Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Öfters mal Panne (25)

… oder: Parkplatz unter dem Wasserfall

Es ist eine Binsenwahrheit und jeder Wohnmobilist wird mir zustimmen: Es geht nichts über ein dichtes Fahrzeug. Leider, so liest man in Foren und Fachliteratur immer wieder, ist dies keineswegs selbstverständlich. Weder bei neuen und erst recht nicht bei etwas in die Jahre gekommenen Gefährten. Das mussten auch mein innig geliebter Mitreisender und ich mehrfach erfahren. Unter anderem in Australien.

Im subtropischen Norden von New South Wales begann es zu regnen. Das muss es dort ab und zu, sonst wäre es nicht so prächtig grün. Wir hatten uns nach dem Nachtessen gemütlich in der Nähe einer Bootsrampe eingerichtet. Der Regen legte einen Zacken zu. Die Tropfen pflatschten bereits reichlich laut aufs Womi-Dach runter. Und dann regnete es noch mehr und pflatschte noch lauter. Und plötzlich regnete und pflatschte es so fest, dass wir dachten, wir hätten irrtümlich unter einem Wasserfall parkiert.

Diese Möglichkeit konnten wir nicht mehr ganz ausschliessen, denn durch die Fensterscheiben sahen wir so gut wie nichts, obschon es draussen noch nicht völlig dunkel war. Doch was wir sahen, war alles andere als ermutigend. Es regnete ins Wohnmobil! An unseren Schiebefenstern vorbei schlichen sich zuerst einzelne Tropfen ins Fahrzeuginnere. Aus den Tropfen wurden Rinnsale und diese schliesslich zu eigentlichen Bächen. Wir mussten hilflos zusehen, wie unser Womi geflutet wurde.

Da erinnerten wir uns, dass wir in der Nähe einen Parkplatz unter einer Brücke gesehen hatten, der in unserem Führer sogar als möglicher Übernachtungsplatz erwähnt gewesen war. Hatten wir ihn anfänglich noch verschmäht, erschien er uns nun als Rettung in der Not. Wir starteten unser Fahrzeug bevor es ganz zur Badewanne verkam und fuhren die wenigen Meter bis zur Brücke. Dort standen wir einigermassen geschützt vor den sintflutartigen Regenfällen. Glücklicherweise schliefen wir im Alkoven und dort blieb es nahezu trocken, weil die Fenster viel kleiner waren.

Am anderen Morgen fuhren wir schnurstracks in eine Wäscherei. Solche Laundries gibt es in Australien in jedem Kaff und sie verfügen stets über Wäschetrockner der Grösse XXL. Wir verfrachteten unsere völlig durchnässten Sitzpolster in die Trockner und liessen sie Runden drehen. Da unser Fahrzeugaufbau vollständig aus Polyester gefertigt war, mussten wir wenigstens nicht befürchten, dass sich irgendwelche Zwischenwände aus Holz mit Wasser vollgesogen hatten. Nachdem die Polster getrocknet waren, mussten wir verhindern, dass es auf dem Teppich vor lauter Feuchtigkeit zu spriessen begann. Der Teppich übrigens war eine ganz geniale Sache, wie ich sie hierzulande noch nie gesehen habe. Das Material war angenehm zum drauf laufen, von der Dicke her etwa wie Nadelfilz, es liess sich mit Schüüfeli und Wüscherli (Schaufel und Besen) einfach reinigen und in ganz argen Fällen mit einer Bürste schrubben.

Wir fuhren auf den erstbesten Campingplatz und suchten uns einen trockenen Stellplatz. Gar keine einfache Sache nach der vorangegangenen Sintflut. Dort setzten wir alle verfügbaren Mittel ein: Unsere Klimaanlage lief auf Volldampf und der Heizlüfter ebenso. Der Mitreisende organisierte sich eine Leiter und hantierte währenddessen mit einer Tube Silikon. Damit dichtete er die Fensterrahmen der Einfachverglasung unserer Schiebefenster ab. Nicht das erste Mal übrigens, dass wir an diesem Fahrzeug mit Dichtmittel Hand anlegen mussten, wie hier nachzulesen ist.

32 Kilowatt später war unsere Tropfsteinhöhle wieder trockengelegt. Ob es uns gelungen war, genügend abzudichten, wussten wir nicht. In den kommenden Monaten gerieten wir zwar ab und zu in einen Regenguss, aber diese „Wasserfall-Szenerie“ wiederholte sich glücklicherweise nicht mehr.

Der fotogene Millaa Millaa Fall im Nordosten Australiens. Angeblich Sujet zahlreicher Foto-Shootings.

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2 Antworten zu “Öfters mal Panne (25)

  1. runningtom 26. Mai 2013 um 17:37

    Wenn die Fische von draussen durch die Fenster ins Innere des Wohnmobils gucken, ist der Wasserspiegel wohl ziemlich stark gestiegen… aber soweit kam es ja wohl glücklicherweise nicht, sonst hättet Ihr ja glatt ein Hausboot gehabt.

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