Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Aufbruchstimmung

Wir hatten gut zu Abend gegessen und begaben uns wohlgenährt und zufrieden auf unser Hotelzimmer. Wir hatten nur das Nötigste ausgepackt, wollten wir doch am nächsten Tag weiter fahren. Eher lustlos zappten wir noch etwas herum. Die Zeiger der Uhr bewegten sich auf Mitternacht zu.

Unter normalen Umständen hätte man das, was folgte als „aus hellheiterem Himmel“ bezeichnet. So aber musste man es als „aus sternenlosem Nachthimmel“ betiteln. Mein innig geliebter Mitbewohner schoss auf und verkündete seinen Entschluss: „Hier bleiben wir nicht.“

„Du spinnst ja wohl, es ist mitten in der Nacht. Wo sollen wir denn jetzt noch ein anders Zimmer her kriegen?“

„Lass das meine Sorge sein.“ Während ich an seinem Verstand zweifelte, war der Mitbewohner felsenfest davon überzeugt, seine Idee umzusetzen. Er verliess das Zimmer und begab sich zur Rezeption.

Mir geisterten alle möglichen Szenarien durch den Kopf. Was um Himmels Willen war in diesen Mann gefahren? Was hatte ich übersehen, das ihm nicht in den Kram passte? Zur Geisterstunde ein neues Quartier zu suchen, so ein Schwachsinn!

Ich kam nicht mehr dazu, mir weitere Gedanken zu machen, denn der Mitbewohner stand bereits wieder unter der Türe. Mit triumphierendem Lächeln verkündete er: „Siehst du, man muss nur nicht immer alles so negativ betrachten wie du. Es geht!“

Ab dieser Ankündigung gingen bei mir vollends die Läden runter. Meine Gedanken wirbelten mit Lichtgeschwindigkeit durcheinander. Er wollte doch nicht etwa mitten in der Nacht weiterfahren? Welches Hotel würde uns denn jetzt noch aufnehmen? Für ein Stundenhotel waren wir doch schon etwas zu lange verheiratet.

Bevor ich weitere Horrorszenarien durchdenken konnte, fuhr der Mitbewohner fort: „Die lassen uns sogar ohne zu bezahlen ziehen. Das Ganze ist nur an eine einzige Bedingung gekoppelt.“ Ich hoffte inständig, dass wir diese eine Bedingung nicht erfüllen konnten, wusste aber insgeheim, dass, wenn sich der Mitbewohner etwas in den Kopf gesetzt hatte, er es auch durchzog. Ich sollte nicht enttäuscht werden.

„Sie verlangen von uns lediglich, dass wir das Zimmer gründlich staubsaugen.“ Sprachs, drehte sich um, zog einen Staubsauger am Schlauch durch die Türe und begann mitten in der Nacht, das Zimmer zu staubsaugen. Dass das nicht zur Freude der schlafenden Gäste ablief, versteht sich von selbst.

Und ich weiss auch nicht, was dem Kerl noch alles eingefallen wäre, wäre ich nicht selber ab dem Staubsauger-Krach endlich wach geworden.

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9 Antworten zu “Aufbruchstimmung

  1. Seifenfrau 21. Oktober 2014 um 17:48

    Uff! Glück gehabt!

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  2. Silberdistel 21. Oktober 2014 um 18:36

    Och menno, nun hätte ich noch so gern gewusst, wo Ihr dann letztendlich hingezogen seid 🙂 Ich hoffe, Du träumst noch die Fortsetzung 😉 😀

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  3. notiznagel 21. Oktober 2014 um 19:44

    Zum Beispiel den Kaffee servieren.

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  4. Elli 22. Oktober 2014 um 17:21

    Keine Frage, dass lag am Kürbis. So ein Essen wirkt noch lange nach.
    Ich weiß schon, warum ich den nicht esse. 🙂

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