Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Kulturschock

Es war etwas hektisch, als es endlich losging. Eigentlich nichts Neues, wenn man endlich von der vollgestopften Fähre fahren konnte. Auch die ersten Meter auf dem Boden waren naturgemäss hektisch, jeder wollte so schnell wie möglich weg kommen, als ob es nach stundenlanger Fährüberfahrt eine Rolle spielen würde, ob man als Fünfundfünfzigster oder Hundertvierzehnter von Bord fuhr.

Zugegeben, nach drei beschaulichen Wochen in Schweden konnte einem schnell etwas hektisch vorkommen. Doch die Hektik liess einfach nicht nach. Im Gegenteil, sie schien sich an unsere Fersen zu heften, verfolgte uns. Von dem Moment an, als wir von der Fähre auf die Insel Rügen fuhren, fühlten wir uns gehetzt. So auf dem Weg in unsere Unterkunft 20 Kilometer südwärts bei Frau Nagel mit ihren diversen Haaren auf den Zähnen. Und im Ostseebad Göhren, wo uns die Leute ständig auf den Füssen rumstanden.

Selbst der nächste Tag mit seiner Velotour trug nicht zu unserer Entspannung bei. Es war Sonntag und durch ganz Rügen schien sich eine einzige brummende, stinkende Autokolonne zu wälzen. Mit dem Velo eine Strasse zu überqueren kam einer Mutprobe gleich. Genau genommen war es nur möglich, dank dem Mitleid, auch was sage ich Mitleid, dank dem Erbarmen einzelner Autofahrer. Die Automobilisten auf Rügen hatten es alle wahnsinnig pressant. So viele gestresste Urlauber auf einem Haufen – mein innig geliebter Mitreisender und ich waren fassungslos.

Und dann diese Strassen! Gut, es hat Radwege auf Rügen. Aber leider nicht überall. Und dummerweise nicht dort, wo wir hin wollten. So gerieten wir unversehens auf Kopfsteinpflaster. Der übelsten Sorte. Wer hatte eigentlich diese bescheuerte Idee, Rügen mit dem Rennrad zu befahren? Hätten wir uns doch wie alle anderen in die Fahrzeugkolonne eingereiht und hätten wir Deutschlands grösste und (angeblich) schönste Insel mit dem Auto bewandert!

Tags darauf fuhren wir weiter, liessen die gestressten Urlauber auf ihrer Urlaubsinsel hinter uns. Der Mitreisende und ich waren uns einig wie selten zuvor: Da kann unseretwegen die Kanzlerin mit dem gesamten Bundestag, Kaiser Wilhelm oder wie er geheissen haben mag und welche Prominenz auch immer auf Rügen Urlaub gemacht haben. Da können die schönsten Strandkörbe der Welt stehen und die frischesten Fischbrötchen angeboten werden.

Nach Rügen werden wir nie, nie, nie mehr fahren!

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9 Antworten zu “Kulturschock

  1. Annette Weber 12. August 2013 um 09:21

    Das kann ich nachvollziehen. Dass man kein anderes Verkehrskonzept auf Rügen entwickelt hat, haben wir auch als ausgesprochen tragisch empfunden. Und so sind auch wir keine Rügen-Fans geworden.

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  2. hrzcamper 12. August 2013 um 09:47

    Rügen ist schön! Im Mai und Juni ist man fast alleine am Strand und beim Wandern oder Biken im Jasmund trifft man kaum eine Seele an…
    Wenn man allerdings mitten in den Sommerferien an einem Sonntag das Gefühl hat, man sei mit einem Rennrad alleine auf einer Kopfsteinpflasterstrasse, welche einem nicht komplett durchschüttelt…

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  3. notiznagel 12. August 2013 um 20:17

    Trainieren in Rügen nicht die Radprofis für ein bekanntes Rennen in Frankreich wo Kopfsteinpflaster die Attraktion sind und auch tausende an einem Tag, ich glaub es ist auch der Sonntag, hinfahren?

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  4. Brigitte 12. August 2013 um 20:35

    Hoffentlich konntet ihr eure Energiereserven auf dem weiteren Heimweg wieder voll aufladen…..
    Schick dir leicht feriensehnsüchtige Grüsse… unser Hofhüter für Oktober hat vor 10 Tagen absagen müssen!
    bis bälder bisou brigitte

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    • Flohnmobil 13. August 2013 um 09:46

      Danke der Nachfrage, Brigitte, die Batterien sind voll geladen.
      Hast du es schon mal auf housecarers.com versucht? Wir haben unseren Housesit dort gefunden.

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      • Brigitte 13. August 2013 um 09:57

        das Haus ist eine Sache… Aber die für 100 Kühe und Kälber und über 30 Schafstiere ist eine professionnelle Kraft erforderlich…. Für Hühner, Wachteln Hündchen und Katzen würde ich doch sauber und glatt bei dir anklopfen 😃
        Chömäd guät hei
        Herzlich und bbbbb

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