fährt an. Jetzt erwacht der Smartphoner. Er trommelt an die Türe, verwirft die Hände und rennt ein paar Schritte dem Zug nach. Wir fahren aber ohne ihn ab.
    Tja, was soll man da noch sagen?
    Für mich jedenfalls Erheiterung pur 😉
    Gruess Werner und Timi

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    • Flohnmobil 20. Dezember 2014 um 21:20

      Da hätte ich mich einer gewissen Schadensfreude auch nicht erwehren können.
      Als Nachtrag zu meinem Beitrag kann ich noch erwähnen, dass mir Tage später tatsächlich ein Snowboarder verkommen ist, der – allerdings am Pistenrand sitzend und nicht im Fahren – innigst sein Bildschirmchen gestreichelt hat.

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  6. Shaoshi 21. Februar 2016 um 11:21

    Hihi, das Bild mit der SMS auf der Piste ist gut! Und leider gar nicht so weit hergeholt …

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    • Flohnmobil 21. Februar 2016 um 16:45

      Leider wirklich nicht… 😦
      Aber irgendwie scheint mir das mit dem Köpfe hängen lassen in China doch schlimmer zu sein als hierzulande. Obschon – ich dachte immer, wir hätten schon mehr oder weniger den Zenit erreicht diesbezüglich. Offenbar gibt es da noch Luft nach oben.

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