Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

In der Schlotterabteilung

Meine Erinnerungen daran sind eher vager Natur. Ich ging jeweils zusammen mit meiner Grossmutter hin. Sie öffnete die dicke, schwere Türe und – schwupps – schritten wir mitten im Sommer in den tiefsten Winter. Wir befanden uns in der Gemeinschafts-Gefrieranlage des Dorfes. Meine Grossmutter war zwar vertraut mit den traditionellen Möglichkeiten des Konservierens – heiss einkochen, sterilisieren, dörren, einsäuern, räuchern und dergleichen – aber auch sie hatte die Vorteile des Tiefkühlschlafs empfindlicher Lebensmittel erkannt und schätzen gelernt. Ihr grosser Garten warf so viele Beeren und Gemüse ab, dass die Bäuerin mehrmals im Sommer ihr Leiterwägelchen belud und den Weg zur Gefrieranlage in Angriff nahm.

Etwas gefürchig waren sie ja, diese fensterlosen Räume mit den nummerierten Gefrierfächern. Gab es da jeweils dicke Mäntel, die man sich zum Schutz gegen die Kälte überziehen konnte? Ich weiss es nicht mehr. Vielleicht kann sich jemand von euch noch besser erinnern?

Ich jedenfalls dachte, solche Gemeinschafts-Gefrieranlagen gäbe es nur noch im Heimatmuseum und in den Geschichtsbüchern. Doch letzthin erblickte ich auf der Fahrt durch eine ländliche Region in der Nordostschweiz tatsächlich eine Tafel „Gefrierfächer zu vermieten“. Ein letztes Aufbäumen einer Zeit, wo noch nicht alle Häuser am Stromnetz angeschlossen waren und man das Rüebli im Garten und nicht im Supermarkt holte?

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7 Antworten zu “In der Schlotterabteilung

  1. notiznagel 29. Oktober 2013 um 19:09

    JA, die Mäntel gab es in unserem Gefrierkeller. War echt unheimlich da drin.

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  2. menzeline 30. Oktober 2013 um 10:09

    Also an Mäntel kann ich mich nicht mehr erinnern, aber ich weiß, dass es in meinem Heimatort immer noch ein Gefrierhaus gibt. Früher waren es glaube ich 4 an der Zahl. Davon hat eins bis heute überlebt. Find ich toll.
    Meine Tante hat dort übrigens noch ein Fach, weil sie daheim kein Gefriergerät hat.

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    • Flohnmobil 30. Oktober 2013 um 16:56

      Ich gehe davon aus, dass deine Tante nicht in einem Museum wohnt. 😉
      Es braucht bestimmt ziemlich viel Planung und Disziplin, wenn der Gefrierschrank nicht in den eigenen vier Wänden steht. Ich möchte das nicht.

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      • menzeline 31. Oktober 2013 um 10:11

        Nun, ein öffentliches Museum ist es nicht, aber ein privates schon. *lach*
        Dort, in Tantes Wohnung, hat sich seit meiner Kindheit und das ist schon ewig her, nichts wesentliches verändert. Daher hat sie auch kein Gefriergerät daheim. Das Gefrierhaus ist aber bei ihr fast um die Ecke, also nicht sehr weit entfernt.

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  3. Frau A. vom Bodensee 30. Oktober 2013 um 11:51

    Wir hatten bis vor drei Jahren auch noch eins (in der nähe unseres Ferienhauses). Beim Entleeren bin ich auf 5 Jahre alte Vanilleglace gestossen!!! Es gab am Eingang alte Militärmäntel.

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    • Flohnmobil 30. Oktober 2013 um 16:59

      Hallo Frau A, herzlich willkommen im Flohnmobil
      Ich bin mir ganz sicher, dass fünfjähriges Vanilleglacé keine reine Gemeinschafts-Gefrierfach-Anlage-Angelegenheit ist. Bestimmt kommt so etwas auch in herkömmlichen Gefriertruhen vor. Ich nehme an, ihr habt keinen Coupe Dänemark mehr gemacht mit dem Glacé.
      Grüsse an den Bodensee
      Bea

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