Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Von Pferde-, Hühner- und anderen Füssen

Nachdem sich unsere erste Euphorie etwas gelegt hatte, folgte die Ernüchterung. Mein innig geliebter Mithüter und ich finden unseren Housesit in Schweden noch immer erste Sahne, aber mit der Zeit sind doch diese und jene Sachen ans Tageslicht getreten, die wir nicht unbedingt so toll finden.

„Hab ich mir’s doch gedacht – irgend einen Pferdefuss muss es ja geben“, werdet ihr jetzt denken. Weit gefehlt! Selbst wenn wir alles gewusst hätten, wären wir nach Schweden gereist. Die Lage hier ist einmalig, ja unbezahlbar, wenn man hier ein Ferienhaus mit so viel Umschwung mieten wollte. Aber das Wohnen in einem alten Haus, das so konsequent mit alten Sachen eingerichtet ist, muss verstanden sein. Ich schreibe diesen Post grad an einem Tisch, der eine bemalte, unebene Oberfläche hat. Meine Computermaus schätzt das gar nicht und macht entweder Sprünge über den Bildschirm oder keinen Wank. Und weder mein Rücken noch mein Fudi finden Gefallen an den samt und sonders antiken Stühlen, die um den Esstisch herum stehen. Diverse Schränke benötigen ein Feingefühl zum Öffnen, das mir mitunter etwas abgeht. Es gibt kaum ein Fenster, keine Türe, die nicht klemmen würde.

Unser Bett sieht zwar aus, als hätte schon Gustav Vasa drin geschlafen, aber es verfügt über eine tadellose Matratze und stellt sich süssen Träumen nicht in den Weg. Auch das Gästebad, das wir benützen, ist mit alten Einrichtungsgegenständen bestückt. Die Installationen dagegen sind erst fünf Jahre alt.

Mit den Möbeln haben wir uns arrangiert, auch wenn wir es nach wie vor jammerschade finden, dass es an einem so malerischen Ort keinen Platz gibt, wo bequeme Gartenmöbel stehen, in denen man so richtig entspannen könnte. Entweder sind die Hausherren der Ansicht, dass moderne Gartenmöbel nicht hierher passen oder (und das vermuten wir eher) sie haben im Sommer gar keine Zeit um derartige Annehmlichkeiten zu nützen.

Man geht hier konstant rein und raus. Raus in den Garten zum Gemüse holen, wieder zurück in die Küche. Raus zum Komposthaufen, zurück mit dem leeren Eimer. Raus zum Hühnerhof, zurück ins Haus, das Wassergeschirr auffüllen, weil es nirgends einen Aussenwasserhahn hat. Raus, um ein paar Erdbeeren zu pflücken, um zu Giessen oder einfach, weil man sich an der ganzen wilden Schönheit nicht sattsehen kann. Als allererstes haben wir uns deshalb  in Schweden diese eleganten Treter gekauft. Der Preis von je knapp 10 Franken hat unser Budget nicht übermässig strapaziert.

Mit diesen Gurken gehen wir sogar schwimmen, die paar Meter bis zum Floss reichen in der Regel aus, um die Hühnerscheisse wegzuwaschen. Wenn der Mithüter auf dem Rücken schwimmt, sieht es aus, als paddle ein Laubfrosch.

Es gibt auch noch das eine oder andere Haustier. Nebst einer Katze, die den ganzen Tag in einem der Kinderzimmer schläft, lassen sich Spinnen nicht gänzlich aus dem Haus verdammen. Hatte ich ursprünglich angenommen, es wären die Mücken, die mich in Schweden in den Wahnsinn treiben würden, sind es in Tat und Wahrheit die zahlreichen Fliegen. Diese sprechen natürlich in erster Linie für gute Luft und in zweiter Linie für die Hühnerscheisse, die überall rumliegt. Drum bin ich hier im Haus auch auf alte Bekannte gestossen:

Und weil wir hier in einem halben Museum leben, grad noch eine vorchristliche Version einer Fliegenklatsche, die hier zur Dekoration herumliegt:

Verglichen mit dieser Behausung mitten in der Natur ist unsere Dreizimmerwohnung geradezu steril. Aber damit ich mich dann daheim auch wieder gut einlebe, werde ich mich bestimmt auf die eine oder andere Fliege helvetischer Provenienz verlassen können.

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5 Antworten zu “Von Pferde-, Hühner- und anderen Füssen

  1. Seifenfrau 24. Juli 2013 um 06:49

    Ja, das klingt doch immer wieder gut, was du über Schweden erzählst….
    Zeig doch bitte mal die Katze, den Kompost und den Außenwasserhahn…

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  2. Wilde Henne 24. Juli 2013 um 09:59

    Cro.cks an den Flossen – das ist genau das Richtige, wenn man ständig rein und raus geht. Ich habe auch nur aus diesen Gründen solche Plastik-Schuhe.
    Lieber Fliegen als Mücken, denn die stechen wenigstens nicht.

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  3. Pingback: Drei Wünsche frei | Flohnmobil - im Alltag unterwegs

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