Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Auf Abwegen

In Sachen Wege und Wegmarkierungen sind wir in der Schweiz etwas verwöhnt. Man nimmt es als gegeben hin, dass man auf jedem Weg, so er denn als solcher zu erkennen ist und nicht schnurgerade auf ein Privathaus zusteuert, gehen kann. Sei es im Wald oder auf dem Feld, man darf sich dort frei bewegen, sofern nichts anderes steht.

In Frankreich ist es anders. Auf der Suche nach dem nicht ewig gleichen Spazierweg mit unserem Hundeschützling Conrad sind wir schon öfters auf Abwege geraten. Mit unserer Wanderkarte im Massstab 1:25’000 konnten wir zwar diverse Wege ausmachen, aber sind sie nicht als Wanderwege markiert, läuft man Gefahr, ziemlich schnell auf privatem Grund zu landen.

Die Markierung übrigens sucht ihresgleichen. Wenn es geradeaus geht, sieht eine französische Wanderweg-Markierung so aus:


Hier sind gleich zwei Wege markiert, normalerweise ist es nur ein einzelner, gelber Strich.

Abbiegungen werden wie folgt angezeigt:

Folgende Markierung soll verhindern, dass man vom richtigen Weg abkommt. Sie bedeutet nämlich: NEIN, hier geht es nicht durch.

Ab und zu gibt es sogar echte Wegweiser:

Ist alles schön und gut, aber nicht immer steht der Baum noch, an dem die Markierung angebracht war. Oder der Stein mit dem gelben Strich ist überwachsen. Die Hütte ist verschwunden oder die Baumrinde hat die Markierung regelrecht zerrissen.

Da hilft manchmal nicht mal mehr die Wanderkarte weiter, denn auch die ist für unsere gehobenen Ansprüche etwas simpel ausgefallen. Einmal standen wir vor einem Château und die Schlossherrin höchstselbst machte uns – mit sehr netten Worten zwar – darauf aufmerksam, dass dies Privatareal sei. Mit meinem französischen Gestottere musste ich sie nicht lange davon überzeugen, dass wir étrangers seien. Ein anders Mal fuhr uns ein Kleinwagen durch die Reben hinterher um uns zu sagen, dass es hier für uns nicht lang gehe. Auch hier war der Ton höflich und letztlich auch verständnisvoll.

Ohne Conrad wären wir natürlich an beiden Orten nicht vorbei gekommen. Somit hätten wir mal wieder die alte These unterstrichen, dass man nie leichter neue Leute kennen lernt, als wenn man mit Kind oder Hund unterwegs ist.

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8 Antworten zu “Auf Abwegen

  1. Spottdrossel 18. September 2013 um 21:47

    Bei meinen Ausflügen per Pferd oder zu Fuß hatte ich immer ein spezielles Talent, aufgrund eines unwiderstehlichen Weges plötzlich auf der falschen Seite eines Verbotsschildes aufzutauchen. Einmal landeten wir versehentlich auf einem Segelflugplatz, weil die Bauern die Beschilderung mit abgemäht (oder wegen der Ernte weggenommen) hatten.
    Der einzige Orientierungspunkt, der auf einer Karte von Wald und Feld meistens stimmt, ist die Überland-Stromleitung, sofern vorhanden. Ansonsten bin ich mit Karte meistens schlimmer verloren gegangen als nach Gefühl und Augenmaß…

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    • Flohnmobil 18. September 2013 um 21:58

      Na dann hast du wohl noch nie eine Karte der Schweizerischen Landestopografie in den Händen gehabt Die sind wirklich supergenau.
      Aber diese Kinderzeichnung des Institut Géographique National, mit der wir hier in Frankreich uns durch die Büsche zu schlagen versuchen, ist kaum das Papier wert.

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      • Spottdrossel 19. September 2013 um 07:52

        Bei uns ist das etwas heimtückisch – die Karten sehen gut aus, was man aber nicht weiß, ist, ob ein Waldweg zugewachsen ist, die Holzabfuhr sich einen Weg gemacht hat, den es auf der Karte nicht gibt, oder ein Landwirt einen Weg einfach eingekoppelt oder (verboten) fröhlich mit umgepflügt hat.
        Vielleicht ist das in der Schweiz einfacher, so ein Berg ist ja eher was Dauerhaftes 😉 .

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  2. hrzcamper 19. September 2013 um 09:47

    Ist schon toll, wie in der Schweiz die Wanderwege gepflegt werden. Wir konnten gerade kürzlich den Unterschied feststellen: Auf dem „Traumpfad München-Venedig“ und auf dem „Vier-Quellen-Weg“ rund um den Gotthard. Ein emsiges Team von Freiwilligen wandert regelmässig die Wanderwege ab und bringt wo nötig Korrekturen an. Schon erstaunlich, was der Verband Schweizer Wanderwege http://www.wandern.ch alles leistet. Ich gehe davon aus, dass Du dort Mitglied bist und Deinen Beitrag leistest. 😉

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  3. messerschaf 23. September 2013 um 09:10

    Also die Markierungen sind ja wirklich abenteuerlich umso erfreulicher ist es zu hören, dass es auch noch Menschen gibt, mit denen man sich höflich unterhalten kann. Die Anwohner müssen dann halt der Institution, die für die Pflege der Markierungen zuständig ist, mal sagen, wenn wo welche Fehlen oder nicht mehr zu erkennen sind.. Das kann man als Urlauber schwerlich..

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    • Flohnmobil 23. September 2013 um 14:27

      Im Fall der höflichen Schlossherrin hatte es weit und breit keine Markierungen mehr. Und sonst gehört das halt zur unbeschwerten Lebenseinstellung der Franzosen, dass nicht immer alles perfekt sein muss. C’est la vie!

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