Flohnmobil – im Alltag unterwegs

Reiseberichte und Anekdoten. Alltagskram im Lande Balkonien.

Bäckerei Flohnmobil

Frisches Brot unterwegs ist keine Selbstverständlichkeit. Wer wie wir in der Regel nicht auf Campingplätzen übernachtet, läuft Gefahr, am Morgen einen mehr oder weniger weiten Weg in die nächste Bäckerei zu haben. Da ich zu Hause seit Jahren mein Brot selber backe, war es nicht so abwegig, auch unterwegs in Mehl und Hefe zu wühlen. Bloss: Wie backen, wenn man im Wohnmobil nicht über den Luxus eines eingebauten Backofens verfügt?

Die ersten Versuche auf dem Holzkohle-Grill endeten kläglich mit einer brotähnlichen Masse, die unten verkohlt und oben kaum fest war. Die Oberhitze fehlte. Als wir monatelang in Nordamerika unterwegs waren, wurde das Problem akut. Hatten wir in Europa stets die Möglichkeit gehabt, früher oder später ein Brot zu kaufen, das den Namen auch verdient, wurde dieses Unterfangen in Land der unbeschränkten Möglichkeiten nahezu unmöglich. Was dort unter der Bezeichnung „Brot“ über den Ladentisch bzw. an der Supermarktkasse vorbei geht, kann einen gewissen Verwandtschaftsgrad mit Schaumgummi nicht abstreiten und hätte uns bestenfalls als Reservekissen einen Dienst erwiesen.

Mit dem „Outback-Oven“ erstand ich 1999 in Kalifornien eine Teflon-Backform, einen Deckel, der Platz sparend rein passte, und eine Alu-beschichtete Haube, die sich über die ganze Angelegenheit stülpen liess. Damit konnte ich recht respektable Backergebnisse erzielen. In jedem Fall buk ich so ein Brot, das unseren Vorstellungen näher kam als die Amerikanische Pampe. Mit diesem Alu-Hut funktionierte ich beinahe ein Jahr lang.

Mit der Anschaffung des „Coleman“ Aufsetz-Backofens begann im neuen Jahrtausend eine neue Back-Ära. Fortan konnte ich nicht nur Brot, sondern auch Pizza und Wähen (etwas typisch Schweizerisches, bestehend aus unten Teig, oben Früchte oder Gemüse plus ein Eierguss) backen. Ob an einem lauschigen Waldrand, am Ufer eines norwegischen Fjords oder mittem im australischen Never-Never, die hauseigene Bäckerei funktioniert überall.

Zusammengefaltet findet der Backofen in einer 30 x 30 x 7 cm grossen Schachtel Platz. Einmal aufgestellt isolieren wir ihn zusätzlich mit einer Matte, die wir aus einer Frontscheiben-Abdeckung zusammengeschnipselt haben. Dank der Matte entweicht weniger Wärme und die Gefahr des Verbrennens ist gebannt. Die Wärme kommt zwar weiterhin nur von unten, aber das Brot wird oben doch einigermassen braun.

Ich geb’s ja zu,manchmal ist sie schon etwas mühsam, diese ganze Teigerei und das Zusammengebastle des Backofens. Aber immer noch das kleinere Übel, als morgens ein steinhartes Brot essen zu müssen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Advertisements

7 Antworten zu “Bäckerei Flohnmobil

  1. Jubel 20. Februar 2011 um 16:38

    Hallo
    Respektable Ergebnisse die du da erzielt hast. Auf weiten Reisen kann ich mir gut vorstellen das sich die Mühe lohnt. Obwohl wir essen ausser Sonntags bevorzugt Müsli zum Zmorgen. Aber Sonntag muss soweit möglich ein Zopf her, damit wäre dies wohl möglich. Mal sehen was meine Holde dazu meint 😉

    Gefällt mir

    • Flohnmobil 20. Februar 2011 um 16:45

      Hallo Jubel, willkommen im Flohnmobil!
      Klar habe ich auch schon Zopf gebacken. Einfach nicht in der klassischen Form, denn das gäbe ja nur ein Zöpfli auf 24 cm Blechdurchmesser.
      Grüessli, Bea

      Gefällt mir

      • der Muger 20. Februar 2011 um 20:32

        So eine geniale Brot-back-Kiste hätte ich auch gerne.

        Als erstes würde ich so ein knuspriges Kürbiskernbrot backen. Und ein Käsekuchen mit Frühlingszwiebeln und ganz viel Speck. Und eine Schwarzwäldertorte, saftig und mit ganz viel Chriesi. Und Aniskräbbeli, aber nicht die harten, die weichen mit Butter drin. Und …

        Bin etwas neidisch – Gruss vom Muger

        Gefällt mir

        • Urs 20. Februar 2011 um 21:29

          …nur allzu schade, dass diese schönen Dinger von Coleman überall ausverkauft sind…
          Liebe Grüsse
          Urs

          Gefällt mir

          • Evi Kumbischinski 20. Februar 2011 um 22:36

            Hallo
            toll deine Isolierung. Mir ist heute gerade mal wieder meine Isolierung aus Alufolie kaputtgegangen. Kannst du mir sagen wie du deine ungefähr gebastelt hast, und mit welchem Band (auf dem Bild zu sehen) du sie befestigt hast. Da der Ofen ja sehr hieß wird muß es ja etwas sein was nicht verbrennt. Ich bin ansonsten genause begeistert von dem Colman wie du. Die Isolierung ist allerdings ein Problem.
            Gruß Evi

            Gefällt mir

            • Flohnmobil 20. Februar 2011 um 23:08

              Hallo Evi, willkommen im Flohnmobil!
              Unsere Isolierung ist so eine faltbare Abdeckung, wie du sie hinter jede Windschutz-Scheibe klemmen kannst. Also eine Luftpolsterfolie zwischen Alu-Abdeckung. Die Form an einem Stück ausschneiden (links, oben, rechts + hinten) und mit Klettverschlüssen notdürftig zusammenhalten. Alles andere funktioniert nicht, da die Matte sonst nicht mehr zusammenklappbar ist. Die Klettverschlüsse (0,5 x 2 cm reicht) habe ich mit normalem Bostitch angemacht. Das Band auf dem Bild ist ein hundskommuner Schnürsenkel.
              Grüsse, Bea

              Gefällt mir

          • Flohnmobil 20. Februar 2011 um 23:11

            Das ist jetzt vielleicht nicht wirklich hilfreich, aber vor einem halben Jahr habe ich so einen Backofen noch bei Fritz Berger in Neumarkt gesehen.

            Gefällt mir

Ein Flohnmobil will bewegt werden. Hilf Stillstandschäden zu vermeiden und schreib einen Kommentar!

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: