Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Das Geschäft hinter dem Wohnmobil

Die nachfolgende Geschichte ereignete sich an jenem Wochenende im Oktober, als mein innig geliebter Mitreisender und ich herausfanden, dass in Italien Naturparks nicht primär dem Schutze von Flora und Fauna dienen, wie das andernorts der Fall ist. Nein, in Italien ist so ein Park offenbar ein Freipass für die Plünderung der Natur.

Als nämlich am Strassenrand eine Tafel den „Parco Naturale del Beigua“ ankündigte, glaubten wir, unseren Augen nicht zu trauen. An jeder Ausbuchtung der Strasse wo nur eine Handbreit Platz war, standen Autos. Auf etwa 10 km mindestens 200 Fahrzeuge. Der Grund? Die hier:

Die Italiener sind ganz wild auf ihre Funghi. Im nächsten Dorf – Sassello- wurden denn auch in mehreren Läden Steinpilze verkauft. Aber was für welche! Für 20 Euros gab es schätzungsweise 600 Gramm Pilze von so mieser Qualität, dass wir sie wahrscheinlich im Wald hätten stehen lassen. Die Pilze waren nicht einmal aufgeschnitten, also kaufte man die Katze im Sack bzw. die Pilze ziemlich sicher mit Maden. Trotzdem fanden die Funghi reissenden Absatz.

In Italien darf man nicht nach Belieben Pilze sammeln, wie dieses Schild veranschaulicht. Deshalb wohl der invasionsähnliche Einfall in die frei zugänglichen Naturparks.

Wir machten von Sassella aus eine Velotour und übernachteten in unserem Wohnmobil auf einem von Bäumen umgebenen Parkplatz am Ortsrand. Daran stört sich in Italien in der Regel niemand, schon gar nicht zu der Jahreszeit. Während wir beim Frühstück sassen, bemerkte ich, dass sich jemand am Womi zu schaffen machte. Ich konnte es nicht fassen: Die Nachbarin aus dem nebenan parkierten Wohnmobil pisste hinter unser Auto und hielt sich dabei am Fahrrad-Träger fest! Kurze Zeit später versuchte sie, die Beifahrertüre zu öffnen und entschuldigte sich mit der fadenscheinigen Begründung, sie habe sich in der Türe geirrt. Mein lieber Schwan, was hätte die wohl noch alles gemacht, wären wir nicht im Womi gesessen.

Wir waren jedenfalls froh, als die mit ihrem desolaten Wohnmobil abfuhren, neben solchen Vagabunden hätten wir unser Womi nicht mehr mit gutem Gefühl stehen lassen können. Doch so konnten wir in aller Ruhe nochmals einen Bummel durch Sassello machen, einen Kaffee trinken und dazu die lokale Spezialität, Amaretti morbidi, geniessen.

Da fuhren sie von dannen. Ich hatte vorsichtshalber ein Bild mit dem Nummerschild gemacht, falls sich später herausstellen sollte, dass sie doch noch irgendwo böswillig Hand angelegt hatten.

 

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5 Antworten zu “Das Geschäft hinter dem Wohnmobil

  1. Hausfrau Hanna 5. April 2014 um 14:50

    Oben am Wohnmobil von der Freiluftbislerin,
    liebe Frau FLohnmobil,
    prangt der Panda des WWF. La Signora muss die Natur lieben. Immerhin… 😉

    Herzlich Hausfrau Hanna

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    • Flohnmobil 6. April 2014 um 17:20

      Ehrlich gesagt, liebe Hausfrau Hanna, bin ich mir da nicht so sicher. Ich tippe eher darauf, dass der Kleber vom Vorvorgänger stammt. An einem wirklich patenten Ort, um ihn wieder abzukratzen, ist er ja wahrlich nicht angebracht.

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  2. Gabi 7. April 2014 um 13:35

    Leute gibts!
    Was die Pilze betrifft. Dieses Problem bekommt auch bei uns das Bundesland Kärnten, das ja an Italien grenzt, zu spüren. Die Italiener kommen über die Grenze, fahren in unsere Wälder, sammeln säckeweise Pilze und verkaufen sie zu Hause. Es wurde zwar verboten, dass die in solchen Mengen ausgeführt werden und man sieht auch oft Schilder in den Wäldern, dass Pilze sammeln verboten wäre, aber genauso sehen wir in unserem Urlaub in Kärnten immer wieder Autos mit italienischen Kennzeichen im Wald stehen.
    Ist wohl auch nicht so leicht, dieses Verbot zu kontrollieren.

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    • Flohnmobil 7. April 2014 um 20:11

      Ähnliche Geschichten gibt es wohl aus allen an Italien angrenzenden Pilz-Gebieten. Bei uns filzen sie die Italos häufig an einem Passübergang, wo sie drüber müssen. Da gibt es kein Entkommen!

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      • Gabi 7. April 2014 um 22:44

        Hab keine Ahnung, wann, wo und wie streng oder überhaupt da bei uns kontrolliert wird. Ich kann es nur hoffen. Aber nach den gesichteten Autos zu schließen, probieren es doch immer wieder welche und ich fürchte, dass zu viele damit durchkommen.

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