Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Unheimliche Begegnung

Zu Zahnärzten, das erkannte ich bereits im Kindesalter, kann man keine innige Beziehung aufbauen. So bin ich auch nie wirklich an einem Zahnarzt gehangen und habe mir die Zahnärzte stets so ausgesucht, dass sie mit minimalem Aufwand zu erreichen waren. Was lag also damals in Zürich näher, als mir den Zahnarzt in der Umgebung meiner Arbeitsstelle zu suchen? Ich schlug das Telefonbuch auf (ja, so etwas gab es damals noch und man benutzte es rege!) und wurde fündig. Zwar nicht sofort, denn Zahnärzte gab es gleich seitenweise im Telefonbuch. Ich suchte eine Praxis an passender Adresse, rief an, liess mir einen Termin geben und schritt ein paar Wochen später die kurze Distanz zum Zahnarzt ab, um meine Beisserchen kontrollieren zu lassen.

Im nicht mehr ganz neuen Geschäftshaus an der Badenerstrasse suchte ich die Klingeln ab, ignorierte den Lift und stand alsbald vor der Praxistüre im zweiten Stock. Ich hätte schon argwöhnisch werden sollen, als anstelle des „bitte läuten und eintreten“-Schildes nur eine normale Türklingel ohne Aufforderung war. Also läutete ich. Statt der erwarteten weissgeschürzten Praxisgehilfin öffnete mir ein älterer Herr, bat mich herein und schloss hinter mir mit dem Schlüssel wieder zu. Dann forderte er mich auf, ihm durch einen schummrigen Gang zu folgen.

Mir wurde ganz anders. War ich im falschen Film oder nur in der falschen Wohnung? Horrorszenarien schossen mir durch den Kopf, von denen Vergewaltigung noch das Niedlichste war. Am liebsten hätte ich auf dem Absatz kehrt und mich aus dem Staub gemacht, aber dazu war es zu spät. So ergab ich mich meinem Schicksal und demzufolge in die Hände des Zahnarztes. Denn der ältere Herr war der Zahnarzt höchstselbst und mittlerweile in adrettes Weiss gekleidet.

An mehr Details dieses unheimlichen Zahnarztbesuchs kann ich mich nicht mehr erinnern. Mein Hirn hat den  Vorfall gnädig verdrängt und immerhin ist die Geschichte mehr als ein Vierteljahrhundert her. Doch selbst wenn mein Mund aus lauter Zahnruinen bestanden hätte und dieser Zahnarzt der Einzige im Umkreis von 1000 Kilometern gewesen wäre, dorthin hätten mich keine hundert Rösser mehr gebracht.

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7 Antworten zu “Unheimliche Begegnung

  1. runningtom 29. Dezember 2013 um 19:31

    Ich nehme an, Du hast danach noch andere Adressen gefunden, wo es Dir dann besser behagte? 😉

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    • Flohnmobil 1. Januar 2014 um 14:24

      So ein richtiges Wohlfühl-Gefühl stellt sich bei mir nie ein, wenn ich die Türe zu einer Zahnarzt-Praxis öffne. Aber wenn es dahinter schön hell ist, fühle ich mich bereits etwas besser. Mittlerweile habe ich eine Zahnärztin im Nachbardorf. Ist ganz okay.

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  2. notiznagel 29. Dezember 2013 um 20:12

    Du Ärmste, nebst der Ungewissheit um Karies noch solche Anspannung dazu. Das Ganze ist eine Marktlücke, denn leider bekommt man solche Krimis heutzutage nur bei teueren Dinners dazu serviert.

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  3. Brigitte 30. Dezember 2013 um 08:20

    Bin eben kurz mit dir durch die Hölle gegangen
    Herzliche Grüsse ond heb’s guät
    Brigitte

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