Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Öfters mal Panne (20)

… oder: Viel Luft unter dem Kupplungs-Pedal

Es geschah ganz an Anfang unserer gemeinsamen Zeit. Mein innig geliebter Mitreisender war damals noch nicht mal mein Mitbewohner. Es war unser erster gemeinsamer Sommerurlaub, der (hier nachzulesen) schon am ersten Abend von einer Panne geprägt war. Wir waren in Sardinien unterwegs, der VW-Bus gehörte einem Bekannten von uns und wir waren schwer verliebt.

Auch wenn ich mir mittlerweile zwangsläufig einige mechanische Kenntnisse angeeignet habe, 1993 hatte ich von Tuten und Blasen keine Ahnung. Als drum der Mitreisende mitten in der Pampa unvermittelt sagte „Jetzt ist das Kupplungs-Seil gerissen“, konnte ich mir darauf keinen Reim machen. Vermutlich habe ich etwas so Einfältiges wie „Und jetzt?“ gefragt.

Der VW-Bus, Jahrgang 1978 wenn ich mich richtig erinnere, verfügte über eine Querbank und unter eben dieser befand sich ein unberechenbares Sammelsurium an Werkzeugen und Ersatzteilen aller Gattung. Der Mitbewohner begann darin zu wühlen und förderte innert kürzester Zeit ein intaktes Kupplungs-Seil zu Tage. Noch immer hatte ich keine Ahnung, was als Nächstes passieren würde, war ich doch damals über die vielfältigen Talente meines zukünftigen Ehegatten noch nicht im Bilde.

„Und jetzt?“ dürfte ich deshalb zum wiederholten Mal gefragt haben. „Jetzt bauen wir das gerissene Kupplungs-Seil aus und das neue ein.“ Der Mitreisende schien sich seiner Sache ziemlich sicher und verschwand schon kurz darauf unter dem Fahrzeug. Es muss exakt an jenem Tag gewesen sein, als mein Stern als Handlanger aufging.

Schraubenzieher!
Grösser!
10-er Schlüssel!
Zeeehner-Schlüüüüüssel!
Halllooooooo???

Die Anordnungen folgten Schlag auf Schlag und ich wühlte artig im Werkzeug-Sammelsurium. Zwischendurch aber musste ich diesen denkwürdigen Moment festhalten und ergriff mir die Video-Kamera des Mitreisenden. Für Nichteingeweihte sieht die kurze Filmsequenz so aus, als ob da einer überfahren worden wäre, denn es schauten nur die braungebrannten Beine des Mitreisenden unter dem Auto hervor.

Trotz meines grossen Potentials als Handlangerin war es mir nicht vergönnt, diese neu entdeckte Passion auszuleben, wurde ich doch –aus rein pädagogischen Gründen, wie mir der Mitreisende später eingestand – auch noch unters Auto beordert. Und wenn ich etwas hasse, dann ist es, an einem Auto, welcher Marke auch immer, von unten Hand anlegen zu müssen.

Dass der VW-Bus mehr trotz denn wegen mir bald darauf wieder flott war, darf man als den rühmlichen Abschluss dieser Panne bezeichnen. Mittlerweile habe ich gelernt: Moderne Autos haben schon lange kein Kupplungsseil mehr. Zumindest eine gleiche Reparatur wird mir demnach erspart bleiben.

Advertisements

15 Antworten zu “Öfters mal Panne (20)

  1. Seifenfrau 11. April 2013 um 10:45

    Klasse!
    Ja, was machen denn die Schrauber denn dann, wenn ein neueres Modell auf der Straße liegen bleibt?

    Gefällt mir

  2. Brigitte 11. April 2013 um 16:22

    Also Pinzette, Schere, Faden, Tupfer und so wären mir da näher! Kann zwar unterdessen einen Schraubenzieher von einem Engländer unterscheiden, aaaaaaaaaaaaber da gäbe es noch etwas zu entwickeln ; )
    Heb’s guät
    Brigitte

    Gefällt mir

  3. notiznagel 11. April 2013 um 18:17

    Anschaulich beschrieben! Ich bin gewarnt.
    Für unseren Mai-Trip werd ich mehr als nur das Schweizer-Sackmesser bereit machen.

    Gefällt mir

  4. schreibschaukel 11. April 2013 um 18:38

    Aaaaaha – die Feuertaufe… 🙂

    Gefällt mir

  5. runningtom 11. April 2013 um 19:41

    Ich dachte schon.. ist verd… unheimlich lange her seit ich den letzten Kupplungsseilriss erlebt habe. Dass ich mich daran überhaupt noch erinnere 😉
    Aber beim DKW meines Vaters haben wir das mehrere Male erlebt. Leider waren wir unterwegs jeeweils nicht so gut ausgerüstet mit Ersatzteilen und Werkzeugen. Zugetraut hätte ich meinem Vater die Reperatur ansonsten schon, denn der liess sich auch von keiner mechanischen Herausvorderung abschrecken.

    Gefällt mir

  6. strandvogt 22. April 2013 um 09:48

    Hatte sowas schonmal bei einem alten Land-Rover!
    Herrlich*

    Gefällt mir

    • Flohnmobil 22. April 2013 um 10:31

      Hallo Strandvogt, herzlich willkommen im Flohnmobil!
      Ja die gute alte Mechanik, da konnte man wenigstens noch selber Hand anlegen…
      … sagt der Mitbewohner. Mein Ding ist es ja, wie du gelesen haben dürftest, nicht.
      Grüessli
      Bea

      Gefällt mir

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: