Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Gomfi-Glas

Da steht noch immer dieser Feigenbaum im Garten unseres gesitteten Hauses. Und noch immer trägt er viele Früchte. Aber nicht mehr ganz so viele wie einst, denn mein innig geliebter Mithüter und ich statten ihm regelmässig Besuch ab und kommen nie mit leeren Händen zurück.

Ich war durchaus geneigt, aus dieser Feigen-Schwemme mehr zu veranstalten, als Desserts, Feigentarte und nette Vorspeisen. Ich war absolut geneigt, etwas Zeit und Geld zu investieren, um die herrlichen Früchte auf die eine oder andere Art zu konservieren. Also setzte ich mich ans Internet und suchte Rezepte zum Feigen einmachen. Selbstverständlich wurde ich schnell fündig. Aber auch ziemlich bald ernüchtert.

Ein Rezept rief nach Zitronensäure. Ein Stoff, der in vielen Fertig- und Halbfertigprodukten vorkommt, und den ich zu Hause nicht nur in jeder Drogerie kaufen könnte, sondern sogar vorrätig hätte. Citric acid – c’est-ce que c’est? Nach mehreren Anläufen strich ich die Segel und suchte mir ein anderes Rezept zum Feigen einmachen. Statt Zitronensäure stand nun „Sterilisieren“ auf dem Programm. Zu Hause ein Klacks im Dampfgarer, hier in Frankreich mit dem Backofen, der keine Temperaturangabe hat, sondern eine Skala von 1 bis 10, ein Ratespiel. Aber ich hab’s geschafft. Sieben Gläser Feigen in Rotwein-Gewürzsud sind im Kasten.

Das Feigen-Chutney scheiterte an den Zutaten, ebenso der Feigensenf. Denn Senfkörner, weisser Pfeffer, Sternanis, Weissweinessig oder auch frisch geriebener Muskat findet sich alles im heimischen Vorratsschrank. Hier müsste ich es zu teilweise horrenden Preisen erstehen und bräuchte im Extremfall nur eine Messerspitze voll. Beispiel gefällig? Drei lausige Zimtstangen von je 7 cm Länge kosten in Frankreich fast 3 Euro.

Die grösste Hürde stellten aber passende Gläser mit Schraubverschluss dar. Daheim stapeln sie sich. Hier musste ich sie im Supermarkt kaufen. Der Preis verschlug mir fast den Atem! Sechs der billigsten Gläser kosteten fast 7 Euro. Ein paar Regale weiter entdeckte ich fertige Marmelade. Die billigste Feigen-Marmelade kostete gerade mal 1.30, inklusive dem Glas drum herum…

Der Resignation nahe wandte ich mich an Freunde unserer Hausleute. Diese überliessen mir dankbar ihr Altglas. Und auch eine Küchenwaage. Denn obschon ich das halbe Haus auf den Kopf gestellt hatte, wurde ich in Sachen Küchenwaage nicht fündig. Für dieses wirklich gute, empfehlenswerte Rezept für Feigen-Marmelade wollte ich die Feigen genau abwägen können, da ich im Verkochen dieser Früchte noch keinerlei Erfahrung hatte. Wer allerdings dieses altertümliche Wiege-Vehikel anschaut, wird mir beipflichten, dass ich die Feigen genauso gut hätte schätzen können. Für 500 Gramm machte der Zeiger gerade mal einen Sprung wie „Fünf nach“.

Ich werde mit diversen Küchenschätzen aus der Provence heimkehren. Und sollten wir wieder mal Housesitting machen, werde ich nicht nur meine eigene Waage, sondern am besten gleich meinen gesamten Vorrat an leeren Gläsern einpacken.

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6 Antworten zu “Wo ein Wille ist, ist auch ein Gomfi-Glas

  1. Wilde Henne 9. Oktober 2013 um 17:58

    Als meine Eltern in Frankreich lebten, musste ich meiner Mutter auch immer unser Altglas mitbringen, wenn wir zu ihnen in die Ferien gefahren sind. Erklär mal einem Zöllner, warum Du drei Mi.gros-Papiersäcke voll mit leeren Gurken-, Silberzwiebeln- und Maiskölbchengläser mitschleppst in die Ferien. Die hielten mich jeweils für total meschugge.

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  2. notiznagel 9. Oktober 2013 um 18:13

    Das Küchenschätzchen ist für Grossfamilien gedacht. Versuch es mit 5000 gr. Feigen.

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