Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

No risk – no fun?

Eine der Fragen, die mir der Moderator im Live-Interview gestern stellte war: „Aber ist denn das nicht ein Risiko, einfach so zu wildfremden Leuten zu gehen?“ Ja, das ist es ganz gewiss. Man nimmt zwar vorher Kontakt auf, in unserem Fall über Mail und Skype, aber ob man am Zielort auch das antrifft, was man sich vorstellt, sei dahingestellt. Meine Bedenken beschäftigten sich in erster Linie mit dem Thema Anreise nach Schweden. Wir hatten für fast tausend Franken Autozug, Fähre und Hotel gebucht und im Voraus bezahlt. Was wäre, wenn unsere Gastfamilie plötzlich ihre Pläne ändern würde und nicht in die Ferien führe oder uns aus sonst einem Grund kurzfristig einen Korb erteilen würde? Dass wir uns in der fremden Umgebung nicht zurechtfühlen würden, da hatte ich hingegen keine Bedenken. Zu viel waren wir in der Vergangenheit gereist, als dass uns da so schnell etwas vom Sockel hauen würde.

Natürlich gibt es auch für die Gegenseite Risiken. Würden die Housesitter wirklich halten, was sie so hochheilig versprochen hatten? Waren sie so talentiert im Umgang mit Tieren, so erfahren mit einem Garten, wie gewünscht wurde? Und nicht zuletzt sollte auch die Chemie etwas stimmen. Selbst wenn man einander nur noch kurz sieht, bevor die Hausbesitzer abreisen. An dieser Stelle muss übrigens mal ganz klar betont werden, dass es sich nicht um einen ferienmässigen Haustausch handelt, sondern um eine einseitige Sache.

Was wir vorgefunden haben, hat meine kühnsten Erwartungen übertroffen. Ein riesengrosses Haus, uralt und daher von besonderem Charme. Eine Küche, die so gross ist, wie unser Wohnzimmer zu Hause. Eine Küche, die weiter keinen Wunsch offenlässt – auch für meine gehobenen Ansprüche. Ein grosses, eigenes Zimmer. Dann die Aufforderung, einfach alles zu brauchen, was an Vorräten in der Küche hinterlassen wurde. Gemüse aus dem Garten zu ernten und essen so viel wir mögen. Alle Türen im Haus stehen offen, selbst den Computer dürfte ich benützen. Sogar ein Auto hätte man uns zur Verfügung gestellt, wären wir nicht mit dem Eigenen angereist. Und die diversen Ruderboote am Seeufer können wir natürlich auch benutzen.

Als Gegenleistung erwartet man von uns, dass wir Haus und Umschwung in Schuss halten, den Gemüsegarten wässern, die Tiere füttern und umsorgen. Und so ganz nebenbei haben wir noch den einen oder anderen Sonderjob. Gestern kam ein Anruf, ich solle in der Schublade des Pultes ein bestimmtes Dokument hervorkramen und zur Post bringen. Dass ich dazu in Tiefen vordringen musste, die ich nie berührt hätte, sei nur nebenbei bemerkt.

Wir sind gespannt, was uns noch alles erwartet. Das grenzenlose Vertrauen  in meinen innig geliebten Mithüter und mich seitens dieser letztlich wildfremden Menschen können wir nicht hoch genug schätzen.

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6 Antworten zu “No risk – no fun?

  1. Hausfrau Hanna 17. Juli 2013 um 09:04

    Dieses Vertrauen,
    liebe Frau Flohnmobil,
    beeindruckt mich gewaltig. Und das Bild ebenfalls. Ist das ein Detail aus eurer Küche?
    Dann wünsche ich dir und Herrn Flohnmobil für heute, dass ihr euch den Spruch zu eigen macht und etwas Leckeres kocht. Hering. Oder Ähnliches… 😉

    Herzlich und leise seufzend ‚av längtan‘
    grüsst Hausfrau Hanna

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    • Flohnmobil 17. Juli 2013 um 20:24

      Liebe Hausfrau Hanna
      Nein, das Bild stammt nicht von unserer Küche (obschon es absolut hierhin passen würde), sondern vom Museumshof Julita Gard, wo wir letztes Jahr waren. Eigentlich hatte ich ein Bild mit VÄLKOMMEN gesucht, das hätte besser denn je zu diesem Blogpost gepasst.
      Hering? Solange ich am Herd stehe, wird es etwas Besseres geben.
      Grüessli, Bea

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  2. Annette Weber 17. Juli 2013 um 10:45

    Ich finde deinen Bericht hochspannend. Was für eine tolle Art, seinen Urlaub zu verbringen. Und dann noch in Schweden … seufz.

    Euch ganz viel Spaß und liebe Grüße
    Annette

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  3. runningtom 17. Juli 2013 um 17:35

    Vielleicht haben die Schweden ja auch eine grundsätzlich andere Mentalität die uns in unseren Breitengraden völlig fremd ist und die wir durch Deinen hochspannenden Bericht durch den Du uns teilhaben lässt nun kennenzulernen die Gelegenheit haben.

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    • Flohnmobil 17. Juli 2013 um 20:27

      Die schwedische Mentalität ist mir im Grunde auch fremd, denn bei unseren bisherigen Reisen mit dem Wohnmobil kamen wir mit den Einheimischen nur sporadisch in Kontakt.
      Auf jeden Fall muss ich aufhören, so viel Werbung fürs Housesitting zu machen, die Konkurrenz unter den Housesittern ist so schon gross genug.

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